Bonnerin bei French Open in Runde drei

Annika Beck trumpft befreit auf

Fühlt sich pudelwohl in Paris: Annika Beck erreichte gestern durch ein 6:2, 6:2 gegen die Polin Paula Kania die dritte Runde der French Open.

Fühlt sich pudelwohl in Paris: Annika Beck erreichte gestern durch ein 6:2, 6:2 gegen die Polin Paula Kania die dritte Runde der French Open.

PARIS. Tennisprofis lieben Frühschichten. Wer den Wettkampftag eröffnen kann, muss sich nicht stundenlang in Habachtstellung üben. Auf eine nicht zu erwartende Geduldsprobe waren am vierten Tag der French Open jene Spieler gestellt, die nach Benjamin Becker und Fernando Verdasco für Court 6 eingeteilt waren.

Denn als der Marathonmann aus Mettlach die sogenannte Säge zum Zeichen seines Favoritensturzes demonstrierte, war es längst Nachmittag und Becker hatte wie schon in seinem Auftaktmatch fünf Sätze geschuftet.

Mit 6:4, 0:6, 1:6, 7:5, 10:8 kämpfte der 33-Jährige den an Position 32 gesetzten Spanier in 3:13 Stunden nieder und verdiente sich ein Rendezvous mit dem japanischen Geheimfavoriten Kei Nishikori. Die dritte Runde erreichten auch Angelique Kerber, Sabine Lisicki und die Bonnerin Annika Beck. Dagegen ist die letztjährige Finalistin Simona Halep aus Rumänien sensationell ausgeschieden.

Wie Becker hatten auch Lisicki und Beck um 11 Uhr Dienstbeginn. Doch als der Weltranglisten-48. seinen ersten Matchball verwandelte, war die Berlinerin schon längst wieder zurück in ihrem angemieteten Apartment und Beck war bereits erneut beschäftigt. Die Bonnerin gewann nach einer wiederum starken Leistung ihr Einzel 6:2, 6:2 gegen die Polin Paula Kania und danach auch noch ihr kurzfristig angesetztes Doppel an der Seite der Israelin Shahar Peer.

Vor einer lösbaren Aufgabe steht Annika Beck auch in der dritten Runde, in der sie auf Elina Switolina aus der Ukraine trifft. "Es ist ein super Gefühl, erstmals in einem Grand-Slam-Turnier die dritte Runde erreicht zu haben. Alles was jetzt noch kommt, ist Zugabe", gestand die Spitzenspielerin des Bundesligisten TC Karlsruhe-Rüppurr, die sich gerade auf einer "Glückssträhne" wähnt. Zu ihrer großen Freude erfuhr Beck unmittelbar nach ihrem Sieg im Einzel, dass sie und ihre Partnerin in der Doppelkonkurrenz nachrückten.

"Alles in allem läuft es gerade sehr rund", sagte die 21-Jährige aus der Bundeshauptstadt, die 2012 das Juniorenturnier der French Open. gewonnen hatte.

Annika Beck wertete ihren Sensationssieg in Runde eins gegen Agnieszka Radwanska als befreiend. "Das gab einen Klick, ich habe jetzt viel mehr Selbstvertrauen", sagte die Weltranglisten-83. Die Arbeit mit ihrem neuen Coach Mark Derksen trage Früchte, "ich spiele jetzt variabler und aggressiver. Im ersten Match ist mir das schon sehr gut gelungen und auch heute hat es mir geholfen für das klare Ergebnis."

Die Bonnerin könnte bei ihrem Lieblingsturnier noch weit kommen. Denn bei einem Sieg in Runde drei hieße die Gegnerin im Achtelfinale nicht Simona Halep. Die Weltranglistendritte verlor völlig überraschend 5:7, 1:6 gegen die 32-jährige Mirjana Lucic-Baroni aus Kroatien.

Am schnellsten war für Lisicki der Arbeitstag beendet. Schon nach einer halben Stunde war Feierabend, denn ihre australische Gegnerin Daria Gavrilova gab beim Stand von 6:1 für die Deutsche vor Beginn des zweiten Satzes wegen einer Bauchmuskelverletzung auf.

Sieben Doppelfehler waren der gebürtigen Russin bis zum Verzicht unterlaufen. Dass ihre Gegnerin nicht aufschlagen konnte, schien Sabine Lisicki nicht mitbekommen zu haben. Zu sehr war die in Troisdorf geborene Berlinerin wohl im Tunnel. "Ich habe im Match nicht gemerkt, dass sie Probleme hatte", sagte die Nummer 20 in der Welt, der erst zum zweiten Mal in ihrer Karriere in Roland Garros zwei Siege hintereinander gelangen.

Mitfavoritin Angelique Kerber bekommt es nach ihrem 6:3, 6:2-Sieg gegen die Australierin Ajla Tomljanovic mit der starken Spanierin Garbine Muguruza zu tun. "Ich muss 100 Prozent bringen, um sie zu schlagen", sagte die Weltranglistenelfte, die sich nach auskuriertem Rückenleiden maximaler körperlicher Fitness nähert.

Zur Spätschicht war Philipp Kohlschreiber eingeteilt. Die Partie der deutschen Nummer eins gegen den Spanier Pablo Andujar wurde beim Stand von 1:6, 6:7 (5:7), 6:3, 6:3, 4:2 aus Sicht des Augsburgers wegen Dunkelheit unterbrochen.