Wachtberger Originale

Kunst ist Freude, aber auch Arbeit

Stets offen für künstlerische Prozesse: Die Wachtbergerin Barbara Kroke in ihrem Mehlemer Atelier.

Stets offen für künstlerische Prozesse: Die Wachtbergerin Barbara Kroke in ihrem Mehlemer Atelier.

Pech. Barbara Kroke war Suchttherapeutin und ist Künstlerin. Seit fast 50 Jahren ist sie schon Wachtbergerin – ihr Atelier aber liegt in Mehlem.

„Lassen Sie mich nachrechnen“, sagt Barbara Kroke. Doch wirklich, sie lebe mit ihrem Mann nun schon fast 50 Jahre in Wachtberg, bestätigt sie dann. „Erst in Pech, dann in Kürrighoven und jetzt wieder in Pech“, erläutert Kroke gut gelaunt. Es sei einfach wunderschön, im Grünen und gleichzeitig so nah an Bad Godesberg und Bonn zu wohnen. „Ich genieße das: Einfach 'rausgehen zu können und den Kopf frei zu bekommen.“ Auch den dörflichen Charakter der Gemeinde liebe sie: „Hier hält man noch zusammen.“

Bekannt ist sie im Umfeld unter anderem als Familien- und Suchttherapeutin, die auch mit 73 Jahren noch in kleinem Rahmen Patientengespräche führt. Doch das ist nur eine Facette ihrer Persönlichkeit. Kroke ist daneben auch als Künstlerin aktiv. Wissen die Nachbarn denn, dass sie allein dieses Jahr schon an vier verschiedenen Orten ihre Bilder ausgestellt hat? „Unsere Freunde natürlich, aber ansonsten ist das glaube ich nicht so bekannt.“ Was vermutlich daran liegt, dass sie in der Woche viel in ihrem Atelier ist. Und das liegt in Mehlem.

Ausstellung in Nairobi

Kürzlich waren acht ihrer Collagen in Nairobi zu sehen. Unter dem Motto „Food Waste“ war im dortigen Nationalmuseum die Verschwendung von Lebensmitteln Thema gewesen, sagt die im heutigen Polen geborene Künstlerin. Daneben war sie bei der Ausstellung „Sauberes Wasser“ im Kunstverein Offenbach und bei „Frauen: kurz und knapp“ des Internationales Künstlervereins in Remagen mit von der Partie. Und Aschermittwoch hatte sie die Bad Godesberger Jury zur traditionellen „Schwarz-Weiß-Ausstellung“ ins Haus an der Redoute geladen. „Ich habe da zwei eher stille Bilder gehängt“, so Kroke. Aktuell male sie wohl zurückgenommener als früher. So sei das geliebte intensive „Macke-Rot“ derzeit nicht so oft auf ihrer Palette, fügt sie nachdenklich hinzu.

„Für die Kunst hat mich mein zeichnerisch brillanter Vater inspiriert“, berichtet Kroke. Nur sei ihr als berufstätiger Mutter später keine Zeit geblieben, weiter zu malen. Nachdem sie sich nach Jahren in einer Fachklinik als Suchttherapeutin selbstständig gemacht hatte, „ist es mir mit Anfang 50 endlich gelungen, Malunterricht zu nehmen. Ich habe mein Können vertieft und bin in den Dialog mit anderen getreten.“ Besonders ihrer Mallehrerin sei sie dankbar für intensive Arbeitsstunden. Die habe eigentlich gegenständlich gemalt, sie als Schülerin sei aber nicht vom informellen, abstrakten Expressionismus abgewichen. Kroke lacht: „Wir hatten also immer einen fruchtbaren Austausch.“

In der Künstlerinnengruppe Gedok Bonn ist Kroke seit vielen Jahren engagiert, ebenso wie im Frauenmuseum Bonn, im Internationalen Künstlerverein und im Dialog mit den Godesberger Partnerstädten. Ehrenamtlich arbeitet sie fürs Kurfürstliche Gärtnerhaus – und ist immer wieder auf dem Sprung zu neuen Ausstellungsprojekten. Ihr Stil sei mit den Jahren gewachsen, sie sei offen für künstlerische Prozesse, behalte aber natürlich ihre künstlerische Handschrift. Und die sei sicher auch durch ihre psychotherapeutische Tätigkeit beeinflusst. So findet man in ihren Bildern auch die bildhafte Umsetzung des Schattenbegriffs des Psychotherapeuten C. G. Jung, bestätigt Kroke. Und dann macht sie sich wieder auf in ihr Atelier. „Denn Kunst ist auch Arbeit.“ Und sie fügt lachend hinzu: „Ich fahre also nicht nur nach Mehlem, wenn mich die Muse küsst.“