Mit Kette und Code - Der beste Schutz vor Fahrraddieben

Fahrraddiebstahl verhindern

Ganz verhindern lassen sich Fahrraddiebstähle nicht - aber mit guten Schlössern und einer Codierung am Rahmen machen Radler Kriminellen das Leben so schwer wie möglich. Foto: Kai Remmers

17.07.2014 Berlin. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht: Wenn es Fahrraddiebe drauf anlegen, bekommen sie auch die dicksten Schlösser geknackt. Radfahrer haben aber noch mehr Möglichkeiten, den Dieben ihr Treiben zu erschweren.

Auf die vergnüglichen Stunden im Freibad oder Biergarten folgt der Schock: Das Fahrrad ist weg! Es passiert häufiger als man denkt: Statistisch betrachtet wurden im Jahr 2013 in Deutschland jeden Tag 868 Räder gestohlen - und das sind nur die bei der Polizei angezeigten Fälle. Nicht einmal jeder zehnte der 316.857 Raddiebstähle konnte aufgeklärt werden, die Quote betrug laut Bundeskriminalamt 9,6 Prozent. Umso wichtiger ist es, alles daranzugeben, dass das Fahrrad nicht unfreiwillig den Besitzer wechselt. So machen Radler Dieben das Leben schwer:

Gute Schlösser: Fahrradschlösser gibt es in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Als besonders aufbruchsicher gelten Bügelschlösser. Der Nachteil: Sie sind schwer und starr. Vor einem guten Jahr testete die Stiftung Warentest 37 Fahrradschlösser aus verschiedenen Kategorien, dabei schnitten Bügelschlösser noch am besten ab. Leichter zu knacken waren Faltschlösser, die einem Zollstock ähneln, aber auch Panzerkabel- und Kettenschlösser mit Kunststoffummantelung. Das heißt aber nicht, dass sie ihren Zweck gar nicht erfüllen. Brauchbare Modelle sind dem Test zufolge zwischen 40 und 120 Euro zu haben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt, etwa zehn Prozent des Kaufpreises eines Rades in ein Schloss zu investieren.

Besser mit Schlüssel: Bei der Qualität von Fahrradschlössern kommt es nicht nur auf die Dicke und Härte des Stahls an, sondern auch auf den Schließmechanismus. Der sollte möglichst hochwertig sein. Unabhängig davon sind Zahlenschlösser nach Erkenntnissen der Stiftung Warentest aus einem Test im Frühjahr 2014 mit acht Modellen für 8 bis 43 Euro eher die zweite Wahl: Alle Kandidaten ließen sich sogar von Laien in rund 20 Sekunden mit Säge oder Bolzenschneider knacken.

Anschließen statt nur abschließen:Der ADFC rät, den Fahrradrahmen sowie Vorder- und Hinterrad an fest verankerte Gegenstände anzuketten, zum Beispiel an Radständer oder Laternen. Reicht ein Schloss dafür nicht aus, muss ein zweites her - am besten ein anderes Modell, um es Kriminellen schwerer zu machen. Grundsätzlich sollten Schlösser möglichst weit vom Boden entfernt angebracht sein, damit dieser nicht als Hebel etwa für Bolzenschneider genutzt werden kann.

Bauteile sichern: Genauso ärgerlich wie der Radklau ist der Diebstahl einzelner Bauteile wie Sattel, Vorbau oder Nabendynamo. Schutz davor bieten im Zubehörhandel erhältliche Spezialschrauben, die sich nur mit individuellen Schraubenschlüsseln lösen lassen.

Code zur Abschreckung: Der ADFC empfiehlt, Fahrräder mit der EIN-Kennung zu codieren. Diese "Eigentümer-Identifikations-Nummer" wird am Rahmen angebracht und ermöglicht es, das Fahrrad dem Eigentümer direkt zuzuordnen: Die Zahlen-Buchstaben-Kombination setzt sich aus dem Kfz-Kennzeichen des Wohnorts, den letzten beiden Ziffern des Gemeindeschlüssels, einem Code für die Straße, der Hausnummer und den Initialen des Eigentümers zusammen. Codierte Fahrräder lassen sich schlechter weiterverkaufen, und der Code erhöht die Chance, ein entwendetes Rad wiederzubekommen. Die Codierung bieten viele Polizeidienststellen, Fahrradhändler und der ADFC zu Preisen bis etwa 15 Euro an.

Ein Ausweis fürs Rad: Mit einem Fahrradpass, in dem unter anderem Modellbezeichnung, Rahmennummer und besondere Merkmale vermerkt werden, hat man nach einem Diebstahl alle benötigten Informationen für Polizei und Versicherung gleich zur Hand. Virtuelle Varianten, die es auch als App gibt (für iOS und Android), ermöglichen es zudem, Fotos zu hinterlegen.

Versicherung: Spezielle Diebstahlversicherungen für Fahrräder sind teuer. Eine Hausratpolice reicht laut dem Bund der Versicherten (BdV) aber meist aus. Sinnvoll sei es, die Hausratversicherung um einen 24-Stunden-Schutz zu erweitern, der auch dann greift, wenn das Rad außerhalb geschlossener Räume entwendet wird. Wichtig zu wissen: Die Versicherer zahlen nur, wenn ein Fahrrad abgeschlossen war.

Fahndung im Netz: Im Internet gibt es mehrere Seiten, auf denen Fahrräder als gestohlen gemeldet werden können. Dazu zählen etwa fahrrad-gestohlen.de, seriennummern-check.de und radklau.org. Betroffene können dort unter anderem Rahmennummer, Fotos und Ausstattungsdetails hinterlegen. Und wer einen herrenlosen Drahtesel findet, kann andersherum mit etwas Glück den Besitzer ausfindig machen. Das Start-up Fahrradjäger geht noch einen Schritt weiter und durchsucht permanent das Angebot des Online-Auktionshauses Ebay nach geklauten Rädern, die auf fahrradjaeger.de registriert wurden. (Von Christoph Walter, dpa)

Links
Fahrraddiebstähle in Deutschland

Das Bundeskriminalamt registrierte 2013 in Deutschland 316.857 Fahrraddiebstähle. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden nur 9,6 Prozent davon aufgeklärt. Das Versicherungs-Vergleichsportal geld.de schätzt die Schadenshöhe auf mindestens 134 Millionen Euro.

Nach absoluten Zahlen der Anzeigen führt Berlin mit 26.513 gestohlenen Rädern vor Hamburg mit 15.484. Hauptstadt der Fahrraddiebe ist aber Magdeburg, wo 2013 auf 100.000 Einwohner 1685 gestohlene Räder gemeldet wurden (Berlin: 786). Es folgen Cottbus (Brandenburg) mit 1638 und Münster (Nordrhein-Westfalen) mit 1552.

Sicherer konnten sich Radbesitzer im Bergischen Land fühlen: In Remscheid (59) und Wuppertal (83) wurden unter den von geld.de untersuchten Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern die wenigsten Räder gestohlen.