Allstar Day 2010

102:92 - Der Süden gewann gegen den Norden

BONN. Ausverkauftes Haus, rundum gelungene Veranstaltung, begeisterte Fans, zufriedene Organisatoren - was zu beweisen war, ist nun bewiesen: Die Basketball-Bundesliga (BBL) hat mit der Ausrichtung des 22. Allstar Day im Telekom Dome offenbar die richtige Wahl getroffen.

"Der Basketball kommt nach Hause", hatte es BBL-Geschäftsführer Jan Pommer in Anlehnung an die Fußball-EM 1996 in England formuliert. Damit meinte er nicht speziell Bonn und die Telekom Baskets als örtlichen Ausrichter, sondern die Entscheidung, das alljährliche Treffen der besten Basketballer in Deutschland wieder an einem Bundesliga-Standort stattfinden zu lassen.

In Mannheim hatte die BBL im vergangenen Jahr ein atmosphärisches Fiasko vor halbleeren Rängen erlebt. So ganz nach dem Bonner Geschmack war dann, dass beim Höhepunkt des Abends, dem Allstar Game, nicht nur der Süden seinen Heimvorteil nutzte und den Norden besiegte, sondern mit Chris Ensminger der Center der Telekom Baskets zum MVP, dem wertvollsten Spieler, gewählt wurde.

"Das ist der mit Abstand beste Allstar Day den ich bisher erlebt habe", sagte Per Günther von ratiopharm Ulm und sprach dabei wohl für alle. Der Nationalspieler wirkte schon zu Zeiten mit, als noch die Kölnarena Austragungsort war - damals im Spiel der NBBL Allstars.

Der Auftritt der besten Nachwuchsspieler ist vielleicht der größte Ansporn dafür, den Basketball nicht nur nach Hause zu bringen, sondern künftig auch da zu lassen. Alle waren sich einig, dass die deutschen Talente beim 72:68 (16:10, 11:21, 14:19, 22:13, 9:5)-Erfolg nach Verlängerung des Südens über den Norden das beste NBBL-Allstar Game ablieferten, das es bisher gegeben hatte.

Günther: "Als das Spiel, begann war die Halle schon fast voll. Da macht es doch auch den jungen Spielern einfach Spaß, das motiviert unheimlich. Der Funke ist gleich übergesprungen." Sportlich gab die Partie die Richtung für den Abend vor.

Denn auch bei den Profis sollte es dem Süden unter der Betreuung von Baskets-Trainer Michael Koch endlich gelingen, den Norden nach langer Zeit wieder mal zu bezwingen - und das erst zum dritten Mal. Beim 102:92 (23:24, 27:29, 31:21, 21:19)-Sieg gab in der zweiten Halbzeit vor allem die Spielfreude und das größere Tempo in der Vorstellung der Süd-Stars den Ausschlag.

Waren gerade die Bonner Fans beim NBBL-Spiel sowie den sehenswerten Dreipunkte- und Dunkingmeisterschaften schnell auf Betriebstemperatur gekommen, gerieten sie während des Allstar Games und danach erst richtig in Wallung. Denn mit Chris Ensminger war es der Center der Telekom Baskets, der großen Anteil am Erfolg des Südens hatte.

Am Ende kürten die Fans den Amerikaner per SMS-Abstimmung zum MVP. Alle waren sich einig: Mit 16 Punkten, neun Rebounds und dem besten Effektivitätswert hatte sich der 36-jährige Routinier die Auszeichnung verdient. Nach Punkten besser war nur Michael King (EnBW Ludwigsburg) mit 17 Zählern.

Der Amerikaner war die treibende Kraft in der zweiten Halbzeit und hätte den MVP-Titel ebenso verdient gehabt. Das Team des Nordens unter der Leitung von Luka Pavicevic (Alba Berlin) war durch den kurzfristigen verletzungsbedingten Ausfall von Julius Jenkins (Berlin) und Chris Oliver (Göttingen) sicherlich ein wenig im Nachteil.

Aber auf der Seite des Südens fehlte mit dem Bonner Tim Ohlbrecht, der zusammen mit seinen Teamkollegen Ensminger und Jared Jordan in die Starting Five gewählt worden war, ebenfalls ein Leistungsträger. Der Nationalspieler hatte sich am Abend zuvor den Magen verdorben. Am verdienten Erfolg des Südens gab es nichts zu rütteln.

"Ich bin glücklich über den Sieg. Es wurde auch Zeit. Die Dominanz des Nordens war schon sehr deutlich", sagte Koch. Jeder habe seine Einsatzzeit bekommen, "was ja auch Sinn des Spiels ist." Sein Gegenüber Pavicevic war da anderer Meinung.

Obwohl er nur zehn Spieler hatte, beließ er es bei Anatoly Kashirov (Mitteldeutscher BC) bei einem Kurzeinsatz und ließ seinem Team auch weniger Freiheiten. Koch: "Wir hatten am Ende mehr Energie." Und offenbar auch mehr Spaß. Jedenfalls hörte man später einige kritische Stimmen der Aktiven, dass Pavicevic das Spiel wohl doch zu ernst genommen hatte.