Vom Gänsebräter bis zur Heckenschere

Traditionsgeschäft in Wormersdorf schließt

Rheinbach. Zum Jahresende macht das Traditionsgeschäft Handrup in Rheinbach-Wormersdorf nach 57 Jahren zu. Betreiberin Elisabeth Handrup ist jetzt 77 Jahre alt.

„Guck mal schnell, was die Besen beim Handrup kosten, und bring noch zwei Gummiringe für die Weckgläser mit!“ Solch einen Satz haben jahrzehntelang Wormersdorfer Bürger gehört, wenn sie auf der Suche nach Haushaltswaren aller Rubriken, Gartengerätschaften, Spielzeug, Schulmaterial und Kunstgewerbe waren. Dieses für Jung und Alt durch die zentrale Lage im Dorf schnell erledigte Einkaufserlebnis ist nun bald Geschichte.

Bedingt durch das veränderte Kaufverhalten der Menschen, aber auch aufgrund des Gesundheitszustands von Inhaberin Elisabeth Handrup, die das Geschäft vor rund 43 Jahren von ihrer Schwiegermutter Katharina Handrup übernahm, schließt das Traditionsgeschäft zum Ende des Jahres.

Damit geht wieder ein Stück Ortsgeschichte zu Ende und nach über einem halben Jahrhundert ein Dorfmittelpunkt verloren. Am Mittwoch, 4. Oktober, beginnt der Ausverkauf und das komplette Sortiment wird um 50 Prozent reduziert angeboten.

Betritt man das Geschäft, das direkt neben dem Pausenhof der Katholischen Grundschule liegt, finden sich Haushaltsgeräte aller namhaften Firmen – von Backformen und Römertöpfen bis hin zu Raclette-Grills und Bügelbrettern. Außerdem reihen sich Äxte und Heckenscheren hinter dem Kassenbereich, in dem gut sortierte Schreibwaren ihren Platz haben.

Direkt nebenan, im Anbau von 1970, stapeln sich Playmobil-Kartons neben Gesellschaftsspielen und Kinderbüchern. Auch wenn es einem an Geschirr, Kunstgewerbe oder Gläsern fehlt, wird man in einem der letzten Geschäfte des Ortes fündig. Ursprünglich befand sich in den heutigen Räumen eine Schmiede, die seit 1835 als Familienbetrieb geführt wurde.

1959/60 wurde sie in ein Ladengeschäft umgebaut, das Katharina Handrup führte. Ihr Mann Anton betrieb die Schmiede im Nebengebäude weiter. 1974 dann wurden beide Unternehmen an Sohn Peter und Schwiegertochter Elisabeth übergeben. Der gelernte Huf- und Wagenschmied führt das Unternehmen nebenan bis heute als Schmiedeschlosserei weiter.

Ein Leben für den Laden

Als Wahrzeichen hängt noch immer der Pferdekopf gut sichtbar über der Ladentür des Gebäudes. „Früher haben die frechen Dorfjungs versucht, die Ohren mit Steinen abzuschießen. Dann haben die Meisen dort genistet“, erinnert sich der gebürtige Womersdorfer.

Elisabeth Handrup hat sich das gesamte Wissen für die alleinige Geschäftsleitung bis heute selber angeeignet: „Ich bin viel auf Messen und Ausstellungen gewesen, um auf dem Laufenden zu bleiben und alle immer gut beraten zu können“. Für ihre Kunden war sie mit Leib und Seele dabei, „wenn sonntags mal jemand an die Tür klopfte, weil er etwas dringend brauchte, habe ich natürlich geöffnet.“

Auch Anschreiben sei kein Problem gewesen. Viel Energie hat die Mutter von vier Kindern, die sich parallel auch noch um die im Haus lebenden Schwiegereltern kümmerte, auch in die Kundenakquise gesteckt. So wurden Flyer an alle Wormersdorfer Haushalte verteilt, um auf Angebote aufmerksam zu machen. Auch Tanja Paul, die seit elf Jahren mit ihrer Familie in Wormersdorf lebt, schätzt das breite Sortiment des Geschäfts: „Beide Kinder fahren mit ihren Rädern ins Dorf, um bei ihr ihre Schulsachen zu besorgen“, berichtet die zweifache Mutter.

„Frau Handrup weiß genau, was in welcher Klasse und in welcher Schule – selbst in den Nachbarorten – benötigt wird. Bei ihr bekommen wir alles – vom Bügelbrett bis zur Kirschentkernungsmaschine“, so die treue Kundin. „Nicht alles“, schmunzelt Elisabeth Handrup, „eine Haferflockenquetsche, die eine Kundin in Ostfriesland im Urlaub entdeckt hat, die haben wir nicht“, so die 77-Jährige.

Noch bis Ende des Jahres ist das Geschäft dienstags von 14.30 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr, sowie samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Dann ist endgültig Schluss.