Rund 50.000 Studierende

Ein Jobmotor für die Region

Auf der Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften haben Regionen, die über ein gutes Hochschulangebot verfügen, einen großen und in Zukunft immer größer werdenden Standortvorteil, erklären die Wirtschaftsexperten.

Auf der Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften haben Regionen, die über ein gutes Hochschulangebot verfügen, einen großen und in Zukunft immer größer werdenden Standortvorteil, erklären die Wirtschaftsexperten.

Die Bedeutung der fünf Präsenzhochschulen für die Region kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Davon sind die Wirtschaftsförderer aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Ahrweiler überzeugt.

Talentschmiede und Jobmotor für die Wirtschaft der Region in einem enger werdenden Markt für Nachwuchskräfte. Zugpferd für einen überproportional hohen Bedarf an Akademikern. Einfallstor zu wissenschaftlichen Innovationen. Keimzelle für spannende Startups und Quelle für kulturelle Impulse und quirliges Leben in der Stadt.

Wer die Wirtschaftsförderer der Stadt Bonn, des Rhein-Sieg-Kreises und des Kreises Ahrweiler nach der Bedeutung der fünf Präsenzhochschulen in der Region fragt, bekommt viele Antworten.

Insgesamt lernen rund 50.000 Studierende an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, auf dem RheinAhr Campus Remagen der Hochschule Koblenz, in der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn (IUBH) und der Alanus Hochschule in Alfter.

"Viele Studierende kommen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands, und auch eine hohe Anzahl an internationalen Studierenden zieht es in die Region Bonn", sagt die Bonner Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe. Eine Bereicherung: Die jungen Leute "wohnen hier, konsumieren und beleben Stadt und Region".

Gut ausgebildete qualifizierte Nachwuchskräfte

Ein belebendes Element, findet auch ihr Rhein-Sieg-Kollege Hermann Tengler. Dennoch steht für alle Wirtschaftsförderer der Nachwuchs für die regionale Wirtschaft im Zentrum. "In erster Linie stellen die Hochschulen gut ausgebildete qualifizierte Nachwuchskräfte bereit", sagt Tengler.

Von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg wisse er, dass 40 Prozent ihrer Studierenden aus der Region kommen, aber 60 Prozent der Absolventen nach dem Studium einen Job in der Region ausübten.

Sein Fazit: "Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg »importiert« also hochqualifizierte Nachwuchskräfte in die Region." Und qualifizierte Fach- und Führungskräfte seien heute schon für Unternehmen der größte Engpass - ein Trend, der sich fortsetze.

"Deshalb besitzen Regionen, die hier über ein gutes Angebot verfügen, einen großen und in Zukunft immer größer werdenden Standortvorteil", setzt Tengler auf eine wachsende Bedeutung der Hochschulen.

Was für Bonn und Umgebung mit überdurchschnittlich hohem Akademikerbedarf entscheidend ist: "Mit einem Anteil von 25 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die über einen Hochschulabschluss verfügen, rangiert Bonn auf Platz sieben unter den 70 größten Städten Deutschlands." Auch der RheinAhrCampus Remagen ist aus der regionalen Wissenslandschaft nicht mehr wegzudenken.

Wissens- und Technologietransfer stärkt die Innovationsfähigkeit

Nicht weniger wichtig, da sind sich die Wirtschaftsförderer einig, ist der Zugang regionaler Unternehmen zum Know-how aus Wissenschaft und Forschung. Ein starker Wissens- und Technologietransfer stärke die Innovationsfähigkeit der Firmen.

Auch seien die Hochschulen selbst Keimzelle für Firmengründungen. "Gerade hochschulbasierte Gründungen, so genannte Spin offs, sind - das ist empirisch belegt - oftmals besonders wachstumsstark und zukunftsträchtig", sagt Tengler.

Mit Unterstützung der BusinessCampus GmbH (an der neben der Hochschule auch die Kreissparkasse und die Kreiswirtschaftsförderung beteiligt sind) seien bereits mehr als 100 erfolgreiche Unternehmen entstanden.

Auch das "Bonn-Profits" Innovations- und Gründungszentrum der Stadt Bonn setzt auf wissensbasierte Gründungen und bietet Existenzgründern aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine Plattform zum Unternehmensstart.

Auch der RheinAhrCampus in Remagen hat sich als eines der Vorzeigeprojektes des Ahr-Kreises fest in der Wissenschaftslandschaft etabliert, betont Kreiswirtschaftsförderer Tino Hackenbruch: "Die Unternehmen in der Region können vom RAC als Innovations- und Dienstleistungszentrum ganz besonders profitieren. Schließlich ist die Hochschule nicht nur akademische Ausbildungsstätte sondern gleichzeitig Heimat hochkarätiger Forschungseinrichtungen."

Ausländische Partner-Unis

Wissenschaftler, Lehrende und Studierende sind auch lebendiger Werbefaktor für die Region, sagt Appelbe: "Sie sind Multiplikatoren für die Darstellung der Region und ihrer Hochschulen nach außen." Das gilt besonders für internationale Wissenschaftler, die das umfangreiche Hochschulangebot in die Region zieht - ablesbar an der Zusammenarbeit mit ausländischen Partner-Unis, aber auch am wachsenden Anteil ausländischer Studierender, der je nach Hochschule zwischen zehn und 15 Prozent liegt.

Ist die Studiensprache Englisch - wie an der IUBH oder in bestimmten Studiengängen - liegt der Anteil noch höher.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Hochschulen für die Region ist laut Appelbe keineswegs zu unterschätzen: "Der Lehrkörper und die Mitarbeiter einer Hochschule sind zu einem großen Anteil Einwohner der Region. Sie wohnen hier, kaufen ein, zahlen Steuern und engagieren sich."

Sie tragen zum hohen Bildungsniveau und zur Kaufkraft bei. Auch die Studierenden, selbst wenn sie üblicherweise über geringe Einnahmen verfügen, konsumieren, mieten Wohnungen und tragen durch verschiedene studentische Jobs zum Beispiel in Einzelhandel und Gastronomie, aber auch in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, zum Wirtschaftsleben bei.

Als Beleg führt Tengler Zahlen einer Studie über die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg von 2011 an: Demnach generiert allein die H-BRS jährlichen Umsatz von 68 Millionen Euro, von dem rund 47 Millionen für Ausgaben zur Verfügung stehen. Von dieser Summe werden laut Studie 83 Prozent, also 39 Millionen Euro, in der Region ausgegeben.

Eine Summe, die inzwischen noch gestiegen sein dürfte. Denn zum Zeitpunkt der Datenerhebung studierten noch 5000 junge Leute an der Hochschule; seither ist sie um mehr als 60 Prozent gewachsen. "Diese Zahlen verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Dimension eines Großunternehmens entspricht", betont Tengler. Und genau diese Rolle spielen die fünf Hochschulen auch als Arbeitgeber: Sie beschäftigen zusammen rund 14.000 Mitarbeiter.

Kooperationen mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen

Schwieriger ist es, die Rolle als Talentschmiede für den regionalen Arbeitsmarkt in Zahlen zu gießen. "Das ist von Hochschule zu Hochschule verschieden", sagt Appelbe. Manche Hochschulen und Fachbereiche kooperierten eng mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen, von Praktikumssemester und Abschlussarbeiten bis hin zum ersten Job.

"Die Absolventen der regionalen Hochschulen sind auch der akademische Nachwuchs für den regionalen Arbeitsmarkt." Vorausgesetzt, die Harmonie stimmt. "Die Angebote der Hochschule und die Aufnahmefähigkeit der örtlichen Wirtschaft müssen zueinander passen", findet Hermann Tengler.

"Traditionell sind die »Fach«hochschulen, die sich mittlerweile alle Hochschulen nennen, anwendungsorientierter und kooperieren enger in Forschungsprojekten mit Unternehmen", bestätigt Appelbe. Lufthansa, Ford, Telekom und viele andere unterstützen für sie interessante Ausbildungsgänge.

Veranstaltungen wie Unternehmenstage oder "Next stop: job" bringen Absolventen und Arbeitgeber zusammen. Seit mehr als 20 Jahren sind die Hochschulen mit den Wirtschaftsförderungen auf Messen wie in Hannover vertreten, um auch außerhalb der Region Unternehmenspartner zu finden.

Hochschulen haben professionelle Ansprechpartner für Unternehmen

Trotzdem gebe es immer noch Luft nach oben, sind sich die Wirtschaftsförderer einig. "Aber wer die Hochschulen als Innovationsgeber nutzen will, der wird auch fündig", ist Tengler überzeugt. Mit ihren Zentren für Wissens- und Technologietransfer verfügten die Hochschulen über professionelle Ansprechpartner für die Anliegen von Unternehmen.

"In vielen Bereichen läuft die Zusammenarbeit gut", urteilt Appelbe, "aber gerade klein- und mittelständische Unternehmen könnten noch mehr von den Erkenntnissen der Hochschulen profitieren - und gleichzeitig die Hochschulen von den Erfahrungen der Wirtschaft".

Doch jenseits von Detailproblemen geraten die Wirtschaftsförderer ins Schwärmen. "Die Wissenschaftsregion Bonn hat national und international einen guten Ruf", betont Appelbe. Was nicht allein den Hochschulen, sondern auch deren Zusammenwirken mit den hier ansässigen Forschungseinrichtungen, Organisationen der Wissenschaftspolitik, Bundeseinrichtungen und internationalen Organisationen geschuldet sei.

United Nations University (UNU), Philosophisch-Theologische Hochschule SVD, Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe als weitere Hochschulen, aber auch fünf Fraunhofer- und drei Max-Planck-Institute.

Viele der Wissenschaftseinrichtungen sind gut vernetzt

Dazu auch Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, caesar, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutscher Akademischer Auslandsdienst, Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Hochschulrektorenkonferenz, Wissenschaftszentrum des Stifterverbandes.

Eine Liste, die sich sehen lassen kann, wie Tengler findet: "Es gibt deutschlandweit wohl keinen vergleichbaren Raum mit einer Einwohnerzahl von rund einer Million, der ähnlich stark aufgestellt ist." Mehr noch: Viele der Wissenschaftseinrichtungen sind gut vernetzt.

Ihre Zusammenarbeit manifestiert sich in Kooperationsverträgen, Forschungsprojekten und etlichen gemeinsamen Veranstaltungen, wie der Bonner Wissenschaftsnacht, Messeauftritten und einer gemeinsamen Präsenz im Internet.

Weitere Informationen unter www.wissenschaftsregion-bonn.de