Max Rendschmidt und Caro Arft

Bonner Kanuten wollen WM-Medaille holen

Optimistisch vor den Wettkämpfen: Caro Arft und Max Rendschmidt in Szeged.

Optimistisch vor den Wettkämpfen: Caro Arft und Max Rendschmidt in Szeged.

Szeged. Für Max Rendschmidt und Caro Arft steht ab Mittwoch die Kanu-Weltmeisterschaft in Ungarn an. Die beiden Bonner Athleten haben sich eine Medaille als Ziel gesetzt - und das Ticket für die Olympischen Spiele 2020.

Mit dem Bus zum Flughafen nach Düsseldorf, über Frankfurt geht der Flug nach Budapest, es folgt die letzte Etappe mit dem nächsten Bus nach Szeged, einer ungarischen Großstadt. 30 Grad, die Sonne brennt. Vor dem gemeinsamen Abendessen liefert der Hotelpool die nötige Abkühlung. Ein Flair von Feriencamp liegt über dem Hotel. „Nein, das hat mit Ferienlager wenig zu tun“, sagt Max Rendschmidt. „Nach den ganzen Einheiten hängen da die Gestalten abends nur noch müde in den Sitzsäcken herum, gucken fern oder zocken was.“

Diese Einheiten absolvieren die deutschen Kanuten natürlich nicht ohne Grund bei mehr als 30 Grad. Ab Mittwoch stehen die Wettkämpfe der Kanu-WM in Szeged auf dem Programm. Der Bonner Doppel-Olympiasieger startet am Donnerstag in die Vorläufe, am Sonntag steht mit dem Endlauf der Höhepunkt an. „Wir gehören natürlich zu den Favoriten“, gibt Rendschmidt zu. „Unsere schlechten Ergebnisse waren zwei zweite Plätze.“ Bei aller Euphorie, ein Selbstläufer wird der Finallauf allerdings nicht. „Mit Russland, Spanien, der Slowakei und Portugal wartet schon starke Konkurrenz. Auch Frankreich ist immer wieder für einen Ausreißer gut. Wir müssen schon aufpassen.“

WM für Arft ein Abenteuer

Das Quartett Rendschmidt, Tom Liebscher, Max Lemke und Ronny Rauhe muss sogar gut aufpassen, denn es geht für das so erfolgreiche Team nicht nur um WM-Edelmetall. Für den Vierer ist der Finallauf die einzige Chance auf das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio 2022. Dazu müssen Rendschmidt und Co. unter die ersten sechs fahren. „Wir sind die Favoriten, da sollte eine Top-Sechs-Platzierung doch möglich sein“, sagt Rendschmidt gelassen. Der Ramersdorfer kann auch gelassen sein, die Erfolge sprechen für eine gewisse Routine: Elf Goldmedaillen sammelte der 25-Jährige bereits bei Olympia, WM oder EM ein, ist dazu 29-maliger Deutscher Meister.

Für Caroline Arft ist die WM schon eher ein Abenteuer. „Es ist meine erste Teilnahme im Seniorenbereich“, sagt die 23-Jährige. Die Sportsoldatin, die zudem auch Sport studiert, stammt wie Rendschmidt vom WSV Blau-Weiß Rheidt, startet mittlerweile ebenfalls für die KG Essen und in der Nationalmannschaft wie der 25-Jährige im Vierer. Auch für Arft geht die WM am Donnerstag mit den Vorläufen los. „Natürlich bin ich jetzt schon ein wenig nervös“, sagt sie. „Aber bis jetzt ist es noch normal.“

Dass die Wahl-Essenerin überhaupt bei dieser Weltmeisterschaft dabei ist, war vor einem Jahr noch nicht abzusehen. Im Frühjahr wurde Arft erstmals für den A-Kader nominiert. „Im April gab es einen neuen Ausscheid, nachdem eine Athletin nicht mehr dabei war. Da konnte ich mich qualifizieren“, sagt sie. „Jetzt ist es für mich wichtig, Leistung zu zeigen.“ Das tat sie bereits beim Heimrennen in Duisburg im Juni. Ihr zweiter Weltcup bedeutete für Arft gleich den ersten Triumph. Nun soll ein weiterer Erfolg bei der WM folgen: „Das vorrangige Ziel ist ein Platz unter den ersten sieben. Denn das bedeutet die Olympia-Qualifikation“, gibt Arft vor. „Doch wir wollen natürlich auch eine Medaille gewinnen. Sonst hätten wir gar nicht anreisen müssen.“

Rendschmidt ist im Vierer gesetzt

Der Platz unter den ersten sieben ist für den Vierer der Frauen durchaus realistisch. Dass Arft dann aber auch im nächsten Jahr nach Tokio fährt, würde die Qualifikation nicht zwangsläufig bedeuten. „Im April 2020 wird dann wieder neu entschieden. Es kann natürlich sein, dass man kurz vor den Spielen dann wieder aus dem Boot rausrutscht. So ist der Sport nun mal.“

Diese Sorgen braucht sich Max Rendschmidt eigentlich nicht zu machen. Der Bonner ist durch seine Erfolge wie dem zweiten Platz bei den „Finals“ in Berlin gesetzt. Dementsprechend entspannt sieht er dem Wettkampf entgegen. „Die WM hat natürlich einen sehr hohen Stellenwert für uns, doch langfristig blicken wir bereits auf die Spiele.“

Selbst die hochsommerlichen Temperaturen in Ungarn machen Rendschmidt nichts aus. „Ich brauche immer zwei, drei Tage, um mich an so ein Wetter zu gewöhnen“, sagt er. „Aber wir sind ja früh genug angereist, bis Samstag sollte das schon passen.“

Auch für die Frauen steht am Samstag der Endlauf auf dem Programm. „Wir haben dieses Jahr schon sehr gute Leistungen gezeigt“, sagt Arft optimistisch. „Wir harmonisieren als Team gut.“ Auch mit ihrem Vereinskollegen Rendschmidt harmonisiert Arft sehr gut. „Wir sehen uns ja fast jeden Tag. Da drückt man sich schon mal den ein oder anderen blöden Spruch.“

In Szeged ruht die Freundschaft der beiden WSV-Kanuten ein wenig. Beide konzentrieren sich ausschließlich auf ihre ambitionierten Ziele. Denn trotz Pool, gemeinsamen Abendessen und sommerlichen Temperaturen geht es in Ungarn um eine WM-Medaille, die Olympiatickets und ganz sicher nicht um ein Ferienlager.