Kommentar zu Julian Gamble

Ein Spieler mit Meinung

Julian Gamble mit Ehefrau L'Oreal und Söhnchen Jay beim Dunking Contest.

Julian Gamble mit Ehefrau L'Oreal und Söhnchen Jay beim Dunking Contest.

Bonn. Julian Gamble hat den Dunking-Contest beim Allstar-Day zu einem politischen Statement genutzt. Die Liga reagiert verhalten, die Baskets stärken ihrem Center den Rücken. Ein Spieler mit Meinung, findet GA-Redakteurin Tanja Schneider.

Der Allstar Day ist eine Show-Veranstaltung, bei der die Basketball-Bundesliga ihr Produkt in Szene setzt. Spektakuläre Szenen, krachende Dunkings, reichlich Punkte, Dreier aus möglichst großer Entfernung, hier und da ein eingestreuter Scherz. Vor Ort sahen diese Werbeveranstaltung noch nicht einmal 4000 Zuschauer, Telekom Sport übertrug die komprimierte Form im Netz, im TV gab es den Allstar Day nicht. Die Basketball-Bundesliga macht insofern Werbung für ihre Stammkundschaft, Laufkundschaft erreicht man so nicht.

Mit seinem Statement gegen Donald Trump hat Julian Gamble nun einer Veranstaltung, die sonst eher auf den Spaßfaktor reduziert wird, deutschlandweit Aufmerksamkeit verschafft. Und sogar darüber hinaus. Rasend schnell ging das in den sozialen Medien, erreichte sofort Belgien, wo Gamble gespielt hat, ehe er nach Bonn wechselte, und die USA, wo die Basketball-Community auf die Aktion aufmerksam geworden war. Ob er das so vorhergesehen oder gar geplant hatte, steht auf einem anderen Blatt.

Vor der Partie hatte die BBL Gamble, der nicht für das Hauptevent, das Allstar-Spiel, nominiert war, zeitweise ihre sozialen Medien übernehmen lassen. Und das machte der Baskets-Center im Stile eines Unterhalters. Gamble kann das, deshalb wurde er ausgewählt. Und Gamble hat eine Meinung, mit der er ebenso extrovertiert umzugehen vermag wie mit seinem Witz. Er war die Geschichte dieses Allstar Day. Die BBL hat das nicht erkannt – oder wollte es nicht erkennen.

Die Telekom Baskets konnten mit Gambles Meinung mehr anfangen und stärkten ihm den Rücken. Die Identität eines Vereins ist nicht allein eine sportliche – die einer Liga sollte es ebenfalls nicht sein. Insofern: Chance vertan.