Verfahrenstechnologe Mühlen

Wasser, Walzen, Schrot und Korn

Beherrscht noch das alte Handwerk des Müllers: Paul-Heinz Dobelke.

Beherrscht noch das alte Handwerk des Müllers: Paul-Heinz Dobelke.

Kaum einer, der sich am Wochenende genüsslich sein Frühstücksbrötchen schmiert oder in der Arbeitspause in seine Stulle beißt, ahnt wohl, wie viel Arbeit in der Brotherstellung steckt.

In einem Weizenbrötchen sind beispielsweise 40 Gramm Mehl verarbeitet – und das will erst einmal gemahlen werden. Früher war dafür ganz selbstverständlich der Müller zuständig, den es in jeder größeren Siedlung gab, ebenso wie den Schmied und den Dorfbäcker. Und heute?

Wird auch noch Korn gemahlen. Aus dem reinen Handwerk – verbunden mit viel mühseliger und kräftezehrender Handarbeit – ist jedoch ein moderner Beruf mit Hightech-Einsatz geworden. Der Müller von damals heißt heute Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft, und während eine Mühle in Süddeutschland „nur“ rund 173 000 Einwohner mit Mehl versorgt, sind es in Nord- und Westdeutschland immerhin rund 551 000.

Auch in der Stadt Bonn und dem Umland stehen noch einige Exemplare: So gibt es in Meckenheim die Obere Mühle, um die sich ein Förderverein kümmert und in Bonn-Beuel die Holzlarer Mühle. Wenngleich letztere durch verschiedenste Aktionen wie Malseminare, einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt und Tage der offenen Tür mit Leben gefüllt wird, ist hier kein gemahlenes Korn mehr zu finden. Tatsächlich in Betrieb sind dagegen die Broicher Mühle in Wachtberg-Villip und die Horbacher Mühle in Neunkirchen-Seelscheid.

Während linksrheinisch ein Diplomingenieur der Elektrotechnik der Herr über die Mahlwerke ist, gibt es rechtsrheinisch in Paul-Heinz Dobelke noch einen echten Müllermeister von altem Schrot und Korn. Beide produzieren mit alten Mahlmaschinen in mehreren Mahlgängen Vollkornschrote und -mehle aus Weizen, Dinkel und Roggen für Bäckereien, Cafés und Hofläden im Umland sowie viele private Stammkunden.

Hier wie dort schmecken die Produkte sehr aromatisch und ein bisschen wie zu Omas Zeiten. Beide Müllerfamilien lieben ihr jahrhundertealtes Handwerk, und das schmeckt man in jeder Krume. Hierin liegt vielleicht die Zukunft, denn auch wenn die Romantik angesichts der modernen Technik vielerorts nur noch im Auge des Betrachters liegt, gibt es doch immer mehr Menschen, die sich bewusst ernähren und die eigene Zubereitung des Essens als Erlebnis betrachten. Den Anfang könnten da die Backmischungen machen, die sowohl bei Familie Bedorf in der Broicher Mühle als auch bei Familie Dobelke in der Horbacher Mühle in die kleinen Hofläden locken. ⋌ah