78 Prozent der Stimmen

Der 1. FC Köln hat einen neuen Vorstand

Bock auf den FC haben (von links) Eckhard Sauren, Werner Wolf und Jürgen Sieger.

Bock auf den FC haben (von links) Eckhard Sauren, Werner Wolf und Jürgen Sieger.

Köln. Die Überraschung ist ausgeblieben, die befürchtete Schlammschlacht auch: Nach einer emotional, in großen Teilen aber sachlich geführten Mitgliederversammlung hat der 1. FC Köln einen neuen Vorstand gewählt.

Die Wahlberechtigten unter den 3456 in die Lanxess Arena gekommenen FC-Mitgliedern hoben Dr. Werner Wolf als neuen Präsidenten sowie Eckhard Sauren und Dr. Jürgen Sieger als Vize-Präsidenten mit 78,22 Prozent (2709 Ja-Stimmen) ins Amt. 590 Mitglieder (21,78 %) stimmten mit Nein, 100 enthielten sich. Der neue Vorstand folgt auf den von der Mitgliederversammlung entlasteten, alten Vorstand mit Stefan Müller-Römer, Toni Schumacher sowie Markus Ritterbach und ist für drei Jahre Amtszeit gewählt worden. Satzungsgemäß erhält der neue Vorstand eine Vergütung. Werner Wolf bekommt als Präsident 150.000 Euro im Jahr, die Vize-Präsidenten 100.000 Euro. Eckhard Sauren ließ noch vor seiner Vorstellung als Kandidat für den Vorstand wissen, dass er auf seine Vergütung verzichtet. Zudem konnte der 47-Jährige verkünden, dass der ehemalige FC-Trainer Erich Rutemöller (74) neben Jörg Jakobs in das sportliche Kompetenzteam rückt, dass den Vorstand im Bedarfsfall berät. Wolf, Sauren und Sieger nehmen am Montag ihre Arbeit auf. Schon am Dienstag rufen sie im Geißbockheim eine Mitarbeiterversammlung ein.

Ein Blick zurück

Bevor es um die Zukunft des aktuell 109.755 Mitglieder starken FC ging, blickte die Versammlung zurück. Sitzungsleiter Karl-Ludwig Kley verlas einen Brief des schon im März nach Differenzen mit der Geschäftsführung und seinen Vize-Präsidenten zurückgetretenen Präsidenten Werner Spinner, der aufgrund einer Geschäftsreise nach Singapur nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen konnte. „Bitte schenken sie dem neuen Vorstand das Vertrauen, das sie auch mit geschenkt haben. Mit ihnen im Rücken fällt die Arbeit leichter“, richtete am Ende seiner Amtszeit umstrittene  Spinner sehr versöhnliche Worte an die Mitglieder. „Mein repariertes Herz hängt weiter am FC. Ich wünsche der neuen Führung  ein glückliches Händchen, ein gutes Miteinander und dem FC die Deutsche Meisterschaft“, ließ Spinner weiter verlauten.

Für Spinner rückte Stefan Müller-Römer als Vorsitzender des Mitgliederrates in den Vorstand. Der Jurist bezeichnete das vergangene Jahr „als turbulent“. „Dass ich hier heute als Nachfolger von Werner Spinner zu ihnen spreche, hätte ich mir nicht vorstellen können. Nach einem Lob für die sportliche Geschäftsführung mit Armin Veh an der Spitze und der Forderung nach mehr Förderung für den Frauenfußball im FC („entweder machen wir das richtig oder gar nicht“), wies Müller-Römer darauf hin, dass der FC kein Investorenclub werden darf. „Der FC gehört den Mitgliedern und das soll für immer so bleiben.“

Toni Schumacher verabschiedete sich

Viel Beifall und stehende Ovationen  erntete der aus dem Amt scheidende Vize-Präsident Toni Schumacher, als er ans Rednerpult ging. Der Rekordspieler des FC zählte seine Verdienste in den vergangenen sieben Jahren als Vorstandsmitglied auf. „Heute ist der FC wieder bundesweit anerkannt und beliebt“, sagte Schumacher. „Ich hege keinen Groll und Zorn“, verabschiedete sich der ehemalige Weltklasse-Torwart, der immer wieder betont hatte, dass er gerne weitergemacht hätte.

Schumachers Vize-Präsident-Kollege Markus Ritterbach nannte die Gründe: „Wir werden hier heute abtreten müssen, weil sich der Mitgliederrat unter der Federführung von Stefan Müller-Römer so ausgedacht hat. Eines Tages wird hier oben ein anderer Vorstand Bilanz ziehen. Achtet auf das, was die Menschen auf dieser Bühne wirklich leisten und nicht auf das, was sie versprechen. Für diese Worte erntete Ritterbach Pfiffe und Buhrufe. Ein Indiz mehr dafür, dass es beim FC Zeit für ein neues Miteinander wird.  

Viel Gegenwind für Schumacher und Ritterbach

In der Aussprache gab es dann von Seiten der Mitglieder viel Gegenwind für Schumacher und Ritterbach, denen die Mitglieder neben dem Abstieg 2017/18, die Spaltung des Vorstands (Sprachnachricht-Affäre) und fehlende Konzeption für die Zukunft vorwarfen.

Danach setzte sich Alexander Wehrle vehement für die Prüfung eines Ausbaus des Rheinenergiestadions in Müngersdorf ein. Der FC-Geschäftsführer verwies Wehrle auf die zweite Machbarkeitsstudie für den Stadionausbau. „Mit einem größeren Stadion können wir mehr Einnahmen erzielen. Wir machen kein Harakiri und werden für kein Bauvorhaben dieser Welt die Existenz unseres Vereins gefährden. Diese Studie mit der Möglichkeit eines Ausbaus auf ein Fassungsvermögen von 75.000 Zuschauern und einer Stehplatztribüne für 28.000 Zuschauer ist ein Erfolg und den lassen wir uns auch nicht zerreden.“ Emotional und rhetorisch geschickt griff Wehrle zudem Henriette Reker scharf an: „Die Kölner Oberbürgermeisterin ist aufgrund der drohenden Klimakatastrophe in Sülz wegen machtpolitischer Interessen zu neuen Erkenntnis bezüglich des Ausbaus des Geißbockheims gekommen. Das Verfahren für den Ausbau läuft seit vier Jahren und wir lassen uns nicht von unserem Vorhaben abbringen.“

Ein Thema, dem sich auch der zweite FC-Geschäftsführer Armin Veh widmete: „Frau Reker, wenn sie keinen Spitzensport in Köln wollen, dann sprechen Sie es offen aus“, wies der Sportchef auf die Notwendigkeit des Geißbockheim-Ausbaus für die Wettbewerbsfähigkeit des FC hin. Veh sieht die FC-Profimannschaft nach dem schwierigen Aufstiegsjahr mit der vorzeitigen Entlassung von Trainer Markus Anfang in dieser Saison gut aufgestellt. „Die Stimmung ist viel besser und der neue Trainer Achim Beierlorzer passt mit seinem Führungsstil und seiner offenen Art der Kommunikation optimal zum FC.“ Um den angestrebten Klassenerhalt zu realisieren, wünschte sich Veh aber auch mehr Ruhe im Verein: „Ich wünsche mir, dass alle gewählten Gremien des FC in Zukunft verantwortungsvoll miteinander arbeiten.“