Gebäude von 1767

Schloss Miel war das Liebesnest des Grafen Belderbusch

SWISTTAL-MIEL. Schloss Miel wurde 1767 auf dem Areal einer zuvor zerstörten Ritterburg errichtet. Heute ist das spätbarocke Lustschloss Sitz eines Golfclubs. Das Museum steht Besuchern offen.

All jenen, denen das Schloss im Film „Die schwarzen Brüder“, bei „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ oder Jan Böhmermanns Neo-Magazin Royale bekannt vorkam, sei gesagt: Ja, für diese Formate und einige mehr hat Schloss Miel das stilvolle Ambiente geboten. Wenn die Mieler bis heute allerdings von der „Burg“ sprechen, geht dies wohl auf die Tatsache zurück, dass seit 1140 für Jahrhunderte eine Ritterburg an der Stelle gestanden hatte, wo heute das stilvoll restaurierte Schloss Miel erstrahlt. Die Ritterburg fiel einem Brand zum Opfer, ihre Reste wurden abgerissen. Der Neubau des Schlosses mit Wassergraben wurde 1767 in die Wege geleitet als Landsitz im spätbarocken Stil, der sich am französischen Typ einer „Maison de Plaisance“ orientiert, einem „Haus des Vergnügens“. Mit Inneneinrichtung fertiggestellt wurde Schloss Miel Anfang 1772.

Das Herrenhaus mit den in pastelligem Gelb und Weiß gestrichenen Fassaden von Haupt- und Nebengebäuden sowie der ehemaligen Remise wirkt heute besonders nobel. Den Gesamteindruck unterstreicht der Park mit seinen gepflegten barocken Anlagen und seinen algenfreien Gewässern, für die verschiedene Karpfenarten, vor allem Graskarpfen, sorgen.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Im heutigen Glanz erstrahlt Schloss Miel erst seit einer umfangreichen und kostenintensiven Sanierung. Einen kurzen Einblick in den vorherigen Zustand gibt Alexander Thelen, Geschäftsführer des Golfclubs Schloss Miel: „Es waren nur wenige Räume überhaupt beheizt. Das Dach war teils Asbest verseucht, der Dachstuhl musste saniert werden. Die Dachgauben wurden im Zuge dessen nach Originalplänen wieder eingebaut und es wurden knapp 880 Quadratmeter Schiefer von der Mosel eingedeckt.“

Im Jahr 2000 war das restaurierte Schloss zu bewundern im Rahmen der Ausstellung „Der Riss im Himmel – Kurfürst Clemens August von Köln und seine Epoche“, die zeitgleich auch in den barocken Schlössern in Bonn, Brühl, Köln und Jülich die damalige adlige Lebenskultur dokumentierte. Die Verbindung zwischen den Kölner Kurfürsten und Schloss Miel: sein Erbauer ist Caspar Anton Freiherr von der Heyden, genannt Graf Belderbusch, der damals allmächtige Kurkölnische Premierminister. In Schloss Miel fand er mit seiner Geliebten Caroline von Satzenhofen ein – mehr oder weniger heimliches – Refugium. Schließlich waren beide eigentlich dem Zölibat unterworfen, denn Graf Belderbusch war Geistlicher und Gräfin Caroline von Satzenhofen war Äbtissin des Damenstifts in Vilich.

Die „Schlitzohrigkeit“ Belderbuschs

Dass das Portrait seines „Chefs“ Kurfürst Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels im Gartensaal im Erdgeschoss von Schloss Miel hängt, mache eine gewisse „Schlitzohrigkeit“ Belderbuschs deutlich, sagt Thelen. Denn: „Das Portrait seines Chefs hängt unten im Gartensaal, das Portrait von Belderbusch selbst aber eine Etage drüber im Billardsaal. Kunsthistoriker meinen, daran könne man erkennen, wie Belderbusch sich selbst eingeordnet hat.“

Schloss Miel ist bis heute für Historiker von besonderer Bedeutung, weil viele Details noch Original erhalten sind. Dazu gehören sämtliche Holzteile der Innenausstattung, nahezu alle Beschläge und Schlösser aus Messing und Eisen. Auch die ursprüngliche Versorgungsstruktur des Schlosses mit seinen Hinterladeröfen, Bedienungsklappen, Abzügen, Kaminen, Aborten, Wasser- und Abwasserführung sind erhalten. Besonderes Prunkstück ist der Gartensaal mit seinen originalen Malereien, die dem Zeitgeschmack entsprechend idealisierte Szenen des Landlebens zeigen sowie musizierende Menschen, Jagdszenen und die vier Jahreszeiten.

Als revolutionär für die damalige Zeit galt die komfortable Unterbringung der Dienerschaft in einem Anbau an das Schloss, der mit beheizten Räumen und Wasserklosetts ausgestattet war. „Schloss Miel war deshalb wohl ein sehr beliebter Arbeitsplatz, weil die Bediensteten dort für die Zeit komfortabel wohnen konnten“, sagt Thelen.