Internationale Jugendbegegnung in Walberberg

Jugendliche suchen Wege aus der Radikalisierung.

Die 17- bis 26-Jährigen treffen sich auf Einladung der Bonner Don Bosco Mission.

Die 17- bis 26-Jährigen treffen sich auf Einladung der Bonner Don Bosco Mission.

BORNHEIM-WALBERBERG. In der Jugendakademie Walberberg suchen 40 junge Menschen aus acht Nationen „Wege aus der Radikalisierung“. Die Ergebnisse des Projekts werden am Samstag vorgestellt.

Der Ton ist rau. „Halt den Mund!“ heißt es oder „Hör auf zu lachen!“ Es ist nur ein Rollenspiel, aber eines zu einem sehr aktuellen Thema: Wie funktioniert Radikalisierung, und wie bekämpft man sie? 40 junge Menschen aus acht Nationen nehmen an einer Internationalen Jugendbegegnung der Bonner Don Bosco Mission in der Jugendakademie Walberberg teil. Die 17- bis 26-Jährigen aus Italien, Spanien, Polen, Tschechien, Montenegro, Palästina, Ägypten und Deutschland werden im Idealfall zu Multiplikatoren.

Die Ergebnisse der Arbeitswoche „Wege aus der Radikalisierung“ werden am Samstag in einem öffentlichen Forum an der Bonner Universität vorgestellt. Bis dahin soll es gelungen sein, jedem Teilnehmer „einen Rucksack mit Methoden zu packen“, so die Koordinatorin Cynthia Cichocki. Das neue Wissen solle es den Jugendlichen ermöglichen, in ihren Heimatländern Ausgrenzungen zu erkennen und präventiv auf Radikalisierungen einzuwirken. Eine Veranstaltung, die ganz im Sinne Don Boscos sein dürfte, der sich in seiner Missionsarbeit insbesondere den „Rändern der Gesellschaft“ widmete.

Der italienische Priester begeisterte die Jugendlichen Turins im 19. Jahrhundert auch mit seiltänzerischen Fähigkeiten und fand damit einen Zugang zu ihnen, der ihm die Vermittlung von Bildung und Arbeit ermöglichte. Und so bietet die Bonner Mission ein attraktives Programm, um Jugendliche für die Themen „Radikalisierung“ und „Extremismus“ zu sensibilisieren.

„Wir müssen für eine menschlichere Gesellschaft sensibilisieren“

„Wenn über Radikalisierung gesprochen wird, dann ist das immer mit Panik und Angst verbunden. Die Antwort auf die Radikalisierung ist meistens Gewalt. Ich glaube aber, dass Gewalt nicht die richtige Antwort ist. Wir müssen die Menschen für eine menschlichere Gesellschaft sensibilisieren. Nur so können wir die Welt verändern.“ Dieses Zitat der 25-jährigen Slavinka aus Montenegro ist so etwas wie ein Leitmotiv für die Veranstalter der Jugendbegegnung.

Dass Veränderung notwendig ist, erfahren die Teilnehmer nicht zuletzt durch den Austausch. Wenn Jina (21) aus Bethlehem davon berichtet, wie sehr sich die christlichen und die muslimischen Gruppen gegeneinander abgrenzen, wird deutlich, dass jedweder Fundamentalismus zur Ausgrenzung führt und gefährlich werden kann.

Dagegen klingt es geradezu märchenhaft, wie Maria (25) aus einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Frankfurt über ihre positiven Erfahrungen mit den dort angekommenen syrischen Geflüchteten spricht. Ihre Eltern gehören zu den vietnamesischen Flüchtlingen, die vor vielen Jahren durch den von Rupert Neudeck und Heinrich Böll gegründeten Verein Cap Anamur gerettet wurden und so nach Deutschland kamen. Heute ist Maria aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert. An der Don Bosco Jugendbegegnung in Walberberg nehme sie teil, um sich mit den aktuellen Fragen nach den Ursachen von Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen auseinanderzusetzen, erzählt sie.

In Workshops und Rollenspielen suchen die Teilnehmer nach Antworten und Methoden, wie sie im Abseits stehende Jugendliche ansprechen und ihnen eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen können. Nach dem Motto von Don Bosco „Der Teufel hat Angst vor fröhlichen Menschen“ erlernen sie Methoden, Radikalisierung und Extremismus im eigenen Umfeld zu begegnen, angefangen bei akrobatischen Kunststücken zur Kontaktaufnahme bis hin zu angemessenen Reaktionen auf Hasstiraden in den sozialen Medien.