Doping

Attacke gegen Thomas Bach

07.08.2013 Köln. "Miss Leichtathletik" Heidi Schüller kritisiert DOSB-Chef scharf. Der lässt sie ins Leere laufen. Heidi Schüller sprach 1972 in München den olympischen Eid und war "Miss Leichtathletik", weshalb sie zur Doping-Vergangenheitsbewältigung des westdeutschen Sports gerne gehört wird. Die Gelegenheit dazu hat Schüller gestern genutzt, um schwere Geschütze gegen Thomas Bach aufzufahren.

Die in Köln wohnhafte 63-Jährige bezichtigt den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wegen dessen Umgang mit der Doping-Problematik der Scheinheiligkeit. "Bach ist für mich eindeutig der falsche Mann am falschen Platz. Zum Thema Doping muss er mehr gewusst haben, als er zugibt. Damals wurde überall darüber gesprochen, da kann er ja nicht immer nur weggehört haben", sagte Schüller vor dem Hintergrund der am Montag veröffentlichen Studie zum Doping in Westdeutschland.

DOSB-Sprecher Christian Klaue wies die Kritik entschieden zurück. "Frau Schüller ignoriert schlichtweg die Fakten der stets klaren und deutlichen Haltung von Herrn Bach im Kampf gegen Doping", sagte Klaue: "Schon mit seinen Kollegen beim Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden hat er eine lebenslange Sperre gefordert, in seiner Zeit bei adidas führte er in die Verträge eine Ausstiegsklausel im Falle von Doping ein und setzte dort eine derartige Vertragskündigung gegen einen deutschen Athleten auch vor Gericht durch."

In seiner Zeit der Mitgliedschaft zunächst in der Athletenkommission des IOC und später in der Juristischen Kommission habe der Kampf gegen Doping für Bach immer "eine hohe Priorität" gehabt. "Deshalb ist Herr Bach auch von IOC-Präsident Jacques Rogge bei dessen Amtsantritt zum Vorsitzenden der Anti-Doping-Disziplinarkommissionen benannt worden und hat dort Fälle wie zum Beispiel den von Johann Mühlegg oder die Vorgänge um die österreichischen Nordischen Skisportler in Turin mit null Toleranz und Strafen auch gegen Hintermänner und Organisationen durchgesetzt", sagte Klaue weiter.

Bereits sechs Monate nach Bachs Amtsantritt als DOSB-Präsident habe die Mitgliederversammlung des DOSB einen Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen Doping verabschiedet. Klaue: "Wenn Frau Schüller die von ihr geschilderten Verhältnisse in der Leichtathletik mit denen im Fechten gleichsetzt, verkennt sie die vollkommen unterschiedliche Situation in den beiden Sportarten, wie sie sich allen Doping-Statistiken unschwer entnehmen lässt."

Auf die Frage, ob er in seiner jahrzehntelangen Athleten- und Funktionärskarriere keine Kenntnis von Doping-Praktiken erlangt habe, hatte Fecht-Olympiasieger Bach im "heute-journal" des ZDF gesagt: "Schon als Athlet war für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema."

Für Schüller ist das nur ein Lippenbekenntnis: "Als Funktionär muss er das so darstellen. Das hat damals in München jeder mitbekommen, da wurde drüber geredet. Thomas Bach hat aber eine Funktionärskarriere eingeschlagen, da muss man angepasst sein und sich auf der Schleimspur bewegen, wenn man nach oben kommen will", sagte die frühere TV-Moderatorin.

Heide Ecker-Rosendahl fordert: "Namen nennen"

Verblüfft reagierte Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl auf die Doping-Anschuldigungen der früheren Weltklasse-Leichtathletin Heidi Schüller gegen Bayer Leverkusen. "Wenn sie so was sagt, dann muss sie jetzt auch Namen nennen", sagt die frühere Weltrekordlerin zur Aussage ihrer Weitsprung-Kollegin, während ihrer aktiven Zeit seien im Leistungszentrum Leverkusen tagtäglich Pillen eingeworfen worden. "Wir waren vor der späteren Fusion zwei getrennte Vereine. Einmal Bayer Leverkusen, wo Heidi Schüller bei Bert Sumser trainierte. Zum anderen mein Verein TuS 04 Leverkusen", sagte Heide Ecker-Rosendahl. Sie meinte: "Vielleicht ging es bei Bayer anders zu als bei uns." (Jürgen Zelustek)