Skiclub Bonn

Konkurrenz sieht nur die Skienden

Bonn. Ein Geschwisterpaar aus Bonn sorgt in der Nachwuchsszene des alpinen Rennlaufs für Wirbel. Kimberly und Jeremias Wilke führen im Deutschland-Pokal.

Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind nicht gerade als Eldorado für Wintersportler bekannt. Bei Hochlagen von 170 Metern (Venusberg) oder immerhin 460 Metern (Großer Ölberg im Siebengebirge) reichte es in den vergangenen Tagen womöglich noch zu einer kleinen Rodelpartie mit anschließendem Einkehrschwung. Fans der langgezogenen Schwünge auf bestens präparierten Pisten müssen dagegen stundenlange Autofahrten in Kauf nehmen, um in alpinen Hochlagen in den Genuss der perfekten Kurvenlage zu kommen.

Da ist es schon überraschend, dass dem Skiclub Bonn zurzeit im alpinen Skirennsport einige Aufmerksamkeit zuteil wird. Gleich zwei junge Talente des Bonner Vereins führen nach zwölf von 30 Rennen jeweils den Deutschland-Pokal mit großem Vorsprung an, eine der Top-Rennserien des Deutschen Skiverbandes im Slalom und Riesenslalom. Es sind die Geschwister Jeremias und Kimberly Wilke, 17 und 16 Jahre alt. Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, in ihrer Altersklasse die besten Skifahrer Nordrhein-Westfalens zu sein – oder wie ihre Mutter Kathrin Wilke sogar sagt: „Die besten außerhalb von Bayern und Baden-Württemberg“. Wobei Jeremias auch den Bayern schon mal die Skienden gezeigt hat: Er gewann in jüngeren Jahren die Münchner Stadtmeisterschaft.

Doch wie kommt man vom flachen Land auf die alpinen Renngipfel? Beide fahren für den Skiclub Bonn, stammen aber aus Langenfeld in der Nähe von Düsseldorf. Die Skihalle Neuss ist nur einen Katzensprung entfernt und war die eigentliche Talentschmiede für das Duo. „Als Jeremias vier Jahre alt war, hatten wir einen Skiurlaub geplant. Wir wussten aber nicht, ob es ihm Spaß macht, und so haben wir ihn in Neuss in der Skischule angemeldet“, erzählt Mutter und Hobbyläuferin Kathrin, die heute Sportwartin beim Skiclub Bonn ist. Mit durchschlagendem Erfolg. Nach ein paar Tagen rieten die Skilehrer: „Er hat Talent, er sollte in einen Verein.“

Dass es schließlich Bonn wurde, war eher Zufall und lag an einem für den Bonner Skiclub arbeitenden österreichischen Trainer, der die Qualitäten von Jeremias und seiner Schwester Kimberly Jahre später bei einem Sichtungslehrgang im Sauerland erkannte und sie intensiv förderte. Trainiert wird heute immer noch in Neuss, doch das Leben der Familie Wilke spielt sich an den Wochenenden zwischen Dezember und April vorwiegend auf der A 3 ab. Kaunertal, Maria Alm, Tannheimer Tal, Bad Wiessee, Tegernsee – 1500 Kilometer Autofahrt werden da Woche für Woche zur Regel.

Aus einem Hobby ist inzwischen eine sehr zeitintensive Leidenschaft geworden. „So war das eigentlich nie geplant“, sagt Kathrin Wilke. „Aber da müssen wir jetzt durch.“ Im Familienbetrieb sind die Aufgaben klar verteilt: Während Mutter Kathrin als Teambetreuerin die gute Seele ist, übernimmt Vater Dieter die Rolle des Servicemannes für das kostspielige Material.

Mittlerweile füllen die gewonnenen Pokale des schnellen Geschwister-Duos ganze Regale. Kommt der Deutschland-Cup am Saisonende hinzu, wäre es der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Irgendwann einmal ein FIS-Rennen gegen internationale Konkurrenz fahren – das wäre der Wunsch der beiden ehrgeizigen Rheinländer, für die ihre schmalen Bretter die Welt bedeuten.