DiLeo glänzt an alter Wirkungsstätte

Telekom Baskets gewinnen bei den Gießen 46ers

GIESSEN. Die Telekom Baskets Bonn haben den nächsten wichtigen Schritt in Richtung Playoffs gemacht. In Gießen setzten sich die Bonner mit 86:80 durch und stehen nun auf dem vierten Tabellenplatz.

TJ DiLeo schlug mit der Faust ein gewaltiges Loch in die verbrauchte Luft der Sporthalle Gießen Ost und schrie seine Freude heraus. 86:80 (23:24, 20:27, 17:14, 26:15) – die Baskets hatten einen wichtigen Sieg im Kampf um die Playoffs eingefahren. In einer Halle, in der kein Auswärtssieg je ein Selbstläufer ist. Wer wüsste das besser als DiLeo, dessen Homecourt diese Lärmarena drei Jahre lang gewesen war.

Hier war er Mannschaftskapitän, ehe er nach Bonn wechselte, wo er zu dem Spieler reifte, der seine Mannschaft zu einem Sieg in eben jener unfreundlichen Atmosphäre führen kann. So, wie am Samstag. An alter Wirkungsstätte wurde der schlaue Passgeber mit 18 Punkten zum Topscorer. „Ich denke, wir hatten am Ende einfach mehr im Tank“, sagte er, „es ist ein besonderer Sieg für mich, weil es immer besonders ist, hierher zurückzukehren.“

Eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit, in der die Bonner Defense den Gießenern nur noch 29 Punkte gestattete, gab letztlich den Ausschlag.

Schlacht vor der Partie

Die Schlacht auf den Rängen begann schon vor der Partie. Der mit 80 Basketsfans ordentlich gefüllte Gästeblock forderte die Gießener lautstark heraus. Die Gegenseite unterstrich schon während der Bonner Teamvorstellung ihr Heimrecht, ließ es sich aber nicht nehmen, DiLeo und Yorman Polas Bartolo, die ehemaligen Gießener im Magenta-Trikot, wie alte Freunde zu begrüßen.

Schon kurz nach dem Hochball hatten die Kontrahenten Julian Gamble und John Bryant Zeit sich zu unterhalten, denn die Basketsfans warfen vereinsfarbenes Konfetti aufs Feld, dessen man versuchte, mit zwei Besen leidlich Herr zu werden. Nach den Aufräumarbeiten beendeten auch die Center ihren Plausch, das war es vorerst mit den Freundlichkeiten. Schon der erste Bonner Angriff wurde von Pfiffen begleitet. Hier spielte ein Team um seine kleine Playoff-Chance und die Fans wollten das Fünkchen Hoffnung nach Kräften anpusten.

Max Landis schoss die Hausherren mit fünf Punkten in Führung, der Dreier von Tomislav Zubcic zum 5:3 sorgte für einen kurzen Moment der Stille. Die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer sucht weiter beherzt nach ihrer Chance und bereitete den Baskets aus der Distanz einige Probleme. Mit seinem dritten Dreier traf John Bryant zum 19:18 (9.), unter den Körben hatte Gamble Vorteile.

Vor Viertelende verkürzt

Nach Jamarr Abrams' 24:20 kurz vor dem Viertelende versuchte die Halle mit Pfiffen, die Bonner Antwort zu verhindern, doch das interessierte Konstantin Klein nicht – im Gegenteil, es ist die Atmosphäre, die aus dem giftigen Bonner Aufbauspieler noch ein paar Prozent mehr herausholt: Per Dreier verkürzte er auf 23:24.

Benjamin Lischka eröffnete Viertel zwei mit fünf Punkten für Gießen (29:23), die Bonner zweite Fünf hielt dagegen. Dennoch sah Krunic bei 28:35 aus Baskets-Sicht Gesprächsbedarf. Nach der Auszeit ließ der Bonner Trainer die zweite Fünf auf dem Feld. Er wollte den Energieverbrauch verteilen, ahnend, dass diese kräftezehrende Angelegenheit, das Team als Sieger sehen würde, das am Ende besser mit den Kräften gehaushaltet hatte. Und Männer von der Bank arbeiteten sich wieder heran, sodass der eingewechselte Josh Mayo auf 40:42 verkürzen konnte (18.), doch die Gießener blieben stabil und nahmen eine Acht-Punkte-Führung mit in die Halbzeit (51:43).

DiLeos Lippen bewerteten im Gespräch mit Gamble den Rückstand, von seinen Lippen war zu lesen: „That’s okay.“ Die Baskets glaubten an sich – und hatten keinen Grund, es nicht zu tun. Denn sie hatten – vor allem defensiv – noch nicht das gezeigt, was sie zu spielen imstande sind. In der Kabine forderte Krunic mehr Intensität, mehr Defense und vor allem: mehr Emotionen.

Führung auf zehn Punkte ausgebaut

Und die bekam er. Zunächst schafften es die Gießener, ihre Führung auf zehn Punkte auszubauen (55:45, 22), aber dann arbeiteten die Baskets sich Stück für Stück heran, zogen in der Verteidigung die Zügel an, ignorierten die Tatsache, dass die sonst so zuverlässigen Dreier bei Tomislav Zubcic und Josh Mayo nur spärlich fielen und fanden andere Mittel. Das schnelle Spiel unter den Korb beispielsweise. Denn bei aller Qualität des Gießener Topscorers Bryant (27 Punkte); wenn es schnell geht, bräuchte er auf dem Weg zum anderen Korb ein Fahrrad. Zudem sicherten sie sich gegen das reboundstärkste Team der Liga deutlich mehr Abpraller vom Brett (46:37).

Als DiLeo ausglich (55:55, 24.) und die unnachgiebige Bonner Verteidigung Austin Hollins zu einem Schrittfehler zwang, explodierte Krunic an der Seitenlinie begeistert. Das war die Defensive, die dem Baskets-Trainer gefällt.

Eine kurze Baskets-Durststrecke ohne Korberfolg beendete Klein wieder aus der Distanz, die Pfiffe gegen ihn hielten sich hartnäckig, Klein setzte noch einen drauf und traf per Dreier zur 69:66-Führung (32.). Jetzt wurde langsam deutlich, dass die Baskets mehr Reserven hatten. Mit Geduld und Struktur zeigten sie den Hausherren die Grenzen auf, suchten immer die beste Möglichkeit, zum Korberfolg zu kommen.

Bonner Konto gefüllt

So, wie zuvor Klein, war es jetzt Malcolm Hill, der gemeinsam mit DiLeo das Bonner Konto füllte. Als Nemanja Djurisic drei Minuten vor Schluss einen Pass des jungen 46ers-Spielmachers Bjarne Kraushaar abfing und per Fastbreak in den Korb stopfte, machten sich einige der etwa 80 Bonner Fans auf der gut gefüllten Gästetribüne schon zum Jubeln bereit.

Zu früh. Gießen kam noch einmal zurück. Hollins versenkte einen Dreier zum 80:82-Anschluss, auf der Gegenseite fiel der ansonsten traumwandlerisch sichere Mitteldistanzwurf von DiLeo tatsächlich einmal nicht in den Korb. Doch die Uhr war inzwischen auf Bonner Seite. Noch eine gute Bonner Verteidigungssequenz mit Ballgewinn – und die Hausherren konnten nur noch mit taktischen Fouls agieren. Da Mayo und DiLeo die hundertprozentige Trefferquote an der Freiwurflinie nicht mehr beschädigten, war der wichtige Sieg auf der Habenseite.

Irgendwo auf der A 3 kletterten die Baskets dann auf Tabellenplatz vier, den letzten, der noch mit dem Heimrecht in den Playoffs belohnt wird, denn Würzburg gewann in Oldenburg, womit Bonn während der Heimfahrt an den Niedersachsen vorbeizog.

Statistik

Giessen 46ers: Landis 14 Punkte/2 Dreier, Kraushaar 2, Taylor 8/1, Agva, Lischka 11/1, Hollins 9/2, Abrams 9/1, Marin, Bryant 27/5.

Telekom Baskets: Ron Curry, Tomislav Zubcic 7/1, Konstantin Klein 11/3, Nemanja Djurisic 5/1, Julian Gamble 9, TJ DiLeo 18, Martin Breunig 6, Yorman Polas Bartolo 2, Josh Mayo 17/1 Malcolm Hill 11/1.

Trefferquote: Gießen 42% (31/73), Bonn 45% (33/74)
Dreierquote: Gießen 43% (12/28), Bonn 41% (7/17)
Freiwurfquote: Gießen 75% (6/8), Bonn 100% (13/13)

Rebounds: Gießen 37 (12 offensiv/25 defensiv, Bester: Taylor 13), Bonn 46 (offensiv 15/defensiv 31, Bester: Gamble 10)
Assists: Gießen 17 (Bester: Bryant 6), Bonn 10 (Bester: DiLeo 3)

Ballgewinne: Gießen 3, Bonn 4
Ballverluste: Gießen 9, Bonn 9

Fouls: Gießen 21, Bonn 18

Zuschauer: 3437.