Mercedes E 300 Bluetec hybrid: "Die sparsamste Limousine der Oberklasse"

Rekordwerte bei Effizienz
Ein echter Hingucker: Der Mercedes E 300 Bluetec hybrid steckt im bekannten Kleid der E-Klasse.
								Foto: Werksfoto
Ein echter Hingucker: Der Mercedes E 300 Bluetec hybrid steckt im bekannten Kleid der E-Klasse. Foto: Werksfoto

Der schwäbische Volksmund geizt nicht mit Weisheiten zur Tugend der Sparsamkeit. "Bei reichen Leuten lernt man's Sparen" ist nur ein Beispiel. Somit lässt sich ein sinnvoller Bogen zur kongenialen Verbindung von Geizen beim Kraftstoff und einer Oberklasselimousine der 52 000-Euro-Liga schlagen. Mit Rekordwerten bei einer Effizienz von 4,2 Liter Diesel für 100 Kilometer Fahrstrecke und 109 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer geht nun der Mercedes E 300 Bluetec Hybrid an den Start.

Als "sparsamste Limousine der Oberklasse", wie Projektleiter Michael Weiss betont.  Der Diesel-Hybridantrieb im bekannten Kleid der E-Klasse ist nun auch in Verbindung mit der viertürigen Limousine oder dem Kombi zu haben. Der vorzügliche Komfort, die gute Ergonomie und die problemlosen Fahreigenschaften der Baureihe sind bereits hinlänglich gepriesen. Die aktuellen Versionen der E-Klasse kamen im März 2009 auf den Markt und lockten als umsatz- und gewinnträchtigste Baureihe der Schwaben alleine 2011 in Deutschland 61 371 Käufer.

 Somit darf sich dieser Fahrbericht auf die Antriebstechnik konzentrieren. Angesichts eines Dieselpreises, der schon locker die Schwelle von 1,50 Euro genommen hat, wird nun auch der Selbstzünder als Verbrennungspartner beim Hybridantrieb attraktiv. Der Antrieb mit Verbrennungsmotor, Generator und Energiespeicher ist endgültig bei den Schwaben angekommen. "Die Hybridtechnik bestimmt künftig mittel- bis langfristig die Antriebsstrategie bei Mercedes", so Michael Weiß.

Dafür hat der Hersteller ein cleveres, modulares System aufgebaut. Generator, Kraftübertragung, Energierückgewinnung und -speicherung sind so standardisiert, dass sie sich mit unterschiedlichen Verbrennungsmotoren kombinieren lassen. Während der Diesel-Hybrid für die europäischen Märkte vorgesehen ist, verbindet Mercedes die Hybrid-Komponenten mit einem Reihensechszylinder-Benziner als E 400 Bluetec Hybrid für asiatische und amerikanische Märkte.

 Egal wie sparsam der Antrieb sein mag, für eine Limousine der Oberklasse liegen die Ansprüche in puncto Leistung, Leistungsentfaltung und Geräuschkomfort auf hohem Niveau. Bei der Leistung ist im E 300 Bluetec Hybrid nicht der geringste Zweifel angebracht. Der Vierzylinder-Diesel mit 2,2 Liter Hubraum entwickelt 150 kW/205 PS Leistung und praktisch ab Leerlaufdrehzahl ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmeter. Dazu kommen 20 kW/27 PS und weitere 250 Newtonmeter Drehmoment, die der elektrische Generator beisteuert.

 Um Gewicht und Platz sparen, hat sich Mercedes beim Energiespeicher für eine kompakte Lithium-Ionen-Batterie entschieden. Sie sitzt vorne rechts im Motorraum und fordert damit keinerlei Abstriche am Platzangebot des Innen- und Gepäckraums. Somit lassen sich zwar keine nennenswerten Strecken im rein elektrischen Betrieb zurücklegen, zum lautlosen ein- und Ausparken reicht der Batteriestrom allemal.

 Als Kraftübertragung fungiert das siebenstufige Automatikgetriebe "7G-Tronic Plus". Es kommt ohne Drehmomentwandler aus, verfügt dafür aber über eine sogenannte "Nasse Anfahrkupplung, die die Kollegen von AMG aus ihren leistungsstarken Modellen zur Verfügung gestellt haben. Zum einen konnten die Techniker den nur 7,5 Zentimeter breiten Elektromotor in die Getriebeeinheit integrieren, so dass sie nur geringfügig mehr Bauraum beansprucht. Zum anderen setzt die Hybrid-E-Klasse dank Nasskupplung problemlos die 750 Newtonmeter in Vortrieb um, wenn der Fahrer es nur wünscht.

 Und das tut er gerne und eigentlich viel zu oft; aus reiner Freude am Fahren und bei aller Freude am Sparen. Mit nachdrücklichem Gasbefehl beim Anfahren, zum Beschleunigung beim Einfädeln oder Überholen prescht die doch 1,85 Tonnen schwere Limousine wie ein junges Füllen nach vorne. Die Dämmung des Motors hält dabei jede Lautentwicklung wirksam vom Innenraum fern.

 Der natürliche Lebensraum der Hybrid-E-Klasse ist die Autobahn, respektive jede gut ausgebaute Bundesstraße. Stadt- und Schleichverkehr gehen natürlich auch, schon weil eine Start-Stop-Automatik serienmäßig an Bord ist. Aber auf der langen Strecke entfaltet der sanfte Gleiter erst so richtig sein volles Verwöhnaroma. Hier lässt sich auch das gesamte Sparpotenzial der Antriebstechnik umsetzten. Bis circa 160 km/h verfügt der Hybrid über eine sogenannte "Segelfunktion". Wenn das Fahrzeug beispielsweise bergab rollt, schaltet der Diesel ab, die gewünschte Geschwindigkeit hält dann der E-Motor aufrecht, bis die Batterie wieder aufgeladen werden muss.

 Das funktioniert in der Praxis einwandfrei. Natürlich sind die 4,2 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer aus den Herstellerangabe ein akademischer Wert, der unter Laborbedingungen ermittelt wird. Aber trotz gelegentlichem (lustvollen) Einsatzes der vollen Kraft beider Herzen zum Beschleunigen ist ein Praxisverbrauch mit einer Fünf vor dem Komma locker realisierbar. Damit beweisen die Schwaben, dass ihnen zumindest in der Kunst des Sparens niemand etwas vormachen kann. Denn beim Mercedes E 300 Bluetec Hybrid präsentiert sich Sparsamkeit nicht nur als Tugend, sondern gibt gleichzeitig Anlass für ein großes Fahr-Vergnügen. (mid)

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