Interview mit Gladiatorengruppe

"Wir vermitteln das Gefühl für diese Zeit"

Römertag in Rheinbach

Die Todgeweihten grüßen: Am Sonntag gastiert die Interessengruppe "Amor Mortis" um Mark Schrader (6. von rechts) anlässlich des Römertages in Rheinbach.

RHEINBACH. Die Gladiatorengruppe "Amor Mortis" um Mark Schrader kreuzt am Sonntag beim Rheinbacher Römertag ihre Schwerter.

Sie sind das Sinnbild für ein kraftstrotzendes Spektakel, das in der Antike die Massen anzog. Gladiatoren waren die Volkshelden ihrer Zeit. Am Sonntag gastiert die Interessengruppe "Amor Mortis" beim Römertag im Rheinbacher Freizeitpark. Sie hat sich der Darstellung freiwilliger Gladiatoren um 79 nach Christus sowie der Erforschung ihrer Kampfweisen verschrieben. Mit Mark Schrader (34), dem Kopf der Gruppe sowie freischaffender Archäologe und Forschungstaucher, sprach Mario Quadt.

Wie kommt man auf die Idee, nach römischer Sitte mit Schwertern aufeinander loszugehen?
Mark Schrader: Wir vermitteln das Gefühl für diese Zeit. Seit 2002 sind wir aktiv, seit 2008 treten wir auf. Es waren nämlich zuvor viele Vorarbeiten zu leisten - wie Quellenstudium und Quellenkritik, um die wissenschaftliche Seite unseres Tuns genau abzugrenzen und seriös zu präsentieren.

Wie schwierig ist es, seriöse Zeugnisse über das Leben der Gladiatoren zu finden?
Schrader: Oh, es gibt wenige Quellen zu Gladiatoren, die sich auf unseren Teil des Lebens beziehen. Es gibt aber beispielsweise einen Gladiatorengrabstein in Köln. Wir vermuten, dass es dort eine Gladiatorenschule gab. Auf "Fanartikeln" wie Öllämpchen, Trinkflaschen, Bechern, Mosaiken, außergewöhnlichen Graffiti oder Grabstelen ist uns die Kampfweise überliefert. In Pompeji sind eine Gladiatorenwaffenkammer - mit Dolchen, Helmen und Schildern - sowie ein Trainingsgelände ausgegraben worden.

Wenn die Mitglieder ihrer Interessengruppe zum Römertag nach Rheinbach kommen, reisen sie aus allen Teilen Deutschlands an. Wie schwierig ist es da, gemeinsam zu trainieren?
Schrader: Wir sind ein loser Zusammenschluss und trainieren meist im Raum Neuss/Düsseldorf. Wir sprechen die Termine unserer Treffen so ab, dass wir für gewöhnlich am Samstag ein Kölner Museum besuchen und am Sonntag trainieren. Manche reisen aus Karlsruhe, Stuttgart oder Hamburg an.

Und was genau führt Sie in der Interessengruppe "Amor Mortis" zusammen?
Schrader: Es sind wohl verschiedene Ansätze. Da ist zum einen der sportliche Aspekt. Es gibt kaum historische Darstellungen, wo der Sport derart im Vordergrund steht. Aber es gehört auch Respekt dazu und die Gabe, sich auf den anderen einzustellen. Wir sagen immer: Wir kämpfen miteinander, nicht gegeneinander. Man muss auch den Schmerz lernen. Und man sollte auch ein bisschen basteln können, denn die Ausrüstung ist Privatsache, bei der alles angepasst werden muss.

Wenn man Ihre Gruppe so ansieht, schaut sie recht martialisch drein. Täuscht der Eindruck?
Schrader: Der psychologische Aspekt gehört natürlich auch dazu. Gladiatoren sind schließlich todesverachtend, selbstbewusst und sie kennen keine Angst vor Verletzungen. Sie waren früher als heroisch angesehen, heute würde man eher sagen arrogant. Jeder unserer Gladiatoren versucht, das Publikum auf seine Seite zu ziehen - durch gezielte Körpersprache. Es ist immer interessant zu sehen, wie das Publikum mitfiebert und mitgeht.

Apropos Publikum. Worauf dürfen sich die Zuschauer in Rheinbach am Sonntag besonders freuen, wenn Sie auftreten?
Schrader: Wir bringen fast alle Kampfweisen mit, die damals in Westeuropa bekannt waren. Wir sind froh, dass uns im Freizeitpark ein Sandplatz zur Verfügung steht. Dann können wir dementsprechend sehr aktiv draufhauen (lacht). So ist das Verletzungsrisiko für uns gering.

Sie werden sich doch nicht gegenseitig verletzen?
Schrader: Die Schwierigkeit ist, dass die Ausrüstung bis zu 18 Kilo wiegt. Eigentlich können wir uns da nur wehtun, wenn wir hinfallen - wenn wir wie in Rheinbach auf Sand agieren. Wir kommen mit zehn Akteuren, und jeder möchte das Publikum für sich gewinnen. Und das Publikum belebt das, was wir machen.

Zur Person

Mark Schrader ist 34 Jahre alt, Kopf und Sprecher der sogenannten Interessengruppe "Amor Mortis". Er lebt im westfälischen Münster. Wenn er sich nicht gerade mit Dreizack und Fangnetz bewaffnet, um in die Rolle eines römischen Gladiators zu schlüpfen, arbeitet er als Archäologe, Museumspädagoge und Forschungstaucher. Seine Formation mit Gladiatoren aus ganz Deutschland präsentiert sich am Sonntag in Rheinbach auch mit eigenem Stand, an dem die Ausrüstung der Kämpfer zu sehen ist, außerdem gibt es einen Fanshop.

Zum Rheinbacher Römertag verwandelt sich der Freizeitpark in eine römische Arena

Die Standorte der einzelnen "Dörfer" sind bereits markiert, die Arena für die echten Gladiatorenkämpfe (siehe Interview) ist angelegt. 30 beteiligte Gruppen, darunter Legionäre, Gladiatoren, Kelten und Köche haben bereits ihre Zelte, Hütten, Streitwagen und Ausrüstungen zurechtgelegt und warten auf ihren Einsatz am Sonntag, 31. August, wenn von 11 bis 17.30 Uhr im Rheinbacher Freizeitpark der Römertag anbricht. Dank der Gaben von Sponsoren ist der Eintritt zu dem vom Rheinbacher Freundeskreis Römerkanal organisierte Spektakel unter freiem Himmel kostenlos.

Dieser dritte Rheinbacher Römertag reiht sich ein in eine Fülle von Veranstaltungen, die 2014 im Rheinland zu Ehren des 2000. Todestags des römischen Kaisers Augustus angeboten werden. "Augustus war nicht nur Kriegsherr, sondern auch Friedensstifter und ein großer Förderer der Kultur und Künste", sagt Gerd Wiendieck, Pressesprecher des Freundeskreises Römerkanal, im Gespräch mit dem GA. "In Erinnerung an diese Zeit der kulturellen Blüte feiert das Rheinland das Römerjahr und Rheinbach ist mitten drin dabei", so Wiendieck.

Das bunte Treiben im Freizeitpark im Norden Rheinbachs reicht von Fahrten mit dem von zwei Pferden gezogenen römischen Reisewagen, römischer Wachstafelmalerei und Streitwagenrennen für Kinder bis zu Auftritten der Legio XXII Primigenia und der Legio XXI Rapax sowie der Gladiatorenschule "Amor Mortis". Zudem gibt es Lesungen, auf die Beine gestellt von "Rheinbach liest", einen Bücherstand zum Thema Römer, Aktionen der Rheinbacher Schulen und Kulinarisches aus der römischen Küche. Filmvorführungen informieren zu römischen Funden aus der Region und zum Limes, ein Keltendorf gewährt Einblicke in das Leben jener Zeit. "Wir bilden das römische Leben in seiner ganzen Vielfalt ab", meint Lorenz Euskirchen, Gründer und Vorsitzender des Freundeskreises. "Jung und Alt werden den Tag genießen und von der Fülle des Gebotenen überrascht und begeistert sein", so Euskirchen weiter.