Telekom Baskets

Krunic über Nacht neuer Baskets-Trainer

BONN. Spät am Mittwochabend packte Predrag Krunic in Oldenburg seine sieben Sachen, setzte sich in sein Auto und fuhr los. Sein Ziel: Bonn. Das Navigationssystem wird er nicht gebraucht haben.

Denn am Rhein war er sieben Jahre zu Hause. Seine Mission: Den Telekom Baskets Bonn aus einer dramatischen Notlage helfen. Sie waren von der Nachricht überrascht worden, dass ihr Trainer Silvano Poropat, der vor gestern Morgen noch das Training geleitet hatte, langwierig erkrankt ist. „Wir müssen verlässlich davon ausgehen, dass Silvano mehrere Monate ausfällt“, sagte Wolfgang Wiedlich.

Zwei Tage vor dem Saisonstart bei Alba Berlin (Samstag, 18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) und in der Ungewissheit, wann Poropat wieder genesen sein könnte, machte der Baskets-Präsident sofort Nägel mit Köpfen, rief Krunic an und verpflichtete den 48-Jährigen als Cheftrainer bis zum Saisonende. „Vor dem Hintergrund der medizinischen Diagnose war es notwendig, schnell zu handeln und nicht mit risikobehafteten Interimslösungen zu operieren“, sagte Wiedlich. Vorgewarnt war er überhaupt nicht. Wiedlich: „Die Dinge sind so, wie sie sind, und plötzlich vom heiteren Himmel gefallen.“ Gestern Nacht um zwei Uhr nahm er Krunic in Bonn in Empfang. Am Morgen informierte der 60-Jährige im Telekom Dome die Mannschaft und stellte den Bosnier vor.

Für die Spieler ist der Coach neu, für die Baskets ein alter Bekannter. 1998 kam Krunic als Assistenztrainer von Bruno Socé nach Bonn. 2001 trennte sich der Verein von Socé und installierte Krunic als seinen Nachfolger – damals der jüngste Cheftrainer der Basketball-Bundesliga. Er schaffte das, was bisher keinem anderen Coach gelungen ist: Er schloss mit den Baskets die Hauptrunde der Saison 2002/2003 als Tabellenerster ab. Das Halbfinale verloren die Bonner aber gegen Bamberg. In seiner Premierensaison hatte Krunic Hauptrundenplatz zwei erreicht, ehe dann im Halbfinale gegen Köln Endstation war. 2003/2004 kam Bonn wieder als Hauptrundenzweiter in die Playoffs, um erneut im Halbfinale zu scheitern: am späteren Meister Frankfurt. Nachdem die Baskets 2004/05 mit einer der teuersten Mannschaften der Vereinsgeschichte knapp die Playoffs verpasst hatten, trennte sich der Club von Krunic.

Es sollte nicht lange dauern, da traf man sich wieder. 2007 heuerte der Trainer bei den EWE Baskets Oldenburg an. Und er war es, der den Bonnern mit den Donnervögeln im Finale 2009 im fünften Spiel den Titel aus den Händen riss. 2012 wechselte Krunic nach Bayreuth, ging 2013 nach Polen zu Anwil Wloclawek und war in der vergangenen Saison beim Mitteldeutschen BC – als Nachfolger von Silvano Poropat – tätig.

Nun tritt er in Bonn wieder in die Fußstapfen des Kroaten. „Als der Anruf von Wolfgang kam, war für mich gleich klar, dass ich den Baskets helfen werde“, berichtete Krunic. Es sei eine außergewöhnliche Situation gewesen, die er so noch nie erlebt habe. Krunic: „Zeit war kostbar. Ich habe kurz mit meiner Familie gesprochen, habe ein paar Sachen zusammengepackt und mich dann ins Auto gesetzt. Ich wollte die wenigen Trainingseinheiten vor dem Spiel in Berlin nutzen, um die Mannschaft kennenzulernen und so gut wie möglich vorzubereiten.“ Auch für Wiedlich, der sich nicht konkret zum Krankheitsbild Poropats äußern wollte, war Zeit ein wichtiger Faktor. „Die schnelle Verfügbarkeit und Einigung mit Predrag war nach unserer Einschätzung die beste Lösung unter den gegebenen Umständen“, sagte er.

Baskets-Guard Konstantin Klein machte deutlich, dass die Mannschaft alles dafür tun werde, die Situation erfolgreich zu bewältigen. „An erster Stelle war die Nachricht ein Schock für uns“, sagte Klein: „Wir wünschen Coach Poropat alles Gute und baldige Genesung. Mit Predrag Krunic haben wir jetzt einen Trainer, der in der Liga bekannt ist und der den eingeschlagenen Weg mit uns fortführen wird. Wenn es noch an einem Motto für das Berlin-Spiel gefehlt haben sollte, dann: Jetzt erst recht!“