Pilotprojekt

Rheinbacher Pilotprojekt soll Schadstoffe im Wasser filtern

RHEINBACH. Der Erftverband verwirklicht in Rheinbach auf 5000 Quadratmetern ein Pilotprojekt. Die Arbeiten, die im Februar begonnen haben, dauern voraussichtlich bis Dezember und kosten rund 3,6 Millionen Euro.

Schmerzstillende Salben auf der Haut, eingenommene Medikamente und auch Kosmetika – kaum jemand macht sich klar, dass all das Rückstände im Abwasser hinterlässt, die der Umwelt schaden. Als Pilotprojekt des Erftverbandes entsteht seit Mitte Februar gleich neben der Rheinbacher Kläranlage hinter der Kreuzung der Landstraßen L 266 und L 493 ein neuer Retentionsbodenfilter, der diese umweltschädlichen Rückstände maximal reduzieren soll.

„Dieses Projekt ist einmalig in ganz Deutschland“, sagte Norbert Engelhardt, Vorstand des Erftverbandes, bei der Präsentation des Pilotprojektes. Auf das neue, sehr naturnahe Verfahren schaue selbst die Fachwelt deutschlandweit. Das Besondere liege in der einmaligen Kombination von Niederschlagswasserbehandlung und Spurenstoffentfernung.

So dient die Anlage der Entlastung des Wallbachs bei starken Niederschlägen und dem Gewässerschutz sowie darüber hinaus auch der Entfernung von Spurenstoffen aus dem Abwasser. Letztlich werde sich das neue Verfahren über den Wallbach auch positiv auf die Wasserqualität der Swist auswirken, eines der bestüberwachten Gewässer weit und breit, so Engelhardt.

„Ich bin froh, dass hier an einer Lösung gearbeitet und etwas für den Umweltschutz getan wird. Dieses Musterbauwerk wird hoffentlich landesweit Nachahmer finden“, sagte Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz. „Und für die Region ist es ein bedeutender Baustein zur ökologischen Verbesserung des Wallbachs und des Swistbachs“, so Raetz. Der Retentionsbodenfilter verfügt über eine Filterfläche von rund 5000 Quadratmetern. Bei starken Niederschlägen kann er rund 12,3 Millionen Liter mit Schmutzwasser vermischtes Regenwasser zwischenspeichern und später stark gedrosselt in den Wallbach abgeben.

„Das Besondere des Rheinbacher Filters besteht darin, dass wir zusätzlich zu der Schicht mit Filtersand auch eine Schicht granulierte Aktivkohle in das Becken einbauen werden. Das gespeicherte Mischwasser durchströmt beide Schichten. Dadurch werden nicht nur ungelöste und gelöste Schmutzstoffe zurückgehalten, sondern darüber hinaus auch Spurenstoffe wie Arzneimittel-, Pestizid- oder Industriechemikalienrückstände“, erklärte Erftverbandsvorstand Engelhardt.

Im Rahmen von zwei Forschungsprojekten hatte der Erftverband Retentionsbodenfilter im halbtechnischen Maßstab untersucht und dabei nachgewiesen, dass das Beimischen von Aktivkohle die Spurenstoffelimination auf mehr als 80 Prozent steigert. Der Erftverband setzt dieses Verfahren mit dem Retentionsbodenfilter Rheinbach nun großtechnisch um, indem der verbesserte Bodenfilter bei Trockenwetter als nachgeschaltete vierte Reinigungsstufe für die Kläranlage genutzt wird. Anders als bei technischen Aktivkohlefiltern beruht die Reinigungsleistung von Retentionsbodenfiltern auf mikrobiologischen Vorgängen, die sich in der Bodenzone abspielen.

Die Spurenstoffe werden zunächst an der Aktivkohle festgehalten und so aus dem Abwasser entfernt. Langfristig werden sie biologisch abgebaut, sodass sich die Aktivkohle langsamer als in technischen Filtern erschöpft und sich teilweise sogar biologisch regeneriert. Die Arbeiten, die im Februar begonnen haben, dauern voraussichtlich bis Dezember und kosten rund 3,6 Millionen Euro. Für den Bau der Anlage und die begleitende Forschung erhält der Erftverband vom Land eine Förderung von mehr als 60 Prozent. Zum Abschluss der Arbeiten wird das Becken mit Schilf bepflanzt. Nach der Anwuchsphase ist das Filterbecken voraussichtlich im Sommer 2019 betriebsbereit.