Glashandwerk

Kunsthandwerker mit Durchblick

Die Schüler der Glasfachschule sollten eine ruhige Hand und künstlerisches Geschick mitbringen.

Die Schüler der Glasfachschule sollten eine ruhige Hand und künstlerisches Geschick mitbringen.

Wer beim Stichwort Glaser an Fenster, Türen oder die Windschutzscheibe beim Auto denkt, sollte in die Glasfachschule Rheinbach kommen: Julia Koch fasziniert mit ihrem sakral angehauchten Vorentwurf zum Gesellenstück zur Glasveredlerin Kunstverglasung und Glasmalerei.

Franka Schorn aus dem gleichen Fachbereich ist im zweiten Ausbildungsjahr und malt auf Flachglas eine naturgetreue Rose in unterschiedlichsten Facetten und Rottönen. Mehdi Alimohamady schließlich befindet sich in der Ausbildung zum Glaser und arbeitet konzentriert an einer Ornamentik aus verschiedensten bunten Glasstücken. Überall in den Fachräumen wird geschliffen, gesägt, geschnitten und poliert, geätzt, modelliert und graviert.

Und die Ergebnisse können sich als gelungene Symbiose aus Handwerk und Kunst sehen lassen: gläserne CD-Ständer neben gläsernen Schreibtischordnern, kunstvolle Trinkgefäße aus Glas neben bunt schimmernden Schalen. Die sehr gute Ausbildung in Rheinbach wird geschätzt, denn Absolventen arbeiten zum Beispiel bei der Kölner Dombauhütte oder der bayrischen Hofglasmalerei in München.

Viele der von den aktuell 81 Schülerinnen und Schülern geschaffenen Kunstwerke stehen natürlich im eigenen Zuhause, und einiges blieb auch in Rheinbach. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass gläserne Kunstwerke mit Durchblick von Kunden in Auftrag gegeben werden: „Im Treppenhaus des Rheinbacher Notariats von Mario Leitzen hängt zum Beispiel ein Werk von uns mit dem Titel Tetrominos“, berichtet Lehrerin Stephanie Moers mit Stolz. Auch andere Auftraggeber kommen aus der Region: Die Deutsche Welle ließ hier ihren Demokratiepreis kreieren, der GA den Pokal zum Sportler des Jahres anfertigen.

Zum 70-jährigen Bestehen in diesem Jahr planen die 53 Lehrer der Schule mit ihren insgesamt 806 Schützlingen so Einiges an Überraschungen und Aktionen. Neben dem Berufsschulbereich Glas und Gestaltung ist die Einrichtung aber auch längst in der Moderne angekommen: Wem der Werkstoff Glas doch zu brüchig erscheint, der findet verschiedenste Ausbildungsmöglichkeiten mit den Schwerpunkten Grafik/Objektdesign und Medien/Kommunikation bis hin zum Abitur.

Im September steigt dann – in Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinbach, dem Glasmuseum und der heimischen Obstanbaufirma Krings als Sponsor die große Geburtstagsparty, zu der man sich statt einer Torte einen Kreisel gönnt, einen römischen Glasofen baut und sogar die NRW-Schulministerin erwartet.⋌ah