Meckenheimer Buchhändlerin und Theaterfan

Nicole Jünger bringt "Rapunzelgrab" auf die Bühne

Meckenheim. Die Meckenheimer Buchhändlerin Nicole Jünger hat die Bühnenfassung für Judith Merchants Regionalkrimi „Rapunzelgrab“ geschrieben. Am 19. März ist das Stück im Rheinbacher Stadttheater zu sehen.

Die Leidenschaft, mit der Nicole Jünger von ihrer Tätigkeit für das Kleine Theater Bonn erzählt, verrät, mit welcher Begeisterung sie bei der Sache ist. Auch wenn die Inhaberin des Meckenheimer „Buchladen am Neuen Markt“ voller Tatendrang hinter der Theke ihres Geschäfts steht und mit Hingabe ihre Kunden berät, empfindet sie gerade die Arbeiten rund um das Schauspiel als perfekte Ergänzung.

Mit ihrer Bühnenfassung hat sie dem Buch „Rapunzelgrab“ aus der Feder der Bonner Autorin Judith Merchant den Sprung auf das Theaterparkett ermöglicht. Am kommenden Dienstag ist der Regionalkrimi, in dem der Rheinbacher Hexenturm zum Tatort wird, nach dem Gastspiel in Neuwied und Bonn im Rheinbacher Stadttheater zu sehen.

„Der Kontakt zu Walter Ullrich und dem Kleinen Theater Bonn besteht seit fast 30 Jahren“, stellt Jünger fest und berichtet, dass sie dort vielfältige Aufgaben übernommen habe. „Einmal habe ich sogar Gipsarme und -beine angefertigt. Als gelernte Krankenschwester war das damals mein Spezialgebiet“, erinnert sie sich lachend: Die deutsche Eiskunstlauflegende der 1950/60er Jahre, Hans-Jürgen Bäumler, arbeitete nach dem Ende seiner Sportlerkarriere als Schauspieler und benötigte das passende Outfit als Unfallopfer auf der Bonner Bühne.

Alles begann im Deutsch-Leistungskurs

Darüber hinaus fertigt Jünger Vorübersetzungen von englischsprachigen Werken an und schreibt Bühnenfassungen. „Eigentlich begann alles im Deutsch-Leistungskurs“, sagt die ehemalige Schülerin des Meckenheimer Konrad-Adenauer-Gymnasiums. Nachdem der Kurs in der Schule Goethes Faust gelesen hatte, besuchten die Schüler die Aufführung des Klassikers in Bonn. „Die Schauspieler habe ich dann ausgefragt, warum so vieles anders war als das, was wir gelesen haben und wieso so viele Handlungsstränge auf der Bühne nicht zu sehen waren“, erzählt Jünger.

Heute weiß sie, dass Buch und Bühne andere Welten darstellen. „Das ist nicht immer einfach, vor allem für den Autor“, sagt die in Wachtberg aufgewachsene Buchhändlerin, die die professionelle Haltung Merchants gegenüber der Bearbeitung ihres Krimis „Rapunzelgrab“ zu schätzen weiß. „Ich habe schon einiges geändert“, verrät Jünger und nennt die Figur der Literaturkreisleiterin, Ruth Grosche, die nun deutlich konservativer auftritt.

Sie selbst sei da ein deutlich schwierigerer Kandidat, räumt Jünger ein: „Der Regisseur hat schließlich das letzte Wort und wenn er meinen Text ändert, habe ich ein echtes Problem und weine um jeden Satz“, gesteht die 45-Jährige und ertappt sich dabei, dass sie die Reaktionen des Publikums genau beobachtet, um zu erkennen, ob sie ihre Texte so aufnehmen, wie erwartet.

Jünger durfte Schauspieler mit auswählen

„Toll war, dass ich bei der Auswahl der Schauspieler Mitspracherecht hatte“, erklärt sie. Doch auch hier musste sie sich der Entscheidung des Regisseurs beugen. „Für die Figur Benedikt Völlers hatte ich einen bestimmten Schauspieler im Kopf, der Regisseur entschied sich aber dagegen. Als Alexander Hanfland dann plötzlich in der Tür stand, wusste ich sofort, dass es gut war, den Mund gehalten zu haben, denn genau er war der absolut Richtige“, sagt sie anerkennend.

Dass die künstlerische Freiheit sich bei Entscheidungen oft dem Pragmatismus unterwerfen muss, bedauert sie. „Ich kämpfe um jede Romanfigur, weiß aber auch, dass Schauspieler teuer sind und das Ganze finanziell tragbar sein muss. Lediglich acht Akteure haben es auf die Bühne geschafft; rund ein Drittel musste weichen.

Dabei sei immer zu bedenken, dass die Handlung verständlich sein muss, weil man nicht voraussetzen könne, dass der Zuschauer das Buch kennt. „Die Fassung vom Rapunzelgrab hat sich aber ganz leicht ergeben, weil die Schönheit der Komposition und die Struktur schnell begreifbar waren“, gerät Jünger über den humorvollen und mit reichlich Lokalkolorit gefärbten Schmöker ins Schwärmen. Die einzelnen Szenen ließen sich gut miteinander verbinden und wie ein Puzzle zusammenführen.

„Nicht jedes Buch ist für ein Schauspiel geeignet“, betont Jünger, die in ihrem Geschäft das Ohr am Puls der Zeit hat und sieht, was den Lesern gefällt. „Wenn ich aber merke, dass in einem Buch so viel drinsteckt, dann gönne ich es ihm von Herzen, dass es auf die Bühne kommt“, begeistert sich Jünger. Hin und wieder rufe sie sogar bei einer Autorin an und sei erst beruhigt, wenn sie erfahre, dass ein Drehbuch in Arbeit sei, gesteht Jünger.

Das Gastspiel in Rheinbach beginnt am Dienstag, 19. März, um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) im Rheinbacher Stadttheater, Königsberger Straße 29. Tickets gibt es im Museumsshop des Glasmuseums Rheinbach, Himmeroder Wall 6, 02 22 69 17 -5 02, in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers und auf www.bonnticket.de.