Nach Dreierpack von Cordoba

1. FC Köln hat die Qual der Wahl im Sturm

Zunge und Emotionen raus: Jhon Cordoba feiert eines seiner drei Tore gegen St. Pauli.

Zunge und Emotionen raus: Jhon Cordoba feiert eines seiner drei Tore gegen St. Pauli.

Köln. Vor einer möglichen Modeste-Rückkehr machen der überragende Cordoba und Terodde beim 1. FC Köln weiter Werbung für sich. Der Kolumbianer erzielt drei Treffer beim 4:1 gegen St. Pauli.

Jhon Cordoba blieb nur der letzte große Auftritt verwehrt. Als Trainer Markus Anfang Nikolas Nartey in der 90. Minute noch ein paar Sekunden Spielzeit schenken wollte, bereiteten sich die Fans des 1. FC Köln in froher Erwartung darauf vor, dem Helden des Abends bei seiner Auswechslung einen triumphalen Abgang zu bereiten. Doch Anfang wechselte Dominick Drexler aus. Cordoba musste noch bleiben und durfte den fulminanten 4:1 (1:1)-Heimsieg der Geißböcke gegen den FC St. Pauli erst mit seinen Teamkameraden vor der brodelnden Südkurve feiern.

Es ist davon auszugehen, dass das alles so voll und ganz im Sinne des Kolumbianers abgelaufen war. So ausgelassen der Stürmer seine Tore feiert, so bescheiden bleibt er hinterher. „Es war die Arbeit der gesamten Mannschaft, deshalb ein großes Dankeschön an das Team“, sagte der 25-Jährige Matchwinner nach seiner Drei-Tore-Gala im Topspiel der 2. Bundesliga.

Eine überragende Leistung

Seine Kollegen wussten, dass das nur die halbe Wahrheit war. „Es waren nicht nur seine Tore, er hat die Bälle gut behauptet und verteilt. Das war eine überragende Leistung“, lobte FC-Sportchef Armin Veh den Stürmer stellvertretend für alle Kölner über den grünen Klee. In der von Seiten des FC zwar überlegen geführten, aber doch irgendwie zähen ersten Hälfte war Cordoba schon bester Kölner und Schütze des 1:0. Nach der Pause legte er wunderbar seine Saisontore neun und zehn nach und raubte auch den letzten seiner Kritiker die Argumente.

In der Abstiegssaison lastete die Rekord-Ablösesumme von 17 Millionen Euro schwer auf den Schultern des Neuzugangs aus Mainz, der den nach China abgewanderten Anthony Modeste schwer vermissen ließ. Abgesehen von seinem Traumtor in der Europa League bei Arsenal London blieb er ohne Treffer, stand dafür umso häufiger im Mittelpunkt der Kritik. Er war wie Jorge Meré ein Leidtragender der sich seit Frühjahr 2017 ausbreitenden Transfer-Uneinigkeiten von Ex-Manager Jörg Schmadtke und Ex-Trainer Peter Stöger.

Cordoba wie verwandelt

Es ist ein Verdienst von Markus Anfang und Armin Veh, dass Cordoba aus seinem Loch raus und aus der FC-Elf nicht mehr wegzudenken ist. „Es war in der Saisonvorbereitung schon zu sehen. Jetzt ist er wie verwandelt und zeigt eine ganz andere Körpersprache. Fußball ist eben heute noch viel mehr Psychologie als früher“, erklärte Veh die positive Entwicklung des bulligen Angreifers, der sich zudem mit Lebensgefährtin Anabel Garcia auf den ersten gemeinsamen Nachwuchs freut. Sieht nach einem perfekten Jahr für Jhon Cordoba aus.

Armin Veh war am Freitag nicht nur wegen des Kolumbianers bester Dinge. Die Mannschaft hatte nach den beiden Niederlagen gegen Bochum und bei Union Berlin die richtige Antwort parat, um aufkommendes Krisengerede direkt im Keim zu ersticken. „Es war wichtig, dass wir wieder anfangen zu gewinnen und nicht zurückgefallen sind“, sagte Veh. Angesichts der anderen Zweitliga-Ergebnisse am 21. Spieltag wäre der FC im Falle einer weiteren Niederlage auf Platz vier abgerutscht.

"Dem Druck müssen wir standhalten"

So aber eroberten die Geißböcke Platz zwei zurück und haben das Nachholspiel in Aue noch in der Hinterhand. Das Markus Anfang die Probleme auf der rechten Kölner Seite mit Christian Clemens in der Startelf in den Griff bekam, und Johannes Geis ein sehr auffälliges Heimdebüt auf der Sechs gab, sollte das Selbstbewusstsein zusätzlich steigern. „Wir haben die beste Mannschaft der Liga, aber auch ständig den Druck. Dem müssen wir standhalten“, hob Veh den FC auf den Favoritenthron. Genau das ist die Aufgabe, denn in der laut Sportchef „schwer zu spielenden Liga“ wird es sicher bald kniffligere Aufgaben für den FC zu lösen geben als den FC St. Pauli. Die Hamburger jedenfalls konnten Vehs Meinung von einer „starken 2. Liga“ nicht untermauern.

Auf die Kölner wartet nun am Freitag aber der starke SC Paderborn und eine mögliche Diskussion um Anthony Modeste. Erhält der Franzose in dieser Woche seine Spielberechtigung, steht Anfang vor einer undankbaren Aufgabe. Er muss sich zwischen Modeste, Cordoba und Simon Terodde entscheiden, der gegen St. Pauli zum 4:1 traf. 33 der 51 FC-Tore gehen damit auf das Konto des Duos Cordoba/Terodde. „Für den Trainer wird es interessant“, sagte der 23-Tore-Mann Terodde, während Veh etwas genervt wirkte: „Ich kann es nicht mehr hören. Wenn es denn so wäre, dass er spielen kann, gibt es Schlimmeres.“