Die Obere Mühle wurde früher oft überfallen

Der Wüterich kam sechs Mal

Premiere in der Oberen Mühle: Erstmals läuft die restaurierte Technik bei einem Mühlentag.

Premiere in der Oberen Mühle: Erstmals läuft die restaurierte Technik bei einem Mühlentag.

Meckenheim. Die Besucher erfahren viel über die Geschichte des Bauwerks in Meckenheim.

"Die Mühle klappert", stellte Christian Westphal vom Verein Pro Obere Mühle Meckenheim freudig fest. Angetrieben von einem Elektromotor setzte sich das Zahnräderwerk im Keller am Pfingstmontag erstmals wieder leise ratternd in Bewegung.

Zusammen mit einem guten Dutzend anderer Vereinsfreunde in blau gestreiften Müllerhemden konnte Westphal beim Mühlentag die restaurierte Technik und das Haus den Besuchern zeigen.

Die Fenster sind frisch grün gestrichen, auf dem Holzfußboden glänzen neue Planken, die Geländer an den schmalen Stiegen zu den drei Stockwerken sind neu und glatt poliert. Die Stadt wird noch Wasser- und Abwasseranschlüsse verlegen, und die Eingangstür muss stilgerecht erneuert werden. "Zuversicht, Tatkraft und Geduld" steht auf den drei Säcken, die eine Eselfigur vor dem Fachwerkgebäude auf dem Rücken trägt.

Und die hat der Verein in den vergangenen Jahren an den Tag gelegt. Nachdem der Landschaftsverband Rheinland 1997 festgestellt hatte, dass Gebäude und technische Einrichtung eine Denkmaleinheit bilden, ließ die Stadt ihr Vorhaben fallen, das alte Gemäuer abzureißen. Es war nach einem Brand 1911 wieder aufgebaut worden und hatte zeitweise als Obdachlosenunterkunft gedient.

2003 gründete sich der Verein, der nach den Worten von Dagmar Mettendorf 63 Mitglieder hat. Der Meckenheimer Rat beschloss die Grundsicherung der Gebäude, auf deren Grundmauer sich die Jahreszahl 1667 findet. Rund 350.000 Euro kosteten die Arbeiten an der Mühle insgesamt.

50.000 Euro für die Technik bezahlte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Weitere 100.000 Euro kamen von der NRW-Stiftung, die zudem jede private Spende bis zu einem Maximalbetrag von 40 000 Euro verdoppelte. 5000 Euro kamen vom Heimatverein  Meckenheim.

Im 17. Jahrhundert hatte das Bonner Cassiusstift die Mühle an die Herren der Tomburg verpachtet, doch es gab Streit mit den Junkern von Meckenheim um die Wasserrechte. Überhaupt waren die Tomburger nicht zimperlich.

Friedrich der Wüterich soll die Mühle sechsmal überfallen haben, erzählte Stefan Möller bei einer Führung. Ab 1830 herrschte Gewerbefreiheit für die wechselnden Müller. Möller erläuterte auch die Technik mit Förderschnecke,  Aspirateur und Trieur zur Trennung von Körnern und Fremdkörpern.

Die Produktion von Weizenmehl wurde nach Kriegsende aufgegeben, weil man die differenzierten Mahlstufen nicht einhalten konnte. Bis 1972 wurden Roggen- und Gerstenschrot für Schwarzbrot und andere Brotmischungen gemahlen. Außerdem wurden Suppengerste und Haferflocken erzeugt. Grafische Darstellungen in der Mühle erläutern die vielen Arbeitsschritte.

Zu den jüngsten Gästen gehörte der dreijährige Jores. Er war bereits vergangenes Jahr dabei. Auch die fünfjährige Nele stieg mit ihrem Vater die engen Stufen hinauf und winkte von oben aus dem Fenster.

Unten fanden sich immer mehr Besucher ein, die von den Vereinsmitgliedern mit Kaffee und Kuchen bewirtet und unter anderem von der für Geschichte zuständigen Irene Krüger mit Informationen versorgt wurden. Meckenheims Blütenkönigin Anna Mahnig eröffnete den Mühlentag. Für die Studentin der Agrarwissenschaften gehört das Klappern der Mühle fast zum Fach.