Fiat 500 L: Überraschend umfangreich

Mit dem 500L hat die Modernisierung des Fiat-Konzerns erstmals sichtbare Formen im Auto-Alltag angenommen. Die Marke Fiat soll nach dem Willen des Konzernchefs Sergio Marchionne künftig ihren Modellschwerpunkt nicht mehr auf konventionelle Kleinwagen legen, sondern mit originellen Konzepten und pfiffigem Design gegen die koreanische Konkurrenz punkten.
Seit Ende des vergangenen Jahres hat der 500 L europaweit 40 000 Käufer gefunden. Foto: HERSTELLER

Dafür steht vor allem der 500L, wobei das "L" für "Largo" oder "umfangreich" steht. Mancher mag die äußeren Proportionen des 500L als etwas gewöhnungsbedürftig empfinden, Lob verdienen sich die Fiat-Kreativen bei der Gestaltung des Interieurs. Es wirkt modern, frisch, aufgeräumt und funktional.

Verspielte Gimmicks blieben draußen, hochwertige Materialien und geschickte Farbkombinationen - das geht bis zu einem Bi-Color-Lenkrad - sollen Premium-Ambiente verströmen. Die Top-Version übernimmt sogar das Prinzip der lackierten Armaturentafel des 500.

Auch Raumangebot und Platzverhältnisse überzeugen beim 500L. Erst recht, wenn das 1,5 Quadratmeter große Glasdach geordert ist. Vorne wie hinten sitzen selbst große Personen bequem.

Bei einer Gesamtfahrzeuglänge von 4,14 Metern, nur sieben Zentimeter länger als der Fiat Punto, nicht gerade selbstverständlich. Um eine möglichst große Variabilität des Innenraums haben sich die Entwickler auch bei der Vielseitigkeit der Rücksitzstellungen und des Gepäckraumes bemüht.

Lehnen und Sitzflächen im Fond sind 60:40 geteilt, längs verschieb- und nach vorne umklappbar. Für langes Ladegut bis 2,40 Meter kann sogar die Beifahrerlehne vorgeklappt werden. Ein doppelstöckiger Ladeboden erlaubt die Trennung von beispielsweise schmutzigen und sauberen Sachen.Wie bereits beim 500er erfolgreich praktiziert, steht auch dem 500L-Kunden ein breites Individualisierungsprogramm zur Verfügung. Alle möglichen Farbkombinationen für Karosserie, Dach und Felgen zusammengefasst, ergeben sich 333 verschiedene Varianten.

Hinzu kommen aus dem Zubehörprogramm "Lineaccessori" über 100 weitere Komponenten, um den Wagen nach seinem Geschmack auszustatten. Und wie weit Italiens Automarke Nummer eins künftig das Thema Lifestyle und Genuss treibt, zeigt erstmals ein Feature an Bord des 500L, das bald auch auf andere Modelle ausgeweitet werden soll.

In Zusammenarbeit mit Lavazza entstand eine handliche Kaffeemaschine. Klein wie eine Halbliter-Thermosflasche wird sie in eine spezielle Docking-Station gesteckt und brüht unterwegs frischen Espresso.

Zum Markstart im vergangenen Jahr standen für den 500L drei Motoren zur Verfügung - zwei Benziner und ein Diesel. Jetzt bietet Fiat für den Kompakt-Van zwei zusätzliche Aggregate an. Der neue Benziner 500L TwinAir kostet in der Ausstattung Easy 18 500 Euro, der Diesel 500L 1.6 Multijet schlägt mit 19 800 Euro zu Buche.

Der Familien-Van hat seit Ende des vergangenen Jahres in Europa bereits rund 40 000 Käufer gefunden. Aber die bisherigen Triebwerke waren mit den Ansprüchen ambitionierter Fahrer auf dem Weg zwischen Kinderzimmer und Kindergarten mit den knapp 1,3 Tonnen Leergewicht des 500L überfordert.

Beide neuen Maschinen gehören zu neuen Triebwerk-Generationen, arbeiten aber bereits in mehreren Modellen des Fiat-Konzerns. Mit höherer Leistung, aber mit identischem Hubraum im Vergleich zu seinem bereits offerierten Bruder, kommt der Zweizylinder-Benziner mit 875 Kubikzentimetern Hubraum und 77 kW/105 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 145 Nm bei 2000 U/min daher.

Damit erreicht der 500L eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Er beschleunigt aus dem Stand auf 100 km/h in 12,3 Sekunden und verbraucht nach Norm 4,7 Liter Benzin (112 Gramm CO2/km). Der 500L TwinAir erfüllt bereits die Emissionsvorgaben von Euro 6.

Für Familien, die im Jahr auf mindestens 12 000 Kilometer Fahrleistung kommen, ist der teurere 500L 1.6 Multijet die richtige Wahl. Er kostet ab 19 800 Euro und begnügt sich im Normzyklus mit 4,5 Litern Diesel auf 100 km (117 Gramm CO2/km). Wobei der Vierzylinder-Diesel, den wir während einer ausführlichen Probefahrt bewegen konnten, nicht nur wegen des Sparens eine gute Wahl ist.

Denn aus 1,6 Litern Hubraum werden bei 3700 U/min 77 kW/105 PS geliefert. Die maximale Durchzugskraft von üppigen 320 Nm gibt es bereits bei 1750 U/min. Damit kann der Fahrer den Diesel sehr schaltfaul bewegen, aber auch bis über 4000 U/min drehen.

Das Triebwerk zieht selbst in der dritten Stufe des präzise und leicht zu schaltenden Sechsganggetriebes aus leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl gut durch. Für den kurzen Zwischenspurt zum Überholen auf der Landstraße bietet er ausreichende Leistungsreserven.

Dafür sorgt der Turbolader mit Ladeluftkühlung, der für den starken Anstieg des Drehmoments zuständig ist. Dabei bleibt der Motor bis etwa 4000 U/min relativ leise, jedoch ein wirklicher Flüsterdiesel ist der Vierventil-Common-Rail-Selbstzünder nicht. Aber seine Kraftkultur ohne peinigende Vibrationen passt gut zu dem 500L.

Deshalb eignet sich der Fiat-Familienwagen auch für längere Strecken mit Kind und Kegel und der nötigen Ausrüstung für die Freizeit. Zu dem stärkeren Antritt und dem kräftigeren Auftritt fügen sich das große Raumangebot und eine komplette Ausstattung sowie der annehmbare Federungskomfort. So steht der drehmomentstärkste 500L auch für die bisher größte Portion an Fahrspaß und Reisevergnügen.

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