Comeback ohne Beine

Zanardi bastelt an DTM-Zukunft

Nürburg.  Bei den Paralympics zählte Alessandro Zanardi zu den Stars. Mit dem Handbike gewann er zweimal Gold. Jetzt stieg der beinamputierte Italiener in ein DTM-Auto und plant seine Motorsport-Rückkehr. Das Handbike will er nicht in die Ecke stellen.
Alessandro Zanardi möchte mit dem Handbike auch 2016 bei den Paralympics in Brasilien am Start stehen. Foto: Uwe Anspach
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Alessandro Zanardi möchte mit dem Handbike auch 2016 bei den Paralympics in Brasilien am Start stehen. Foto: Uwe Anspach Foto: DPA

32 Runden war Zanardi im Rennwagen von BMW über den Nürburgring gerast - dann erst begann der anstrengende Teil des Tages. Nachdem er verschwitzt aus dem Auto ausgestiegen war, wollte nahezu jeder der über hundert Journalisten und Fans etwas vom ehemaligen Formel-1-Piloten. Mal gestützt auf seine zwei Stöcke, mal im Sitzen auf einem der weißen Barhocker - aber immer mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht beantwortete er Fragen und schüttelte Hände. Nichts schien ihm zu viel an diesem Nachmittag in der Eifel. Zanardi war glücklich, und das war ihm anzusehen.

Der Familienvater ist 46 Jahre alt, verlor 2001 bei einem Unfall auf dem Lausitzring beide Beine - elf Jahre später gewann er bei den Paralympischen Spielen in London mit einem Handbike zwei Goldmedaillen. Nun liebäugelt er mit einem Engagement im Deutschen Tourenwagen Masters. Mit den Runden auf dem Traditionskurs in der Eifel bei nasskaltem Wetter ist er am Donnerstag dem Comeback im Motorsport ein Stück näher gekommen.

"Wenn BMW neugierig genug wird und sagt, hey, warum geben wir ihm nicht noch eine Möglichkeit - ich werde verfügbar sein", meinte Zanardi in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa nach seiner ersten Ausfahrt im Gold lackierten Rennboliden.

Offiziell waren die rund drei Stunden im weißen Rennoverall ein Geschenk von BMW für seine Leistungen mit dem Handbike. Dass er sich auf dem Nürburgring in nahezu jeder Runde verbesserte, haben die Bayern anerkennend registriert. "Am Ende hatte ich Krämpfe in den Händen - ich habe den Gashebel am Lenkrad so stark gezogen, aber es wollte einfach nicht noch schneller", erzählte Zanardi mit einem Schmunzeln.

Grundsätzlich könnte sich BMW den Mann mit den braunen Haaren in einem seiner nun acht DTM-Cockpits auch vorstellen. In der vergangenen Saison war BMW noch mit sechs Autos vertreten. "Es ist nicht eine Frage des Wollens, sondern eine Frage der Technik. Es muss umsetzbar sein und es muss natürlich auch eine Lösung dabei rauskommen, die den Alex in eine Situation versetzen würde, konkurrenzfähig zu sein", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Wie schon zuvor betonte er: "Da sind noch viele Unbekannte dabei, und die muss man sich anschauen."

Zanardi weiß das. Er ist deswegen weit davon entfernt, Forderungen zu stellen, und plant parallel an seiner erfolgreichen zweiten Karriere mit dem Handbike. Ursprünglich wollte er das Dreirad nach den Paralympics-Auftritten auf der Rennstrecke in Brands Hatch in die Garage stellen - aber daraus wird erst einmal nichts. Denn: Brasilien ruft. "Rio ist kein Traum. Es ist schon ein Ziel" sagte Zanardi mit Blick auf die Spiele 2016.

Die Rennen mit Muskelkraft sind für ihn dabei keinesfalls Alternativen zum Motorsport, sondern Ergänzung. "Ich will bei den Weltmeisterschaften teilnehmen. Die sind im September. Und: ich habe schon nachgeschaut. An dem Wochenende ist kein DTM-Rennen."

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