Chemie mit Leidenschaft

Mai Thi Nguyen-Kim liest in Rheinbach vor 300 Besuchern

Zu Gast auf dem Sofa der Hochschule: Mai Thi Nguyen-Kim.

Zu Gast auf dem Sofa der Hochschule: Mai Thi Nguyen-Kim.

Rheinbach. Komplexe chemische Themen leicht erklärt: Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim hat an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach aus ihrem Buch „Komisch, alles chemisch“ gelesen.

Die stets hochkarätig besetzten Lesungen der Reihe „Zu Gast auf dem Sofa“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sind grundsätzlich ein Publikumsmagnet. Doch der Besucherandrang bei der Veranstaltung mit der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim am Dienstagabend übertraf alles: Mehr als 300 Zuhörer waren am Campus Rheinbach erschienen und lauschten gebannt den erfrischenden Ausführungen der jungen, promovierten Wissenschaftlerin, die mit voller Leidenschaft Lust auf Chemie machte.

Sie hatte ihr Anfang des Monats erschienenes Buch „Komisch, alles chemisch“ mitgebracht. Polymere und Tenside, Oxidation und Polysaccharide – während einige Zuhörer ihr ratloses Stirnrunzeln nicht verbergen konnten, jonglierte Nguyen-Kim mit Fachjargon und veranschaulichte mit lebensnahen Erläuterungen komplexe chemische Phänomene.

„Im Buch kommen viele Dinge vor, die ihr auch aus dem Chemieunterricht kennt – aber ihr werdet es nicht merken“, freute sich Nguyen-Kim, auch überzeugten Skeptikern die Hemmungen zu nehmen. „Ein Tropfen Kaffee in ein Glas Wasser – hurra, dann gibt es eine coole Teilchenparty“, begeisterte sich die 31-Jährige.

Auf Youtube als "maiLab" unterwegs

Auf ihrem Youtube-Kanal „maiLab“ widmet sie sich wöchentlich der verständlichen Aufarbeitung wissenschaftlicher Fragen, die aus aller Welt an sie herangetragen werden. Außerdem ist sie beim WDR-Wissensmagazin „Quarks“ als Nachfolgerin von Moderator Ranga Yogeshwar zu sehen.

In ihrer „erst zweiten Lesung meines Lebens“ erklärte die gebürtige Heppenheimerin mit vietnamesischen Wurzeln den Zuschauern mit Humor, warum heißer Kaffee den Becher wärmt und wie der menschliche Körper auf die tonnenschwere Last des Atmosphärendrucks reagiert.

Den roten Faden ihres Buchs bildet ein durch die chemische Brille betrachteter Tag aus ihrem Leben. In lockerem Sprachstil zeigt sie auf mehr als 200 Seiten, wie die Chemie den Alltag beeinflusst. Außerdem wettert sie sarkastisch über Vorurteile gegen die Naturwissenschaften. „In der Chemie braucht ihr einen kritischen Blick auf die eigene Meinung und die Bereitschaft zum Umdenken, wenn Fakten anderes belegen“, sagte Nguyen-Kim. Das nütze einem in allen Lebensbereichen, denn „Chemie ist alles und überall.“

Nguyen-Kim: Mizellen sind nur Seife

Auch appellierte sie, sich von der Werbung nichts vormachen zu lassen: „Mizellen, die momentan als grandioses Mittel zur Hautreinigung angepriesen werden, sind nichts anderes als Seife und das hochgelobte Smart-Wasser ist destilliertes Wasser, dem nachträglich wieder Salze zugefügt wurden“, erklärte die Wissenschaftsjournalistin.

Als krönenden Abschluss ihrer kurzweiligen Lesung griff sie zur Ukulele und sang mit ihrer eigenen Fassung von Ben E. Kings „Stand by me“ eine Liebeserklärung an die Chemie.