Gudenauer Hof

Vom Ackerbau zur Architektur

Vorbildlich saniert hat Architekt Alfred Schneider den elterlichen Hof in Kürrighoven

Vorbildlich saniert hat Architekt Alfred Schneider den elterlichen Hof in Kürrighoven

WACHTBERG-Kürrighoven. Einige Historische Höfe prägen Wachtberg. Der General-Anzeiger stellt in loser Folge die Bauernhöfe und ihre Bewohner vor. Der Gudenauer Hof ist das Zuhause der Familie Schneider.

An der zur Straße gewandten Seite hat der Gudenauer Hof in der Kürrighovener Straße 24 neue Fenster bekommen. Die beiden breiten Panoramafenster aus den 1960er Jahren sind zwei schmaleren Exemplaren mit Sprossenteilung gewichen. Alfred Schneider betrachtet sie prüfend. Jetzt müsse nur noch der „Münchner Wurmputz“ – so lautet der Fachausdruck, wenn im Putz Rillen sind – verschwinden, dann habe das Haus seine ursprüngliche Fassade und seine charakteristischen Proportionen zurück, so Schneider.

Die historische Hofanlage ist das Zuhause Schneider, seiner Frau und den zwei Söhnen. Durch ein großes Tor geht es in den Innenhof, den die Gebäude rechteckig umschließen. Auf der rechten Seite das Wohnhaus, auf der linken eine große Werkstatt und die ehemaligen Stallungen in der unteren Etage, darüber ein Scheunenraum. „Das Haus ist in seiner Aufteilung im Grunde genommen so geblieben, wie es immer schon war“, erzählt Schneider. 1836 habe es ein viel älteres Gebäude ersetzt.

„Das ist die Küche“, sagt er beim Hereinkommen und zeigt auf das Zimmer links vom Eingang. Das rechte Zimmer unmittelbar an der Straßenseite sei bis in die frühen 1970er Jahre ausschließlich für den Empfang besonderer Gäste vorbehalten gewesen, das Zimmer links daneben für den „normalen“ Besuch. Die mehr als zehn Bewohner, die auf dem Hof lebten und arbeiteten hielten sich im Wesentlichen nur in der Küche und im nur circa zwölf Quadratmeter großen Esszimmer auf – man wollte Heizkosten sparen.

Erst Wein, dann Zuckerrüben

1962 hatte ein Feuer den Hof weitgehend zerstört, das Wohnhaus ausgenommen. Einen Balken der abgebrannten Scheune bewahrt Schneider noch in der Werkstatt auf. Ein eingeritztes Herz ist darauf noch zu erkennen, vielleicht ein E und ein F und die Jahreszahl 1722. Wofür das stehe, könne er allerdings nicht mehr rekonstruieren. In den ehemaligen Stallungen nebenan befindet sich seit 2004 das Atelier des Künstlers Alfred Arnold. Früher stand dort das Kelterhaus, denn einst produzierte der Hof den Messwein für das Kloster Marienforst – bis zu einer Invasion durch Rebläuse. Danach prägten Viehwirtschaft, Getreideanbau, Streuobst und Zuckerrüben bis in die 1980er Jahre die höfische Landwirtschaft.

Urkundlich verfolgen lasse sich die fränkische Anlage bis ins Jahr 1408, berichtet Schneider. Oftmals tauche sie unter dem Namen Gudenauer Hof auf, da die Pächter lange Zeit die Herren zu Gudenau gewesen seien. Der Name Marienforster Hof beschreibt die 400 Jahre bis zur Säkularisation, in denen der Hof zum Kloster Marienforst gehörte.

In den 1970ern wurde ein Pferdestall mit Auslauf angebaut, den heute Verena Schäfer betreibt. Dank der zwei getrennten Hofflächen konnte Familie Schneider den historischen Hofteil „zur privaten Zone“ erklären. „So ist es dann oft, dass Architektur, die für einen bestimmten Zweck gebaut wurde, für einen neuen Zweck viel besser geeignet ist“, meint der freiberufliche Architekt. Ganz konnte Familie Schneider es mit „der Urproduktion“ aber nicht lassen: Im ehemaligen Taubenschlag gegenüber dem Pferdestall zogen vor zwei Jahren knapp zwei Dutzend Hühner ein.

In der großen Scheune über der Werkstatt half Schneider als Kind selbst noch beim Heu einlagern. „Wenn das Heu bis unters Dach reichte, war man mächtig stolz“, erinnert er sich fröhlich. Durch die Scheune gelangt man in einen modernen Neubau, den die Familie 2004 errichtete. In den Räumen ist das Architekturbüro Schneider & Klose Architekten, wo Alfred Schneider mit Joachim Klose zusammenarbeitet.

Renovierung ist nie fertig

„Das ist ein unglaubliches Geschenk, wenn man so leben darf“, sagt Schneider über das Wohnen und Arbeiten auf dem Hof. „Aber es ist auch eine große Bürde, weil viel Energie, Zeit und Geld in so eine Immobilie gehen. Man ist irgendwann vielleicht einmal rund und kann dann wieder vorne anfangen. Das ist auf der einen Seite sehr befriedigend, weil man nie in die Bredouille kommt, Langeweile zu empfinden. Auf der anderen Seite frustriert es natürlich auch, weil man nie das Gefühl hat, anzukommen.“ Das Mehrgenerationenwohnen und auf jede Lebenslage mit den passenden Räumlichkeiten reagieren zu können, seien allerdings große Pluspunkte.

Wenn die landwirtschaftliche Nutzung wegfalle, sei die Gefahr groß, dass Höfe ungenutzt blieben und langsam aber sicher dem Verfall preisgegeben würden. „Wir haben hier den Übergang ganz gut geschafft, ganz langsam über Jahre, Schrittchen für Schrittchen, jeden Bauteil einer neuen Nutzung zuzuführen und gleichzeitig die Landwirtschaft zu behalten“, so der Architekt. Das „Glück, als Freiberufler zu arbeiten“, ermögliche ihm, sich notfalls auch während der Arbeitszeit um den Hof zu kümmern. Sein Beruf sei bei den vielen Umbaumaßnahmen sicherlich hilfreich gewesen. Beinahe wäre Schneider Jurist geworden, doch von Kindesbeinen an auf dem Hof „den Meißel zu schwingen“, habe letztendlich den Ausschlag zu Gunsten der Architektur gegeben.

Er selbst gehört zur fünften Generation der Schneiders, unter den Namen Pabst und Görres sei die Familie aber schon ab 1830 Hofeigentümerin gewesen. Der Name Schneider zog 1872 in den Hof ein. Diese „Verbundenheit der Generationen“ sei etwas ganz Besonderes. Dass Alfred Schneider als jüngster von sechs Geschwistern den Hof übernehmen durfte, sei „eine Verpflichtung, aber auch eine besondere Ehre“. Er sagt: „Man hat nie das Gefühl: Der Hof gehört mir. Er ist immer nur eine Leihgabe, denn man ist sich bewusst, dass man nur eine Teilstrecke der Hofgeschichte erfüllt. 30, 40 Jahre hat man die Verantwortung dafür, dann möchte man den Staffelstab überreichen.“