Olympischer Stichtag

Lillehammer 1994: Wasmeiers spätes Glück

Markus Wasmeier bei den Spielen 1994 in Lillehammer.

Markus Wasmeier bei den Spielen 1994 in Lillehammer.

Lillehammer. Bei den Olympischen Spielen in Lillehammer gehört Markus Wasmeier eigentlich schon zum alten Eisen. Der 36. Platz in der Abfahrt gibt seinen Kritikern recht. Doch dann findet Wasi doch noch sein Olympisches Glück.

Nein, der Riesenslalom gehört trotz des WM-Titels von 1985 nicht zu den Paradedisziplinen des Skirennläufers vom Schliersee. Zumindest hat Markus Wasmeiser in seiner elfjährigen Karriere nicht einen einzigen Weltcup in dieser Disziplin gewonnen. Erstaunlich, schließlich ist Wasmeier bis heute einer der erfolgreichsten Skirennläufer des DSV. An diesem 23. Februar 1994 steht er in dieser Disziplin im Starthäuschen und weiß, es wird sein letzter Olympischer Wettkampf sein. Doch an eine Medaille ist nicht zu denken. "Vom Gefühl her, war mir der Kurs zu eng", sagt er dem Internetportal sporthelden.de.

Beflügelt vom Überaschungsgold im Super-G stürzt er sich dennoch optimistisch die Piste hinunter. Nach dem ersten Lauf liegt er auf Rang drei. Ungläubig starrt er auf die Zeit auf der Anzeigetafel. "Ich dachte, die wäre noch vom Läufer zuvor gewesen", so Wasmeier. Ist sie nicht. Wasmeier hat einen super Lauf hingelegt. Es führt der Österreicher Christian Mayer. Im zweiten Durchgang strauchelt Wasmeier im flachen Teil. Dennoch ist er Vorne, die zweite Medaille bei den Spielen ist ihm sicher. Der Schweizer Urs Kälin patzt ebenfalls und landet zwei Hundertstel hinter Wasmeier. Dann kommt Christian Mayer. Der Österreicher fährt verhalten, gehemmt - möglicherweise spielen ihm die Nerven einen Streich. Mit einer schwachen Zeit reicht es gerade noch zu Bronze. Gold für Wasmeier, den Doppel-Olympiasieger. "Das ist für mich die Krönung der Krönung", sagt er noch im Zielbereich dem ZDF.

Es ist ein spätes Olympisches Glück, das Wasmeier ereilt. Eins, mit dem man nicht mehr rechnen konnte. Im Gegenteil: Vor den Spielen gibt es nicht wenige Kritiker, die sich wundern, dass der 31-Jährige überhaupt für die Spiele nominiert wird. Er ist außer Form. Es wird gemutmaßt, dass Wasmeier und Olympia wohl kein glückliches Ende nehmen werden. Dabei hat er doch alles gewonnen. Weltcups, er ist Weltmeister geworden. Nur mit Olympischen Edelmetall will es nicht klappen. 1988 gehört er in Calgary zu den Favoriten. Im Super-G scheidet er aus, in der Abfahrt wird er Sechster. Auch 1992 in Albertville soll die Medaillenvergabe über ihn laufen. Tut sie nicht. Wasmeier schrammt hauchdünn am Podest vorbei.

Und nun 1994 kommt er außer Form nach Lillehammer. Die Kritiker sollen zunächst recht behalten. Bei der Abfahrt kommt "Wasi" als 36. ins Ziel. "Die Abfahrt so zu versemmeln, hat für viel Unmut gesorgt", sagt Wasmeier sporthelden.de. Nein, mit dem Edelmetall kann es nichts werden, glauben die Sportjournalisten. Auch die Konkurrenz hat den 30-Jährigen nicht mehr auf dem Zettel. Im Gegenteil. Der Amerikaner Tommy Moe feiert im Super-G seine vermeintliche Goldmedaille bereits im Zielraum, als sich Wasmeier im Starthäuschen bereit macht. Doch der DSV-Fahrer rast die Piste hinunter und kommt mit sieben Hundertstel Vorsprung ins Ziel. Ungeduldig wartet er auf die weiteren Favoriten, bis es Gewissheit ist: Markus Wasmeier gewinnt Gold. Einen Monat später beendet er seine Karriere - als Doppel-Olympiasieger. Unter anderem im Riesenslalom.