Weihnachtsmarkt in Bonn

Süßer Hammer verzückt Besucher

BONN.  Das nennt man Pech. Nur eine Stunde nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am Freitagvormittag gab die Abzugshaube am Stand von Gertrud Lorenz den Geist auf. Dabei ist gerade sie auf funktionierende Technik angewiesen. Erstmals bieten sie und ihr Mann auf dem Weihnachtsmarkt in Höhe des Bottlerplatzes Flammlachs an. Eine finnische Köstlichkeit, die am offenen Feuer gegart wird. Und dementsprechend viel Rauch erzeugt.
Vorweihnachtsstimmung vor dem Bonner Münster: 170 Buden sind täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet.
								Foto: Barbara Frommann
Vorweihnachtsstimmung vor dem Bonner Münster: 170 Buden sind täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Foto: Barbara Frommann

"Das war ja klar, dass gleich am ersten Tag was schiefgeht", sagt sie und lacht. Gott sei Dank. Die neue Haube ist schon unterwegs, hat sie soeben von ihrem Mann erfahren. "Mmh, lecker", loben Rolf und Gertraud Haug den rosafarbenen Lachs im Brötchen. "Ist ja auch auf Buchenholz geröstet", erklärt die Schaustellerin dem Ehepaar aus München. Die beiden sind zu Besuch bei ihrer Tochter. "Einen so schönen Weihnachtsmarkt wie Bonn hat München nicht", sind die Haugs überzeugt.

Wie ein Magnet wirkt der Stand von Tanja Luxem in der Poststraße. Auch sie ist mit diesem Angebot das erste Mal dabei. Werkzeug aus Schokolade. Handgeschöpft. Da gucken die Kunden zweimal hin. "Sieht aus wie ein rostiger Hammer", sagt ein Mann, "kann man den wirklich essen?" Tanja Luxem zögert nicht lange, und bricht ein Stück vom Hammer ab. Der Mann verdreht verzückt die Augen. Was für ein Genuss. Eine Touristin zieht die Kamera aus ihrer Tasche. "Das habe ich ja noch nie gesehen", sagt sie, als Luxem eine Glühbirne in die Fassung schraubt. Beides aus Zartbitter-Schokolade. "Mit Vollmilchschokolade geht das nicht", erklärt sie, "die flockt aus."

Bonner Weihnachtsmarkt 2012
Wieder dabei: Der Stand mit den Krippenfiguren aus Olivenholz aus Bethlehem schräg gegenüber von der Münsterkirche an der Ecke Poststraße. Normalerweise bedient dort Jerries Ghawaly die Kunden. Doch der palästinensische Christ, der aus der Region stammt, in der Jesus geboren wurde, wird in diesem Jahr von seinem Bruder Iyad vertreten. "Mein Bruder konnte leider das Land nicht verlassen", bedauert er. Auch der Bonner Weihnachtsmarkt bleibt von den weltpolitischen Ereignissen nicht verschont.

Gleich neben der Beethovenstatue - übrigens sehr weihnachtlich von mit roten Schleifen geschmückten Tannenbäumen umsäumt - bewundern einige Besucher die Bilder von Thomas Artur Wagner. Selbstredend hat der freischaffende Kunstmaler auch den größten Sohn der Stadt porträtiert. In den verschiedensten Ausführungen. Das Schicksal hat es mit Wagner im vorigen Jahr nicht gut gemeint. Seine Frau ist an Krebs gestorben, erzählt er und weist auf eine Bildcollage an der Wand seiner kleinen Holzhütte hin. Sie zeigt die Schmuckdesignerin, als sie noch am Stand mitarbeitete.

Lautes Lachen dringt aus dem Aktionshaus des städtischen Jugendamtes gegenüber dem Münster. Dort können Kinder nach Herzenslust malen und basteln. Kostenlos. Ein Service für Eltern, die in Ruhe über den Markt bummeln wollen. Für 170 Buden braucht man Zeit. Neben Essen und Trinken wird vor allem Kunsthandwerk von Glasgefäßen über Schmuck bis Holzspielzeug geboten. Und wer sich einen Glühwein gönnen will, zahlt mit 2,50 Euro für einen Becher an den meisten Ständen auch nicht mehr als im vorigen Jahr.

Öfffnungszeiten:
Der Weihnachtsmarkt in der Bonner Innenstadt ist ab sofort täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet (Getränke- und Imbissstände sonn- bis donnerstags bis 21.30, frei- und samstags bis 22.30 Uhr). An diesem Totensonntag, 25. November, bleibt der Markt geschlossen. Am 30. November zur langen Einkaufsnacht bis 22 Uhr ist er bis Mitternacht geöffnet. Offizielle Eröffnung ist am 1. Dezember. Dann öffnet auch die Kirchenmeile am Münster.

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