Obstbäume in Wachtberg

Obacht vor dem Stummelschnitt

Dorothee Hochgürtel (r.) vom Verein zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen in Wachtberg gibt Tipps zur Pflege von Obstbäumen.

Dorothee Hochgürtel (r.) vom Verein zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen in Wachtberg gibt Tipps zur Pflege von Obstbäumen.

WACHTBERG. Der Verein zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen zeigt in einem Kursus, welcher Baum welche Pflege braucht. Viele der 30 Teilnehmer haben eigene Gärten.

Befürchtungen, dass einige Teilnehmer aufgrund der Wettervorhersage absagen würden, hatte Dorothee Hochgürtel keine. „Die kommen bestimmt alle“, meinte das Vorstandsmitglied des Vereins zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen in Wachtberg einen Tag vor dem Schnittkurs an hochstämmigen Obstbäumen am Samstag.

Hochgürtel sollte recht behalten: Mit nur einer Ausnahme waren alle rund 30 angemeldeten Personen erschienen, unter ihnen auch Stefan Hagen. „Der Regen hält mich nicht ab“, meinte Hagen, der hoffte, hier viele Tipps zur Behandlung der Bäume im eigenen Garten zu bekommen. Die große Wiese am Landgrabenweg, wo der Schnittkurs abgehalten wurde, war ideal, um unterschiedliche Schnitttechniken an verschiedenen Obstbäumen zu erklären. „Wir haben hier Apfel-, Pflaumen, Kirsch-, Birnen- und Walnussbäume“, berichtete Hochgürtel und betonte zugleich: „Jeder Baum verlangt seine individuelle Betrachtungsweise.“

Junge Bäume brauchen einen Erziehungsschnitt

Einige Grundregeln gilt es jedoch immer zu beachten, wie die Kursteilnehmer erfuhren. So sollte ein Baumzweig stets unterhalb jener Stellen, wo ein neuer Ast nach oben ragt, abgeschnitten werden, um Stummelschnitte zu vermeiden. Bei diesen bleiben viele kleine Miniäste an den Zweigen übrig: „Wir nennen das unsere Kleiderhaken“, erklärt Hochgürtel. Außerdem sollten junge Bäume in den ersten Jahren immer einen Erziehungsschnitt bekommen, um zu vermeiden, dass sich Wildwuchs ausbreitet. „Ziel ist es, dass die Bäume bei guter Pflege generationsübergreifend über 100 Jahre leben“, sagte Hochgürtel.

Beim Kurs, der von drei Vorstandsmitgliedern geleitet wurde, konnten sich alle Teilnehmer selbst im Beschneiden von Obstbäumen üben. Dabei stellte der 1994 gegründete Verein, der rund 200 Bäume auf rund 20 Flächen in Wachtberg betreut, auch das erforderliche Werkzeug zur Verfügung; von diesem ist ein erfolgreiches Schneiden der Obstbäume auch oft abhängig.

Beispielsweise kam mit einer sogenannten Schneidgiraffe eine Greifzange zum Einsatz, mit der die Obstbäume bis zu einer Höhe von fünf Metern passgenau geschnitten werden können. Bei den Scheren empfahl Hochgürtel Rosenscheren statt Ambosscheren zu verwenden. Sämtliche Fragen rund um den Obstbaumschnitt beantwortete sie ausführlich und individuell. „Kirsch- und Walnussbäume werden nur im Sommer beschnitten, sonst bluten sie aus“, erklärte sie. Bei allen anderen sei ein Frühjahrsschnitt sinnvoll, da dieser zum Wachstum anregt.

Nach rund vier bis fünf Stunden waren die Kursteilnehmer mit den wichtigsten Grundkenntnissen rund um Pflegeschnitt und Co. versorgt. Auch Stefan Hagen hatte einiges dazu gelernt und fand den Kurs rückblickend „sehr informativ“. Mitgenommen habe er unter anderem, dass es wichtig ist, eine Grundform in den Baum reinzubringen und nie mehr als 30 Prozent zu schneiden.