Träger des ersten Rheinbacher Krimipreises

Interview mit Peter James zur Rheinbacher Krimiwoche

Bestsellerautor Peter James ist am Mittwoch im Sankt-Joseph-Gymnasium zu Gast.

Bestsellerautor Peter James ist am Mittwoch im Sankt-Joseph-Gymnasium zu Gast.

RHEINBACH. Der Brite Peter James wird an diesem Mittwoch zum Auftakt der ersten Rheinbacher Krimiwoche ausgezeichnet. Der Thrillerautor hat 18 Millionen Bücher verkauft, Drehbücher geschrieben und Filme mit Stars produziert.

Schön, dass Sie persönlich nach Rheinbach kommen. Sie hätten sich den Preis auch zuschicken lassen können...

Peter James: Das ist wahr. Aber ich denke mir immer, dass es eine große Ehre darstellt, eine Auszeichnung zu bekommen. Darum sollte man so respektvoll sein und sich bemühen, dorthin zu kommen und den Preis aus der Hand der Menschen in Empfang zu nehmen, die ihn zugesprochen haben. Und für mich ist es im besonderen Maße aufregend, einen Preis im Ausland zugesprochen zu bekommen.

Der Glasdolch ist ein eher ungewöhnliches Mordinstrument. Nach Ungewöhnlichem sucht doch jeder Schriftsteller?

James: Ja. Ich denke, der Glasdolch eignet sich gut als Modell für einen Dolch aus Eis. Und wenn der schmilzt, sind keine Spuren an der Mordwaffe zu finden. Sie merken schon: Der Preis inspiriert meine Sinne.

Die beiden Lehrer der Rheinbacher Glasfachschule, die das gute Stück hergestellt haben, sagen: Der Glasdolch sei stabil genug, um mit ihm zu morden...

James: Ich mag die Idee. Wir sollten es einmal ausprobieren und schauen, ob er tatsächlich stabil bleibt. Wenn er bricht, wenn ich damit jemanden um die Ecke bringe, werden sie mir bestimmt einen neuen machen können (lacht).

Die beiden sind sicher, dass er nicht brechen wird...

James: Ich werde es an einem Opfer ausprobieren müssen. Aber: Wenn die sagen, dass es funktioniert...

Überhaupt werden Sie in Rheinbach einige Inspiration für skurrile Geschichten finden: So gibt es ein über 100 Jahre altes Gefängnis und einen Hexenturm.

James: Tatsächlich?

In dem Turm waren im 17. Jahrhundert Frauen eingesperrt, ehe sie zum Tode durch das Feuer verurteilt wurden.

James: Wow. Das ist umwerfend. Ist dort heute ein Museum untergebracht? Ich denke, ich werde versuchen, mir diesen Hexenturm anzusehen.

Der Hexenturm ist ein Ort, an dem Lesungen stattfinden und Schulklassen Geschichte präsentiert wird. Das Mittelalter ist hier mit Händen zu greifen. Vielleicht könnten Sie aus dieser Inspiration ein neues „Game of Thrones“ kreieren.

James: Das wäre eine wirklich coole Idee. Von vielen meiner Reisen nach Deutschland kam ich mit ein paar tollen Ideen zurück. Ich genieße es immer, nach Deutschland zu kommen. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, und ich mag das deutsche Essen – und das deutsche Bier.

Ihre Bücher erzeugen ein unglaubliches Kopfkino. Man hat den Eindruck, Sie schreiben aus der Sicht eines Filmemachers, der sogar auf die richtige Lichtstimmung achtet.

James: Ja. Ich denke, das hat etwas mit meinem Hintergrund als Drehbuchautor und Filmproduzent zu tun. Es gehört zur Aufgabe eines Schriftstellers, seine Leser zu einem Teil der Handlung werden zu lassen. Deswegen lege ich sehr viel Wert darauf, Orte genau zu beschreiben. Ich möchte den Leser in diese Atmosphäre hineinziehen. So ist er mittendrin.

So wie beim jungen Mann aus „Stirb ewig“, der nach seinem Junggesellenabschied in einen Sarg eingeschlossen ist.

James: Genau. Es war einer der angstvollsten Momente meines Lebens, als ich wissen wollte, wie es sich anfühlt, in einem Sarg eingesperrt zu sein. Ich fragte bei einem örtlichen Bestatter, ob sie mir erlauben, 30 Minuten in einem Sarg zu liegen. Es war ein Familienunternehmen, und morgens um 10 Uhr war niemand anzutreffen – mit Ausnahme des 88 Jahre alten Großvaters. Und der sagte: Ich vergaß, dass Sie kommen wollten. Möchten Sie noch in den Sarg? Tja, ich möchte mich gefangen fühlen. Ich habe einen Gerichtsmediziner gefragt, wie lange man im Sarg Luft hat: Drei bis vier Stunden, falls man nicht in Panik gerät und hyperventiliert. Das reduziert den Sauerstoff auf weniger als 40 Minuten. Ich hörte, wie der Bestatter die Schrauben festdrehte und dachte: Was geschieht, wenn er über die Straße geht, um sich einen Kaffee zu holen, und wird vom Auto angefahren? Diese 30 Minuten erlebte ich in absoluter Panik.

Als Filmproduzent haben Sie mit großen Schauspielern gearbeitet, darunter Robert de Niro, Sharon Stone, Peter Sellers oder Al Pacino. Wie ist es, mit solchen Ausnahmekünstlern zusammenzuarbeiten?

James: Mit Al Pacino lässt es sich hervorragend arbeiten, er ist sehr charmant. Sharon Stone hat einen großartigen Sinn für Humor, aber sie toleriert keine Verrückten. De Niro ist sehr vornehm und Peter Sellers vollkommen neurotisch. Ich habe einen Film mit ihm gemacht und danach drehten wir eine Zigarettenwerbung, 1974 auf Zypern. Er erhielt 100 000 Pfund für einen Tag Arbeit.

Nicht schlecht.

James: Kann man so sagen. Der Regisseur sagte: Peter, ein paar Leute überfallen ein Lagerhaus. Bitte stell dich vor das Gebäude und schau nervös – wie die Zigarette. Und Peter Sellers sagte: Es tut mir leid. Ich habe mich entschieden, nicht zu rauchen. Schauspieler können sehr schwierig sein. Das Problem beim Filmemachen ist, dass du mit mindestens 20 unterschiedlichen Egos agieren musst. Du hast den Produzenten, den Regisseur, den Komponisten, und alle sagen: Entschuldigung, es ist mein Film, Darling.

Meisterhaft verstehen Sie die Kunst der dramatischen Wendung. Etwa, wenn wir in „Stirb ewig“ Zeuge werden, wie der junge Mann im Sarg eingesperrt ist, dieser aber 150 Seiten später verlassen ist. Entstehen die Wendungen während des Schreibens oder entwerfen Sie vor dem Schreiben ein Drehbuch?

James: Es ist tatsächlich eine Mischung. Für mich ist es wichtig, die ersten 20 Prozent des Buches zu kennen und den Schluss. Aber ich mag auch Spontanität. Ich sage mir: Wenn ich als Autor mich nicht selbst überraschen kann, kann ich meine Leser nicht überraschen. Ich habe eine Struktur im Kopf, aber beispielsweise nach einem großen Wodka-Martini habe ich eine neue Idee in meinem Kopf, die zehn Sekunden vorher da noch nicht war.

Sie beschreiben die Polizeiarbeit sehr präzise – aus Interesse oder aus Lust am Erzählen?

James: Nein. Ich hatte nie vor, Polizist zu werden. Nach einem Umzug klingelte ein Nachbar an der Tür, der Polizist war. Er lud uns zu einem Grillfest ein, auf dem 20 Menschen waren, allesamt Polizisten. Wir kamen ins Gespräch und ich fand es faszinierend. Als Autor möchte ich über das menschliche Leben und die Welt, in der wir leben, schreiben. Und je häufiger ich mit Polizisten sprach, realisierte ich, dass niemand mehr über das menschliche Leben weiß. Ich möchte wissen, wie Opfer zu Opfern werden und Kriminelle zu Kriminellen. Ich möchte ferner zeigen, wie stark Polizisten sein müssen. Und nicht zuletzt mag ich deren Humor. Alle, die mit Notfällen zu tun haben, haben einen gewissen Galgenhumor.

Lesung und Verleihung des Rheinbacher Glasdolchs an Peter James, Mittwoch, 18. Oktober, ab 19 Uhr im Sankt-Joseph-Gymnasium, Stadtpark 31. Eintritt: zehn Euro.