1. FC Köln

Klage von Modestes Ex-Verein kann dem FC schaden

Gut gelaunt wirkt Anthony Modeste, seit er die Spielberechtigung für den FC erhalten hat.

Gut gelaunt wirkt Anthony Modeste, seit er die Spielberechtigung für den FC erhalten hat.

Köln. Der Internationale Sportgerichtshof Cas entscheidet über Anthony Modestes Millionen-Forderung an seinen chinesischen Ex-Club. Tianjin will eine Entschädigungszahlung vom Kölner Stürmer.

Die Erleichterung war groß bei den Kölner Beteiligten, als am vergangenen Donnerstag Anthony Modeste die Spielberechtigung für den 1. FC Köln erhielt. Zuvor hatte der chinesische Fußballverband mit Zustimmung von Modestes ehemaligem Club Tianjin Tianhai die Freigabe erteilt. Nun aber muss der Internationale Sportgerichtshof – der am Montag entsprechende Klagen bestätigte – entscheiden, ob der Franzose zu Recht eine hohe Millionenforderung an den chinesischen Verein gestellt hat, oder aber ob er dem Club eine Entschädigungszahlung leisten muss. In diesem Fall könnte daraus folgern, dass die Chinesen auch vom 1. FC Köln Geld sehen wollen, als Ablösezahlung für den zurückgekehrten Torjäger.

Wo wird geklagt?

Wie angekündigt, haben Anthony Modeste und der neu gegründete chinesische Erstligist Tianjin Tianhai vor dem Internationalen Sportgerichtshof, dem Court of Arbitration for Sport (kurz Cas), im schweizerischen Lausanne gegenseitig Klage erhoben. Mit den Urteilen wird keinesfalls vor Mai gerechnet.

Was will Modeste?

Der 30-jährige Stürmer fordert von den Chinesen Gehalts- und Prämienzahlungen aus seinem mit dem aufgelösten Vorgängerverein Tianjin Quanjian ausgehandelten Vertrag. Dabei soll es sich um eine Gesamtsumme von angeblich rund 30 Millionen Euro handeln. Der Fußball-Weltverband Fifa hatte im Dezember entschieden, dass Anthony Modeste nicht erfolgte Prämienzahlungen zustünden. Gleichzeitig war entschieden worden, dass diese Forderungen kein ausreichender Grund gewesen seien, fristlos zu kündigen, wie es der Stürmer im August 2018 getan hatte.

Was will Tianjin Tianhai?

Zwei Wochen vor dem Ligastart kämpft der neu gegründete Club – der Vorgängerverein Tianjin Quanjian war wegen illegaler Machenschaften seines ins Gefängnis gewanderten Besitzers und Clubpräsidenten Shu Yhuhui aufgelöst worden – noch immer ums finanzielle Überleben. Für die Erstligalizenz wird eine millionenschwere Sicherheit verlangt. Zudem wollen die neuen Besitzer nicht für Forderungen an den Vorgängerverein aufkommen. Sie weisen Modestes Forderungen zurück. Darüber hinaus wollen sie von ihm eine Entschädigungszahlung, da die Fifa seine Kündigung als unangemessen beurteilt hatte.

Was erwartet den FC?

Beim deutschen Zweitligisten hat sich Geschäftsführer Alexander Wehrle darum gekümmert, dass Anthony Modeste nach Köln zurückkehren konnte, wie der es sich gewünscht hatte. Im Herbst führte er Verhandlungen mit der alten Vereinsführung aus Tianjin, jetzt im Januar mit der des neuen Clubs. Nach der Erteilung der Spielgenehmigung durch die Fifa war er zunächst einmal erleichtert. Gleichzeitig meinte er ab: „Ich kann nicht sagen, wie es weiter geht.“ Fakt ist, dass zunächst einmal der Sportgerichtshof die Klagen von Modeste und Tianjin Tianhai verhandeln muss. Sollte der Verein Recht bekommen, könnte er ein neues Verfahren anstrengen, um eine Ablösesumme für Anthony Modeste zu erhalten. Zuständig dafür wäre zunächst aber wieder die Fifa. Aus Sicht des 1. FC Köln würde sich solch ein Vorgang bis ins Jahr 2020 hinziehen.

Wäre die Ablöse hoch?

Sollte es zu einer Ablöseforderung kommen, würde der chinesische Club natürlich das Maximum verlangen. Dabei würde man sich daran orientieren, dass der Vorgängerverein im Sommer 2017 rund 35 Millionen Euro für den Torjäger überwies. Nach Abzug von Zahlungen an Vermittler und Modestes Vorgängerverein TSG Hoffenheim waren davon über 28 Millionen Euro auf das FC-Konto geflossen. Eine ähnlich hohe Summe könnte also verlangt werden. Als realistisch schätzt man beim FC jedoch einen Betrag zwischen sechs und sieben Millionen Euro ein.