Streit um Öffnung für Nicht-Christen

14.01.2015 SWISTTAL-BUSCHHOVEN. Weil die Buschhovener Schützen ihre Satzung ändern, schließt der Historische Bund sie aus.

"Ohne die Satzungsänderung hätte die Bruderschaft keine fünf Jahre überlebt", sagt Peter Scheben, der zweite Vorsitzende der Sportschützen Sankt Sebastianus Buschhoven. Der neue Verein war früher eine Bruderschaft und Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS).

Was war der Impuls für die Satzungsänderung?

Die Bruderschaft hatte 2010 etwa 160 Mitglieder. Davon waren zwei Drittel über 60 Jahre alt. Scheben: "Wir waren überaltert." Andererseits gehören dem Verein etwa 15 Kinder und Jugendliche an. Laut Scheben fehlte "die Generation dazwischen". 2012 hattee die Bruderschaft noch etwa 100 Mitglieder. "Da mussten wir handeln", sagt Scheben.

Wie kam es zum Konflikt?

Die Mustersatzung des BHDS ist laut Scheben "zu eng an die Katholische Kirche" angelehnt, seiner Ansicht nach "welt- und realitätsfern". Denn, so Scheben, wenn man sich exakt an die Satzung halte, dürften Geschiedene und Wiederverheiratete wie er selbst keine Vorstandsposten übernehmen. "Wir kriegen so keine Führungskräfte mehr", sagt er. Die Bruderschaft durfte laut Satzung keine Nicht-Christen aufnehmen. Scheben: "Das war Diskriminierung." Er bezieht sich auf das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz. Die Mitgliederversammlung beschloss 2012 die Namensänderung in "Sport-Schützenverein Buschhoven" und die Satzungsänderung dahingehend, dass "die ökumenisch-katholischen Aspekte" herausgenommen und dahingehend geändert wurden, dass "wir in politischen und religiösen Dingen neutral sind".

Was passierte dann?

Als dem Bezirksverband die Namensänderung auffiel, forderte der BHDS die neue Satzung an. Änderungswünsche erfüllte der Verein, er bestand jedoch auf dem Passus der religiösen und politischen Neutralität. Rechtsanwalt Michael Röcken, der die Interessen der Buschhovener vertrat: "Aus der geänderten Satzung ergibt sich, dass der christliche Gedanke weiter gilt. Die religiöse Neutralität steht dem nicht entgegen." Das Schiedsgericht des BHDS schloss den Buschhovener Verein im September 2014 dennoch aus dem Bund aus.

Wie begründet der BHDS den Ausschluss?

Pressesprecher Rolf Nieborg sagt, mit der Umbenennung hätten die Buschhovener Schützen alles an christlichen Elementen aus der Satzung herausgenommen. Dies entspreche aber nicht mehr den Bundesstatuten. Daher sei der Ausschluss die Konsequenz. Nieborg betont, dass der BHDS offen sei für die christliche Ökumene. Immerhin könnten Menschen aus 22 anerkannten christlichen Kirchen mitmachen. Grundsätzlich könne jeder Verein den Kreis seiner Mitglieder selbst bestimmen. Wenn eine Mehrheit im BHDS sagen würde, die christliche Bindung solle abgelegt werden, dann "wäre das so". Aus seiner heutigen Sicht aber würde das Aufgeben der Nähe zur Katholischen Kirche zum Beispiel die Jugendarbeit der Schützenbruderschaften gefährden, weil diese von der Kirche finanziell gefördert würden.

Was sagt der Präses?

Mit dem Ausschluss gibt es keine Basis mehr für das Amt von Präses Stanislaus Friede. Aber: Der Geistliche will die Schützen weiter begleiten, Messen für sie feiern oder die Königskette segnen, wenn dies gewünscht wird. Friede sagt weiter, die Schützen könnten auch künftig in Uniform an den Prozessionen teilnehmen. Einzelheiten werde er mit ihnen besprechen.

Was bedeutet der Ausschluss in der Praxis?

Die Buschhovener dürfen nicht mehr an BHDS-Wettbewerben teilnehmen. Der Verein veranstaltet aber weiter seinen Patronatstag im Januar und sein Schützenfest Ende Mai, bei dem der König auch seine Kette erhält. Die Schützen nehmen weiter im grünen Rock und mit der alten Bruderschaftsfahne an den Prozessionen am Rosenfest und an Fronleichnam teil und besuchen die Schützenfeste in Heimerzheim und Oberdrees.

Wie sieht die Zukunft aus?

Etwa 20 Mitglieder, die weiter an den BHDS-Wettbewerben teilnehmen wollten, haben sich anderen Bruderschaften angeschlossen. Dafür traten fünf Muslime und einige aus der Katholischen Kirche Ausgetretene dem Verein bei. Durch Bogenschießen, Grillabende, Nachtwanderungen und Zeltlager will der Verein für die Jugend attraktiver werden.

Der Fall Mithat Gedik

Der Muslim Mithat Gedik, verheiratet mit einer Katholikin und Vater von vier katholisch getauften Kindern, wurde im Juli 2014 Schützenkönig im westfälischen Dorf Sönnern.

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wollte das nicht anerkennen - Gedik sei ja kein Christ, wie die Satzung es verlange. Darauf kam es zu bundesweiten Protesten. Diese wertete der Bund als Versuch, eine "Zwangsharmonisierung und geistige Gleichschaltung" zu erreichen. Würden Nichtchristen aufgenommen, bedeute dies die Aufgabe der Bindung zur Katholischen Kirche.

Für Gedik wurde eine Ausnahme gemacht. Er durfte seinen Titel behalten, sein Amt aber auf Bezirksebene nicht ausüben. (Hans-Peter Fuss und Gerda Saxler-Schmidt)