Duo "Schein & Sein"

Erlesene Literatur im Takt

Engelbert Decker rezitiert Wilhelm Busch und Gero Meißner sorgt am Flügel für die musikalische Unterstützung.

Engelbert Decker rezitiert Wilhelm Busch und Gero Meißner sorgt am Flügel für die musikalische Unterstützung.

RHEINBACH. "Die fromme Helene" von Wilhelm Busch stand auf dem Index. "Das durften wir auf dem katholischen Internat gar nicht lesen", erinnert sich der Rheinbacher Buchhändler Andreas John schmunzelnd.

Sicher hat er die Lektüre inzwischen nachgeholt und könnte auch in jedem Quiz dieses geflügelte Wort dem herrlichen Spätwerk Buschs zuordnen: "Wer Sorgen hat, hat auch Likör." Oder dieses: "Das Gute, und dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt."

Andreas John weiß, dass dieses und viele weitere geflügelte Worte wie "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr" von Wilhelm Busch stammen. Ebenso die vielen Besucher der Veranstaltung "Literatur im Takt" im Rahmen der "Kultur im Hof".

Das Duo "Schein & Sein" mit Engelbert Decker und Gero Meißner sorgte am Dienstag mit Rezitationen und Chansons für einen unterhaltsamen Open-Air-Abend. Obwohl der Sommer eine Pause eingelegt hatte und die Besucher in warmen Socken und dicken Jacken auch schon mal einen Kaffee oder Tee zum Aufwärmen orderten.

Warme Hände hatten sie auf jeden Fall, denn sie bedachten Rezitationen ebenso wie Chansons mit sehr viel Applaus. Decker und Meißner erwiesen sich auch bei Wilhelm Busch wieder als Garanten für erlesene "Literatur im Takt", nach Veranstaltungen im Hof zu Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Eugen Roth, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier. Das gelang ihnen nicht zuletzt durch den gut ausgewählten Querschnitt aus dem Werk dieser "Jahrhundertbegabung Busch", dieses "Querkopfs aus der niedersächsischen Provinz", so Decker.

Als ältestes von sieben Kindern seiner Eltern, wurde er im Kindesalter samt "Pferd Lottchen und schwerem Klavier", erzählt Decker, zum Bruder der Mutter, einem Pfarrer, zur Erziehung geschickt. Dort lernte er auch den Müllerssohn Erich Bachmann kennen.

Diese Freundschaft zwischen den beiden Jungen, die ein Leben lang hielt, bildete später die Grundlage für die Bildergeschichte von "Max und Moritz - Eine Bubengeschichte in sieben Streichen".

Auch aus diesen Geschichten sind Verse in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen, wie: "Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich." Diese Geschichte machte Busch weltberühmt, so Decker. Für ihn war der begabte Zeichner und Karikaturist übrigens der "Vater der japanischen Mangas".