Verwirrende Markierungen

Blaue Linien für alle neuen Bonner Kunstrasenplätze

Die blauen Linien, die parallel zu den Grundlinien aufgemalt wurden, sind eine Kannvorschrift und kein Muss.

Die blauen Linien, die parallel zu den Grundlinien aufgemalt wurden, sind eine Kannvorschrift und kein Muss.

Duisdorf. Die Stadt Bonn lässt auf allen neuen Bonner Kunstrasenplätzen blaue Linien aufbringen. Der DFB erlaubt die seltsamen Begrenzungen, sie sind aber kein Muss. Lesen Sie hier, was dahintersteckt.

Da staunt der Laie, und der Praktiker wundert sich: Die Fußballer in Bonn werden sich künftig an blaue Zusatzlinien auf Kunstrasenplätzen gewöhnen müssen. Sie waren zuerst auf dem neuen Platz des 1. FC Hardtberg aufgefallen und hatten für Verwunderung gesorgt.

Wie die Stadtverwaltung jetzt bestätigte, werden diese Linien künftig auf allen neuen Kunstrasenplätzen aufgetragen. Auch die beiden Spielfelder in Ippendorf und auf dem Brüser Berg, die gerade erst neue Beläge erhalten haben, bekommen laut Stadt noch nachträglich das Linienwerk.

Die Stadt beruft sich dabei auf DIN-Vorschriften zu Markierungen, Sicherheitsabständen und hindernisfreien Räumen, die beim Spielbetrieb in Querrichtung anzuwenden sind. Im Klartext: Man will verhindern, dass bei Jugendspielen von Siebenermannschaften die jungen Kicker zu geringe Auslaufzonen haben oder mit den Pfosten der (großen) Tore kollidieren können. Deshalb soll die blaue Linie, die am 16-Meterraum abbrechen soll, bei solchen Spielen die Seitenauslinie darstellen.

„Die Handhabung der Stadt Bonn verstößt gegen keine Regelung und ist demzufolge nicht zu beanstanden“, sagt Laurenz Neumann, Vize-Geschäftsführer des Fußballverbands Mittelrhein (FVM). „Die Regel 1 der offiziellen Fußballregeln und auch die DFB-Broschüre Sportplatzbau lassen auf einem Kunstrasenfeld andere Linien als die des Normalspielfeldes ausdrücklich zu – sie können angebracht werden, müssen es aber nicht“, erläutert er.

Linien werden seit 2017 aufgetragen

Im Detail müssen solche Markierungen nur eine andere Farbe als das übliche Weiß des Normalfelds haben. Neumann erklärt weiter, dass es sich zur Verkleinerung des Spielfeldes im Querspielbetrieb um eine einzige blaue Markierungslinie handelt. Sie verläuft parallel zur Grundlinie des Tores und ist in der Regel etwa vier Meter von ihr entfernt. Unterbrochen wird sie vom Strafraum, um beim Fußballspielen über den ganzen Platz keine Verwirrungen zu verursachen, sie kann aber auch bis zum Fünfmeterraum gehen. Zugleich räumt er aber ein, dass es „zugegebenermaßen“ zu solchen Verwirrungen kommen könne. Im vorliegenden Fall bricht die blaue Linie nicht am Strafraum ab, sondern endet erst am Fünfmeterraum. Sie ist auch nicht vier Meter von der Grundlinie entfernt, sondern nur zwei.

Laut Stadt werden die blauen Linien erst seit 2017 aufgetragen, ältere Plätze haben sie also nicht. Und es gibt Ausnahmen für die 2018 eingeweihten Kunstrasenplätze in Röttgen und an der Gesamtschule Beuel-Ost. „Diese beiden Plätze benötigen diese Orientierungslinie nicht, da dort das Spielfeld länger und deshalb ausreichend Raum für das Querspielfeld beziehungsweise den geforderten hindernisfreien Raum daneben vorhanden ist“, erklärte ein Sprecher des städtischen Presseamtes. Dort könne man sich dann an der Linie des Fünfmeterraums orientieren.

"Das geht auch mit Hütchen"

Eine Art „vorauseilender Gehorsam“ seien die blauen Linien, findet Heiko Fleck, Fußball-Experte beim Stadtsportbund. „Ich kann das aus Sicht der Stadt sogar nachvollziehen“, sagt er. „Aber man hätte auch die Vereine anschreiben können, dass sie beim Querspielen eine zwei Meter breite Sicherheitszone zu gewährleisten haben.“ Die von der Stadt herangezogene Norm sei keine gesetzliche Pflicht, sondern nur ein „Hilfsmittel“ zur Beurteilung der Verkehrssicherheit, zum Beispiel bei Gerichtsentscheidungen wegen eines Unfalls.

Praktiker wie Bernd Schmidt, der Vorsitzender des 1. FC Hardtberg ist, wundern sich derweil: „Wenn etwas abgegrenzt werden muss, dann geht das auch mit Hütchen.“ Sich am Torpfosten zu verletzen, sei bei Jugendspielen ähnlich wahrscheinlich wie von der Eckfahne aufgespießt zu werden. Im übrigen verriet Schmidt schon mal den Namen, den der 1. FC Hardtberg der neuen Sportanlage geben will. Sie soll künftig „Eselarena“ heißen, nach dem Duisdorfer Wappentier.