Telekom Baskets Bonn

Happy End gegen Tübingen dank Whites Dreier

Rotnei Clarke versucht Matchwinner Aaron White einzufangen.

Rotnei Clarke versucht Matchwinner Aaron White einzufangen.

07.03.2016 BONN. So laut war es vermutlich noch bei keinem Heimspiel der Telekom Baskets Bonn im Verlaufe dieser Saison. Als Aaron White den siegbringenden Dreier gegen die Walter Tigers Tübingen verwandelt und den 102:99-Krimi (31:22, 27:22, 25:26, 19:29) mit einem Happy End für die Gastgeber versehen hatte, trieb der Jubel der 5623 Zuschauer im Telekom Dome den Schallpegel auf gesundheitsbedenkliche Werte.

Was für ein Ende eines packenden Spiels, bei dem Silvano Poropat sein Trainer-Debüt gleich mit einem Erfolg dekorieren durfte.

Seine Mannschaft hatte es allerdings noch einmal richtig spannend gemacht, nachdem sie in der 23. Minute bereits mit 17 Punkten geführt hatte und den Gegner im Griff zu haben schien: 69:52. Die Gäste allerdings, bei denen Bonns ehemaliger Spielermacher Jared Jordan überragend spielte, 15 Punkte erzielte und 14 Assists gab, kamen dann immer näher heran und glichen zehn Sekunden vor dem Ende durch Topscorer Bogdan Radosavljevic zum 99:99 aus.

Entsetzen bei den Zuschauern, die bis dahin Bonner Profis gesehen hatten, die ohne Yancy Gates viel Leidenschaft mit aufs Feld brachten, im Angriff lange Zeit brillierten und hochprozentig trafen, aber dann in der ansonsten durchaus soliden Verteidigung immer mehr Lücken offenbarten und schlussendlich auch ein Opfer ihrer Nerven zu werden drohten.

Den entscheidenden Spielzug allerdings, den Poropat in einer Auszeit austüftelte, setzten die Bonner perfekt und eiskalt in Szene. Rotnei Clarke stürmte von der linken Seite zum Korb und bediente den in der rechten Ecke freistehenden White mit einem Bodenpass. Der Sprungwurf des US-Amerikaners, der 20 Punkte erzielte, segelte von gebannten Blicken verfolgt in hohem Bogen durch die Luft und in den Korb.

 

Der Rest war Glückseligkeit. So ausgelassen hatte man die Bonner Profis lange Zeit nicht mehr auf dem Feld umherhüpfen sehen. Tübingen konnte das Blatt mit dem letzten Notdreier nicht mehr wenden. Buford scheiterte.

„Wichtig war, dass wir zusammengehalten haben. Wir haben uns den Sieg verdient“, freute sich Jimmy McKinney, der durch die Trennung von Gates ins Team gerückt war. Der 32-Jährige war erleichtert, wieder spielen zu dürfen. McKinney: „Es war nicht einfach, meinen Rhythmus zu finden. Aber ich habe versucht, alles zu geben, um dem Team zum Sieg verhelfen.“

Für seinen Coach war es „für eine Mannschaft, die durch so eine schwere Phase geht, vollkommen normal, dass sie mal einen Durchhänger hat“. Wichtig sei gewesen, „dass wir gekämpft und Emotionen gezeigt haben. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung.“ Vor allem gefiel ihm, dass Clarke, der am Ende selbst hätte abschließen können, uneigennützig White in Szene setzte. Poropat: „Dieser Pass war fantastisch. Er war ein Zeichen für: Wir wollen zusammen gewinnen.“

Sean Marshall mit überragender Vorstellung

Es war ein in der Tat weitgehend geschlossener Auftritt der Bonner, bei denen alle zehn eingesetzten Spieler punkteten und ein Mann herausragte: Sean Marshall. Das nicht nur wegen seiner 20 Punkte, sondern wegen der Energie, die er auf das Parkett brachte. Er war ständig in Bewegung, attackierte unaufhörlich den Korb und traf aus allen Lagen. Nicht von ungefähr stand er mit fast 37 Minuten am längsten auf dem Feld.

 

Poropat geht seine Arbeit in den kommenden Tagen und Wochen ganz pragmatisch an. „Vielleicht ist diese Mannschaft ein bisschen anders und kann keine Top-Defense spielen. Es gibt aber auch andere Wege zum Erfolg. Und darauf kommt es an: Spiele zu gewinnen“, sagte er. Er will das Maximale aus dem offensiven Potenzial der Baskets herausholen. Aber natürlich auch an der Verteidigung arbeiten. Im Heimspiel am nächsten Sonntag wartet in dieser Hinsicht gegen die offensivstarken Hagener die nächste Bewährungsprobe. (Gerhard Mertens)