„Geschützter Anbau in der Landwirtschaft“ in Wachtberg

Naturschutz in der Landwirtschaft

Wachtberg. Rund drei Stunden nahmen sich die Mitglieder des Runden Tisches „Geschützter Anbau in der Landwirtschaft“ am Mittwochabend Zeit, Naturschutzmaßnahmen der Landwirtschaft, der Gemeinde und von Naturschutzverbänden beziehungsweise -institutionen im Wachtberger Ländchen unter die Lupe zu nehmen.

Auch Flächen mit geschütztem Anbau wurden dabei in den Blick genommen. Mit einem vom Obsthof Schneider zur Verfügung gestellten Bus tingelten die knapp 30 Mitglieder über die Dörfer. Die Fahrtroute hatte die Gemeinde mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft abgestimmt. „Eine tolle Sache, dass wir das auf diese Weise präsentiert und erläutert bekommen“, meinte beispielsweise Christoph Könen von der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Auf dem Programm standen unter anderem die Blühstreifen und Folientunnel des Obsthofes Schneiders in Kürrighoven/Züllighoven, das Naturschutzgebiet Dächelsberg in Niederbachem, Naturschutzmaßnahmen auf der Apfelplantage Auen in Niederbachem, Vertragsnaturschutz im Naturschutzgebiet Dächelsberg auf dem Ließemer Berg, die neu angelegte Apfelplantage des Obsthofes Schwind in Ließem, die Ausgleichsfläche der Gemeinde in Gimmersdorf für die Ortsumgehung sowie die Vorstellung der Streuobstwiese am Triebweg in Arzdorf.

Zur Erinnerung: Im Herbst letzten Jahres hatte der Runde Tisch zum ersten Mal mit dem Ziel getagt, Interessengruppen zusammenzuführen und einen besseren Austausch untereinander zu ermöglichen. Nach der zweiten Sitzung Ende Juni folgte jetzt sozusagen die Inspektion vor Ort. Auf seiner Erdbeerplantage präsentierte Landwirt Stefan Schneider beispielsweise die sogenannten Blühstreifen entlang der Folientunnel. „Ein Resultat des Runden Tisches, das rund 3500 Euro gekostet hat“, erläuterte er. Der Blühstreifen ermögliche unter anderem den ganzjährigen Nachzug von Vögeln und komme auch bei der Bevölkerung gut an, so Schneider. „Durch unsere Folientunnel können wir zum Beispiel hier bei den Himbeeren komplett auf Pflanzenschutz verzichten.“ Grüne Netze, die mittlerweile über vielen Folientunneln zu sehen sind, dienen heute einem positiven Landschaftsbild, um das viele Landwirte bemüht sind. „Unsere Tour zeigt, dass viele Landwirte ihren Beitrag zum Naturschutz leisten“, meinte Könen.

Auch an der neu angelegten Apfelplantage des Obsthofes Schwind ist der Naturschutzbund (Nabu) in einem Gemeinschaftsprojekt mit REWE und dem Unternehmen Landgard beteiligt. Auch dort sorgen Blühstreifen für den Erhalt und Ausbau der Artenvielfalt. „Eine gelungene Maßnahme“, wie Hachtel konstatierte. Dass auf dem Biobetrieb von Bernhard Luhmer auf dem Ließemer Berg der Naturschutz im Vordergrund steht, machte dieser mit dem Satz deutlich: „Es geht nicht darum, die Viecher sattzukriegen, sondern um ein artenreiches Grünland.“

Auf dem 60 Hektar großen Naturschutzgebiet stehen immerhin 16 Hektar unter Vertragsnaturschutz. Auf das Problem, neue Anbauflächen für Apfelbäume zu finden, machte Stefan Thomas vom Wachtberger Streuobstwiesenverein deutlich: „Wir suchen noch Flächen. Allerdings fehlt uns noch ein Konzept dafür.“ Professor Wolfgang Schumacher, eremeritierter Professor der Uni Bonn und Sprecher des Arbeitskreises, reagierte sofort: „Sie sind hier so aktiv und machen eine hervorragende Arbeit – stellen Sie doch einen Antrag bei der NRW-Stiftung“, forderte er Thomas auf.

Jörg Ostermann, Beigeordneter der Gemeinde und Mitorganisator der Tour, meinte zum Abschluss: „Wir wollten ihnen Möglichkeiten präsentieren, was man alles für den Naturschutz tun kann.“ Auf der nächsten Sitzung des Arbeitskreises, voraussichtlich Ende Oktober, werden die Mitglieder dann analysieren und bewerten, was sie am Mittwochabend gesehen haben.