Deutsch-französische Beziehungen

Rheinbacher Friedenspartnerschaft verzögert sich

Rheinbach/Douaumont. Für die Unterzeichnung der Friedenspatenschaft am Donnerstag in Douaumont bei Verdun fehlt noch die ministerielle Genehmigung. Der Ort wurde bei der Schlacht von Verdun im ersten Weltkrieg vollständig zerstört.

Das Datum ist mit größter, zugleich symbolkräftiger Bedachtheit gewählt: Für Donnerstag, 21. Februar, hatten die Vertreter der Stadt Rheinbach und der französischen Gemeinde Douaumont bei Verdun die Unterzeichnung ihrer „Partnerschaft des Friedens“ terminiert. Am 21. Februar 1916 begann die Schlacht von Verdun. In dem Gemetzel zwischen französischen und deutschen Soldaten während des Ersten Weltkriegs starben in den zehn Monaten bis Dezember 1916 auf beiden Seiten der Front rund 350 000 Menschen. Aber: Der Abschluss der Friedenspartnerschaft in Douaumont ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund: Die Zustimmung von Jacqueline Gourault, französische Ministerin für den territorialen Zusammenhalt, steht noch aus.

Der Grund für die Absage der Unterzeichnung liegt nach GA-Informationen nicht darin begründet, dass die zuständige Ministerin mögliche Bedenken gegen die Partnerschaft beider Kommunen geäußert hat. „Es handelt sich lediglich um ein zeitliches Problem“, erklärte Norbert Sauren, Pressesprecher der Stadt Rheinbach, auf Anfrage des General-Anzeigers. Gourault sei derzeit oft an der Seite von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Land unterwegs, um die Wogen der Protestaktionen der Gelbwesten zu glätten, berichtet Sauren.

Zeit der Verzögerung soll sinnvoll genutzt werden

Hintergrund: Alleine am Wochenende gingen landesweit etwa 10 000 Menschen auf die Straße, um gegen die Politik des französischen Präsidenten zu protestieren. Seit fast auf den Tag genau drei Monaten treffen sich die Gelbwesten in vielen Städten Frankreichs. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Entzündet hatte sich die Wut ursprünglich an der Ankündigung des Regierungschefs, die Steuern auf Treibstoff zu erhöhen. Mittlerweile, nach der angekündigten Rücknahme der geplanten Steuererhöhung, werfen die Demonstranten Macron eine Politik für die Reichen vor.

Die Zeit der Verzögerung wollen die deutschen und französischen Vertragspartner aber nicht ungenutzt verstreichen lassen. Am Dienstag, 5. März, ist eine Delegation um Olivier Gérard, Bürgermeister der Gemeinde Douaumont, und Bürgermeister Armand Falque aus dem benachbarten Vaux-devant-Damploup, in Rheinbach zu Gast, um sich mit dem rheinischen Brauchtum vertraut zu machen und den Veilchendienstagszug zu besuchen. Einen Tag später ist, wie Sauren berichtet, dann ein offizieller Austausch der drei Bürgermeister im Rathaus vorgesehen.

Im November hatten die Gemeinderäte von Douaumont und Vaux-devant-Damloup, die sich 2019 zu einer Gemeinde zusammenschließen werden, grünes Licht für die „Partnerschaft des Friedens“ zwischen den drei Kommunen gegeben. Im Dezember votierte auch der Rheinbacher Rat ohne Gegenstimmen für das Vorhaben. Die Friedenspartnerschaft kommt auf Anregung von Philipp Lerch von der Konrad-Adenauer-Stiftung zustande. Lerch, der in Wachtberg lebt, ist Leiter der Kommunalakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in Douaumont und Verdun politische Bildung und Forschungsprojekte umsetzt. Die VHS Voreifel etwa unternimmt regelmäßig Exkursionen nach Verdun und zum Gebeinhaus von Douaumont, in dem die Überreste von 130 000 nicht identifizierten, französischen und deutschen Opfern des Ersten Weltkrieges bestattet sind. Direktor dieser Gedenkstätte ist Bürgermeister Olivier Gérard. Weltbekannt wurde Douaumont am 22. September 1984. Damals standen der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl bei einer Kranzniederlegung vor dem Gebeinhaus. Einer spontanen Eingebung folgend, reichte Mitterrand Kohl während des stillen Gedenkens die Hand, und beide Regierungschefs standen händehaltend am Ort des Gedenkens.

Schwerpunkt bei Schülern

Schwerpunkt der Partnerschaft soll aus Rheinbacher Sicht sein, Schüler aus Rheinbach vor Ort über die dramatischen Folgen des Ersten Weltkrieges mit mehr als 17 Millionen Toten zu unterrichten. „Die schweren Zeiten der Soldaten, ihrer Familien und der Zivilbevölkerung dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, so Bürgermeister Stefan Raetz. Seit fünf bis sechs Jahren, so Raetz, gibt es jährlich mehrere Begegnungen insbesondere von Jugendlichen beider Seiten. Des Öfteren habe er bei solchen Fahrten erlebt, dass die jungen Leute sich auf der Hinfahrt noch unbekümmert unterhielten, während sie sich auf der Rückfahrt erkennbar stiller verhielten.