Lesung in Rheinbach

23 mörderisch gute Geschichten

Zu den Abgründen des Rheinlands haben sich die Krimiautoren um den Verleger Winrich C-W. Clasen (auf dem roten Sessel) literarisch ausgetobt. Am Mittwoch waren sie zu Gast in der Buchhandlung Kayser.

Zu den Abgründen des Rheinlands haben sich die Krimiautoren um den Verleger Winrich C-W. Clasen (auf dem roten Sessel) literarisch ausgetobt. Am Mittwoch waren sie zu Gast in der Buchhandlung Kayser.

Rheinbach. „Zwischen Godorf und Gomorrha“: Krimierzählungen aus Kirche und Unterwelt im Rheinland hat die Herausgeberin Gitta Edelmann zusammengetragen. Sie spielen in Bonn, Köln oder in Rheinbach. Bei einer Lesung mit einigen der beteiligten Krimi-Autoren in der Buchhandlung Kayser konnten die Zuhörer schon einmal in das Buch schnuppern.

Spannend, abgründig, ironisch und pointenreich erzählt sind die Kriminalstorys in dem Band „Zwischen Godorf und Gomorrha“, den der Rheinbacher Verleger Winrich C.-W. Clasen am Donnerstag in der Buchhandlung Kayser vorstellte. „23 mörderische Geschichten aus Kirche und Unterwelt“ hat die Herausgeberin Gitta Edelmann zusammengetragen. Sie spielen in Bonn, Köln oder in Rheinbach. Thematische Klammer bilden die zehn Gebote, die sieben Todsünden und die vier Hochfeste des Christentums, wie der Klappentext verheißt. Und nicht zu vergessen das elfte Gebot: „Du sollst dich nicht erwischen lassen.“

Drei Autoren lasen daraus in der Buchhandlung Kayser vor und zogen die Zuhörer in dem überfüllten Buchladen in ihren Bann. Heidi Möhker, in Düsseldorf geborene Rheinbacherin, machte den Anfang mit „Das Original“. Darin leben „die ungleichen Zwillinge“ Lena und Marlene in kindlicher Harmonie, bis die Eine die Verschmelzungsversuche der Anderen nicht mehr aushält und sie in einem zugefrorenen Teich ersäuft. Kain und Abel sind hier weiblich. Gespickt mit vielen Rheinbacher Details verschachtelt Heidi Möhker den Alptraum der ertrinkenden Magdalena mit Erinnerungen der in bürgerlichem Familienmilieu überlebenden Lena.

Auf andere Weise kriminell geht es in Klaus Stickelbroecks „Ein faules Ei für Hartmann“ zu. Der Düsseldorfer Autor und Kriminalbeamte setzt seinen Privatdetektiv Hartmann auf die Spur eines verschwundenen, 620 000 Euro teuren russischen Jade-Eis aus dem 15. Jahrhundert. Der zwielichtige Auftraggeber, den Hartmann am Bonner Münsterplatz trifft, ist ihm nicht ganz geheuer.

Zu recht, denn bei der gefährlichen Wiederbeschaffung stellt sich heraus, dass das Ei mit Kokain gefüllt ist. Klaus Stickelbroeck hat seine Story mit vielen Details und noch mehr Milieukenntnis gespickt und gestikulierte lebhaft beim Lesen.

Ähnlich Alexa Thiesmeyer. Ihre mit schwarzem Humor abgedunkelte Weihnachtsgeschichte „Félines Festvorbereitung“ spielt ebenfalls in Bonn. Féline sehnt sich nach ruhigen Weihnachtstagen. Doch dem stehen eine nörgelnde Schwiegermutter, eine unangenehm duftende Tante, eine schwerhörige Oma und ein sabbernder Großonkel im Wege. Féline beschafft sich einen schweren Eichenbalken, tarnt diesen mit Weihnachtsschmuck und bringt ihn so in der Wohnung an, dass sie ihn auf die eintreffende Verwandtschaft herabkrachen lassen kann. Diese landet im Krankenhaus und Féline hat ihre Ruhe.

Auf die Lesung folgte eine Fragerunde mit zwölf der Buchautoren, darunter drei Polizisten. Ihre Themen bezögen sie aus dem Alltag, aus Beobachtungen oder auch Träumen, erzählten sie. Er müsse bei Fernsehkrimis oft schmunzeln, sagte der Kölner Kripobeamte und Autor Andreas Schnurbusch. Klaus Stickelbroeck benutzt seinen Privatdetektiv Hartmann, um die oft schreibtisch-lastige Ermittlungsarbeit über dessen „realistischere Wahrnehmung“ zu veranschaulichen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes achte er stets strikt darauf, dass sich niemand aus wirklichen Fällen wiedererkennen könne. Auf die Frage, ob die Donna-Leon-Episoden im Fernsehen wirklichkeitsnah seien, antwortete er: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“. Nur Büroräume in einer venezianischen Villa seien selten, fügte Schnurbusch hinzu.

Gitta Edelmann (Hg) „Zwischen Godorf und Gomorrha“, cmz-Verlag 2016, ISBN 978-3-87062-176-6, 12,95 Euro.