Gefährliche Sabotage auf der Baustelle

Unbekannte stellen an Tomburg Nagelfalle für die Arbeiter auf

Heimtückisch: Burkhard Striewe demonstriert den Tritt in die Nagelfalle. Dank Arbeitsschuhen blieb er unverletzt.

Heimtückisch: Burkhard Striewe demonstriert den Tritt in die Nagelfalle. Dank Arbeitsschuhen blieb er unverletzt.

RHEINBACH. Seit Beginn der Sicherungsarbeiten an der Tomburgruine erleben die Mitarbeiter der Spezialfirma Sabotage und Vandalismus auf der Baustelle. Höhepunkt am Mittwoch: Ein Mitarbeiter trat in ein Nagelbrett, nur seine Arbeitsschuhe bewahrten ihn vor Schlimmerem.

Burkhard Stiewe war fassungslos. Der Geschäftsführer einer Spezialfirma aus Wismar, die mit der Sicherung eines Teils der Tomburgruine beschäftigt ist, trat gestern Morgen im Baustellenlager in ein Nagelbrett – seine Sicherheitsschuhe schützten ihn vor einer Verletzung. Unbekannte hatten die heimtückische Falle offenbar für die Arbeiter aufgestellt. Unter einem an einem Bauzaun aufgehängten Spezialkabel, das für die Fernsteuerung einer Maschine gebraucht wird, lag das Brett mit zahlreichen langen rostigen Nägeln. Es war mit Efeu getarnt.

Und dieser Vorfall war nicht der erste: Seit Beginn der Arbeiten gab es immer wieder regelrechte Sabotageakte. Zerschnittene Kabel, aufgebrochene Schlösser, Diebstähle. Die geschädigte Firma hat bisher von einer Anzeige gegen unbekannt abgesehen. Die Stadt Rheinbach als Auftraggeberin prüfe „geeignete Maßnahmen“, so Pressesprecher Norbert Sauren.

"Vorsätzliche Straftat"

Laut Burkhard Stiewe nahm seine Firma nach einer Schlechtwetterpause gestern wieder die Arbeit auf. Etwa drei Wochen hatte das Kabel an dem Bauzaun gehangen. Als er es abnehmen wollte, trat er nichtsahnend in das Nagelbrett. Für Bauingenieur Josef Axer, der im Auftrag der Stadt Rheinbach die Maßnahme leitet, wären die Folgen nicht auszudenken gewesen, „wenn Stiewe normale Schuhe angehabt hätte“.

Für Axer ist dies der unrühmliche Höhepunkt einer Serie von Vandalismus- und Sabotageakten. „Das war diesmal kein Dummejungenstreich, sondern eine vorsätzliche Straftat.“ Trotzdem schaltete Stiewe wegen „geringer Erfolgsaussichten“, wie er sagt, nicht die Polizei ein. Simon Rott, Sprecher der Bonner Polizei, rät allerdings dazu, Vorkommnisse wie das Aufstellen einer Falle immer zur Anzeige zu bringen.

Ruine zieht auch selbst ernannte Experten an

Dass die Tomburgruine eine besondere Anziehungskraft auf Zeitgenossen hat, die ihre Zerstörungswut ausleben wollen, ist seit Langem bekannt. Und Fachleute wie Axer erkennen auch noch andere Hintergründe. Der Bauingenieur spricht vom obskuren Treiben einer „Subszene“: Selbst ernannte Burgexperten betrachteten die mittelalterliche Wehranlage als „Forschungsobjekt“, so Axer.

So errichteten Unbekannte auf eigene Faust Trockenmauern oder nutzten alte Gerüstlöcher in den Ruinenmauern des Bergfrieds dazu, Kanthölzer in das Mauerwerk einzufügen – möglicherweise um zu simulieren, wie die Handwerker vor rund tausend Jahren beim Bau der Burg vorgingen, vermutet Axer.

Geknackte Schlösser, durchtrennte Kabel

Mit dem Beginn der Sicherungsarbeiten im vergangenen Herbst begannen dann die Übergriffe auf die Baustelle. Die Liste der Vorfälle ist lang: Wasser- und Druckschläuche für den Kompressor wurden mit Messern traktiert oder mit Nägeln durchstoßen. Kurz vor Weihnachten wurde Strahlmittel gestohlen, das Stiewe zum Strahlen der alten Mauerfugen braucht.

Unbekannte knackten das Schloss eines Baustellencontainers. Allerdings gelang es den Tätern wegen einer weiteren Sicherung nicht, in den Container einzudringen. Wie sich gestern herausstellte, war auch das Fernbedienungskabel, unter dem das Nagelbrett lag, zerschnitten worden.

Auf rund 2000 Euro beziffert Burkhard Stiewe den bisher entstandenen Schaden, ein Großteil davon ergibt sich aus einem Mehraufwand an Arbeit. Josef Axer bedauert im Nachhinein, dass die Kreisverwaltung nicht der Einrichtung des Baustellenlagers, wie ursprünglich geplant, auf einer einsehbaren Fläche an der Tomburg zugestimmt hat.

Laut Rheinbachs Pressesprechers Norbert Sauren prüft die Stadtverwaltung nun „geeignete Maßnahmen, um den an der Tomburg seit Jahren leider immer wieder auftretenden Fällen von Vandalismus und den bei der Sanierung vorgefallenen Sabotageakten entschieden entgegenzutreten“.