Leinpfad in Bornheim

Viele ignorieren Sperrung des Rheinufers

Die Absperrungen am Leinpfad in Höhe von Widdig und Hersel sollten, so (v.l.) Bernd Marx, Ortsvorsteher von Uedorf, und Konrad Velten, Ortsvorsteher von Widdig, durch andere ersetzt werden.

BORNHEIM. Immer mehr Spaziergänger, Jogger und Radfahrer missachten das Ende November verhängte Durchgangs- und Durchfahrtsverbot am Leinpfad zwischen Widdig und Hersel.

Wie mehrfach berichtet, ist das Rheinufer zwischen Hersel und Widdig instabil und die Böschung in Bewegung - erkennbar an Rissen im Asphalt und Abrutschungen. Aus Sicherheitsgründen hatte die Stadt Bornheim deshalb unter anderem auf Höhe des Lokals "Rheinterrassen" in Widdig Absperrgitter aufstellen lassen.

Doch Unbekannte haben diese Gitter kurz nach Weihnachten beiseite geschoben und so den beliebten Spazierweg für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Und die Spaziergänger und Sportler machen reichlich Gebrauch davon, sei es aus Unwissenheit über den Zustand der Rheinuferböschung oder eben auch, weil sie das Verbot der Stadt nicht akzeptieren.

So auch die Urfelder Joggerin Margit Biermann (46): "Ich laufe definitiv um die Absperrungen herum. Ich verstehe nicht, was das Ganze soll. Hier unten auf dem Leinpfad fühle ich mich sicherer als oben auf dem Rheinuferweg." Eine Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen sehen auch die beiden Ortsvorsteher Bernd Marx (50) aus Uedorf und Konrad Velten (70) aus Widdig. "Die Interessen der Bürger sind mit Füßen getreten worden", ärgert sich Bernd Marx.

"An den schönen Tagen um den Jahreswechsel habe ich hier in kürzester Zeit mehr als 50 Spaziergänger beobachtet, die trotz der Verbotsschilder ihren Spaziergang auf dem Leinpfad fortgesetzt haben. Das zeigt doch, dass die Maßnahmen der Stadt bei den Bürgern nicht auf fruchtbaren Boden stoßen", stellt Velten fest. "Wir müssen die Bürger mitnehmen, sonst haben wir am Ende Zustände wie auf der Königstraße in Bornheim."

Marx und Velten kritisieren vor allem die Vorgehensweise der Stadt. Beide sind darüber empört, dass die Stadt die Interessen der Anwohner nicht schon im Vorfeld mit einbezogen hat. "Normalerweise werden die Bürger erst angehört und dann Maßnahmen umgesetzt. In diesem Fall war es aber genau umgekehrt", ärgert sich Marx.

So hatte die Stadt bereits vor dem Bürgertreffen am 9. Dezember in der Herseler Rheinhalle erste Voll- und Teilsperrungen vorgenommen. Dazu Velten: "Die Verwaltung will sich doch nur schadlos halten. Hier muss ein Kompromiss her, mit dem alle Beteiligten leben können." Beide Ortsvorsteher fordern deshalb, die errichteten Absperrungen am Leinpfad in Höhe Widdig und Hersel umgehend zu entfernen und durch Maßnahmen zu ersetzen, die die Stadt nicht vor haftungsrechtliche Probleme stellt.

Gleiches gilt für die abgesperrten Abgänge zum Rheinufer. Alternativ sollen große Schilder auf die Gefahrenlage hinweisen. "Gerade Radtouristen ignorieren das Verbot aus Unwissenheit", so Marx. Und: "Auf diesen gut sichtbar aufgestellten Schildern muss klar und unmissverständlich erkennbar sein, dass ein Betreten auf eigene Gefahr erfolgt. Diese Sofortmaßnahme ist effektiv und finanzierbar."

Doch die Forderungen der beiden Ortsvorsteher gehen noch einen Schritt weiter. Denn viele Bewohner des Rheinuferwegs bangen um die Erreichbarkeit ihrer Häuser. Velten sagt dazu: "Feuerwehr, Krankenwagen und medizinisches Personal benötigen die Zufahrt zu den betroffenen Häusern. Auch muss sichergestellt sein, dass Heizöl angeliefert werden kann und die Anwohner ihre Einkäufe nach Hause bringen können."

Trotz der Ablehnung eines grundsätzlichen Befahrungsverbotes sind sich die beiden Ortsvorsteher einig, dass Handlungsbedarf besteht, um die Schädigung der Böschung zwischen Leinpfad und Rheinuferweg nicht weiter zu forcieren. So akzeptieren sie ein Halteverbot bis zu drei Meter von der Hangkante sowie eine Verkehrslastbeschränkung auf 2,8 Tonnen. Hierbei soll jedoch der rheinabwärts gelegene Teil ab dem Lokal "Rheinterrassen" ausgenommen sein, da dort eine 200 Meter lange Betonstützmauer im Böschungshang existiert. Velten und Marx stellen klar: " Jetzt ist die Stadt am Zug und wir hoffen gemeinsam auf eine tragbare Lösung für alle Beteiligten."

Laut Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler ist ein Schild, das lediglich auf die Gefahr hinweist keine Alternative. Er habe im Gespräch mit der Bezirksregierung auf diese Möglichkeit hingewiesen, dies sei jedoch abgelehnt worden. "Wir müssen ausschließen, dass dort etwas passiert." Dafür trage Henseler die Verantwortung. Die Verwaltung will erneut das Gespräch mit Juristen, Fachleuten und Bürgern suchen, um genau abzustimmen, was an welcher Stelle notwendig ist. Das Ministerium fordere zudem einen Bericht über alle Maßnahmen zur Sicherung, sagt Henseler.