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Die Telekom Baskets Bonn sind mental angeschlagen

Sogar das Abklatschen ist zum Schluss nur noch ein kraftloses Ritual: Ron Curry, Julian Gamble und Josh Mayo (von links) im Schlussviertel der Demontage durch den französischen Pokalsieger Nanterre.

Sogar das Abklatschen ist zum Schluss nur noch ein kraftloses Ritual: Ron Curry, Julian Gamble und Josh Mayo (von links) im Schlussviertel der Demontage durch den französischen Pokalsieger Nanterre.

BONN. Nach dem vielversprechenden Saisonstart ist bei den Telekom Baskets Bonn spätestens nach dem Debakel gegen Nanterre Ernüchterung eingekehrt. Doch woran hapert es im Spiel der Bonner?

Die Witterung passte zum Tag nach dem Debakel. Über dem Telekom Dome lag der triste November. Cheftrainer Predrag Krunic und sein Assistent Chris O'Shea analysierten bereits das Trauerspiel vom Vorabend, ein paar Spieler waren auf Schulbesuch, die meisten hatten frei. Ihr gemeinsames Ziel: Köpfe frei bekommen.

Wer die Telekom Baskets nach der 62:84-Niederlage in der Champions League gegen Nanterre am Vorabend gesehen oder gesprochen hatte, wusste: Hier half nur Ablenkung. Die Niedergeschlagenheit, die man schon im Schlussviertel gegen die – zugegeben: starken – Franzosen gesehen hatte, lag bleiern auf der Stimmung.

Bis zur Halbzeit war die Partie der Bonner okay gewesen, nicht überragend, aber okay. Nach dem ersten größeren Rückstand nach der Pause kämpften sie sich bis auf neun Punkte Rückstand wieder heran, doch Hugo Invernizzi zertrampelte die Bonner Pflänzchen Hoffnung und Selbstvertrauen rabiat an der Dreierlinie. „Alle unsere Fehler sind hart bestraft worden“, sagte Krunic. „Das kostet uns im Moment zu viel mentale Kraft.“

Es braucht derzeit nicht viel, um die Baskets in eine scheinbar unerklärliche Verunsicherung zu stürzen. Etwas stärkerer Gegenwind genügt – und das Bonner Spiel fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Es ist offensichtlich, wie jeder, der den Ball in die Hände bekommt, beginnt zu überlegen. Das kostet Zeit. Die Winzigkeit, die dem Gegner einen Vorteil und den Mitspieler in eine schlechtere Position bringt. Nichts scheint mehr selbstverständlich in dem Spiel, das auf Automatismen setzt.

Ein defensiver Offenbarungseid

Das komplette Bonner Offensivpotenzial kriselt, die Trefferquoten sind unfreundlich. Normalerweise heißt das Rezept „Über eine starke Defense zurück ins Spiel finden, dann läuft die Offensive irgendwann von selbst“, aber das funktionierte nicht. Im Gegenteil. „Wir haben von der schlechten Offense auch noch unsere Defense anstecken lassen – das darf nicht passieren“, sagte der geknickte TJ DiLeo und umschrieb es wie einen Krankheitsverlauf. Das Medikament: Zuerst Ablenkung, dann Selbstkritik, anschließend Arbeit.

„Das war ein wirklich schlechtes Spiel von uns“, sagte Krunic. Und einen Vorwurf muss man seiner Mannschaft machen: Wenn ein Team zu Hause derart untergeht und die Statistik für niemanden mehr als zwei persönliche Fouls ausweist, dann ist das ein defensiver Offenbarungseid. „Den Homecourt muss man anders verteidigen. Abgesehen davon spielen wir nur dann gut, wenn wir physisch sind“, sagt Krunic. „Das hat nicht gereicht. Und es reicht auch gegen keinen anderen Gegner. Das müssen wir deutlich ansprechen.“ Allerdings hält er gar nichts davon, jetzt verbal auf seine Mannschaft einzuprügeln: „Es ist nicht die Situation zu toben“, sagt er, „ich weiß, wie die Jungs arbeiten. Fehler gehören zum Spiel – aber es ist wichtig, wie man darauf reagiert.“

Die euphorische Stimmung zu Saisonbeginn ist Ernüchterung gewichen. Da waren die beiden Siege gegen den finnischen Meister Kataja Basket, die das Champions-League-Ticket brachten und der erfolgreiche BBL-Auftakt mit dem Sieg gegen ratiopharm Ulm. Die Zurückhaltenden fragten sich: War Bonn so gut oder Ulm so schwach? Die Schwaben kränkelten noch ein wenig weiter, sind aber inzwischen auf dem aufsteigenden Ast, die Baskets arbeiteten sich glanzlos durch Liga und europäischen Wettbewerb, die Ausreißer erfolgten mit Niederlagen gegen Oostende, den Mitteldeutschen BC und Science City Jena eher nach unten als nach oben.

Spiel in Jena hat viel zerstört

Einziges Highlight: Die zweite Halbzeit bei Aris Saloniki, nach der die Bonner den ebenso überzeugenden wie unerwarteten ersten Champions-League-Erfolg feierten. Es geht also. Umso unverständlicher ist offenbar für alle, dass es nicht immer so ist. Das ist es, womit die Köpfe auf dem Hardtberg derzeit beschäftigt sind.

Insofern hat das Spiel in Jena deutlich mehr zerstört als nur einen sicher geglaubten Sieg. „Den Spielern ist auch klar, dass sie den Erfolg leichtfertig hergeschenkt haben“, sagt Krunic. „Auch das hat mentale Kraft gekostet. Vielleicht war das noch in den Hinterköpfen.“ Stichwort Kraft: Liegt ein Teil des Problems im europäischen Wettbewerb und den daraus resultierenden englischen Wochen? Krunic ist niemand, der sich mit den Dingen aufhält, die er nicht ändern kann.

„Drei Auswärtsspiele hintereinander zehren mit der zugehörigen Reiserei sicherlich. Aber das ist nicht das Problem“, sagt er. „Klar, haben es Teams ohne die Doppelbelastung leichter, aber wir profitieren auch davon.“ Die Tatsache, dass Jordan Parks immer noch mit Knieproblemen ausfällt, macht die Sache nicht besser, aber im europäischen Wettbewerb muss regelgemäß ohnehin ein Ausländer aussetzen.

Worten müssen Taten folgen

Jetzt kommen drei dicke Brocken auf die Baskets zu: Würzburg (Sonntag, 17.30 Uhr), Besiktas Istanbul (Mittwoch, 20 Uhr), Bayreuth (Sonntag, 15 Uhr). Für eine mental angeschlagene Mannschaft kann das Spiel vor eigenem Publikum den Druck durchaus noch steigern. Vielleicht wäre ein Auswärtsspiel leichter. „Nein“, sagt Krunic, „zu Hause spielen ist immer besser als auswärts. Unsere Fans sind ein Vorteil, den wir nutzen müssen. Sie sind ein wichtiger Faktor für uns. Aber sie waren unzufrieden mit uns, weil wir nicht das Maximum gegeben haben. Das habe ich noch einmal deutlich gemacht, und das wollen wir ändern.“

Siege sind auf dem Hardtberg traditionell weniger ein Muss als dieses Maximum, über das die Defense wieder stabiler, die Trefferquote höher, die Ergebnisse besser werden. Den Worten müssen Taten folgen.