Müllverarbeitung

In Swisttal-Miel verrottet Biomüll im Tunnel

SWISTTAL-MIEL. Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft RSAG nimmt die neue Kompostierungsanlage in Miel in Betrieb. Die Jahreskapazität steigt auf 55.000 Tonnen Bio- und Grünabfälle.

Warmer Dampf steigt auf, als das hohe Tor geöffnet wird. Noch bevor es den Blick auf den Inhalt des Tunnels dahinter freigibt, kündigt es der typische Geruch an: die Kompostierung von Bioabfall ist im vollen Gange. Am Freitag wurde die neue moderne Tunnelkompostierungsanlage auf dem Gelände der RSAG-Entsorgungsanlage in Miel nach einem Jahr Bauzeit offiziell in Betrieb genommen.

Mit der neuen Anlage, die rund neun Millionen Euro gekostet hat, können künftig am Standort Miel jährlich 55.000 Tonnen Bio- und Grünabfälle aus dem gesamten links- und rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis verarbeitet werden. Das entspricht einer Kapazitätssteigerung um 30.000 Tonnen. Die neue Anlage ist fast 5000 Quadratmeter groß und umfasst neun sogenannte Tunnel mit einem Fassungsvermögen von jeweils 280 Tonnen, wie Dirk Riedel, Geschäftsführer der KRS KompostWerke Rhein-Sieg GmbH & Co. KG, erläuterte.

Nach drei Wochen entsteht frischer Kompost

Nach durchschnittlich 21 Tagen Verweildauer werde frischer Kompost mit guter Qualität erzeugt. „Ich freue mich, an einem Stück Modernisierung der Abfallwirtschaft teilnehmen zu dürfen“, sagte Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster, in Personalunion auch RSAG–Aufsichtsratsvorsitzender. Auch wies er auf die Gründung der Rheinische Entsorgungs-Kooperation (REK) als beispielhaft für die Region und darüber hinaus hin. Die REK beweise, dass vieles gemeinsam machbar sei.

Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner hob die positive Entwicklung am Standort Miel hervor, der optimale Voraussetzungen mitbringe dank der nicht störenden Lage und der eigenen Zufahrt. „Für Swisttal ist das eine gelungene Sache, weil der Standort entwickelt und gestärkt wird, was wiederum Arbeitsplätze bringt“, sagte sie.

Bisherige Kompostierung war veraltet

Seit mehr als 20 Jahren werden in der Anlage Miel Grün- und Bioabfälle aus dem ganzen Kreis zu Kompost verarbeitet. Allerdings war die Technik der bisher eingesetzten sogenannten Boxenkompostierung in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand. Auch die Wartungs- und Reparaturkosten der alten Anlage nahmen zu. Die neue Tunneltechnik ist schneller, wartungsarm und dadurch kostengünstiger. Kernstück in dem Erweiterungsbau sind neben der Anlieferhalle und der Tunnelvorhalle die neun Rottetunnel, die jede für sich mit einer künstlichen Belüftungs- und Rottetechnik ausgestattet sind.

Die Kapazitätssteigerung mit der neuen Anlage bringt laut RSAG mehrere Vorteile: Die gesamte zu verarbeitende Jahrestonnage im Kreis von 115.000 Tonnen Bio- und Grünabfälle erfolgt jetzt in den drei Kompostwerken in Sankt Augustin, Swisttal und Müttinghoven. Es müssen keine Bioabfälle mehr in andere Werke außerhalb des Kreises ausgelagert werden. Das spart Transportkosten, mindert den Schadstoffausstoß durch weniger Lkw-Touren und hält Wertschöpfung in der Region. Auch die Stadt Bonn nutzt über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kreis die Mieler Anlage.