Einzelhandel

Geschäfte in Bornheim punkten mit Nähe

Der neue und der alte Vorsitzende: Jörg Gütelhöfer (links) und Norbert Nettekoven stehen vor den Geschäften an der Bornheimer Königstraße.

Der neue und der alte Vorsitzende: Jörg Gütelhöfer (links) und Norbert Nettekoven stehen vor den Geschäften an der Bornheimer Königstraße.

Bornheim. Bornheims Gewerbetreibende müssen nicht nur die Veränderungen durch die Einbahnregelung auf der Königstraße verdauen, auch der Online-Handel macht ihnen zu schaffen.

Insgesamt eine Stunde dauert das Gespräch im Büro von Jörg Gütelhöfer. Es könnte aber auch den ganzen Tag dauern, meint der ebenfalls anwesende Norbert Nettekoven – wenn man auch noch auf die Umgestaltung der Königstraße zu sprechen käme. Besser nicht. Doch ganz ohne Kö geht's dann doch nicht. Schließlich hatte sich der Bornheimer Gewerbeverein immer vehement gegen die Einbahnregelung für die zentrale Einkaufsstraße gewehrt. Und mit Gütelhöfer und Nettekoven sitzen zwei Gewerbevereinsgenerationen am Tisch: Der 67-jährige Nettekoven hatte 14 Jahre lang an der Spitze des Vereins gestanden, Gütelhöfer (38) ist seit einigen Wochen neuer Vorsitzender.

Infolge der Umgestaltung der Königstraße seien viele Dinge eingetreten, die der Gewerbeverein befürchtet habe, sagt Nettekoven. So sei der Peter-Fryns-Platz nicht der angedachte Kommunikationsort geworden, 30 Parkplätze seien aber weggefallen. Er sehe in der Politik jedoch aktuell keine Tendenz, dass sich in Sachen Königstraße etwas ändere, sagt er weiter. Außerdem wolle der Gewerbeverein mit dem neuen Führungsteam in die Zukunft schauen.

Spürbare Konkurrenz aus Roisdorf

„Wir haben den Vorstand ziemlich verjüngt“, berichtet Gütelhöfer. Nun wolle man zwei grobe Ziele verfolgen: Wie können die Veranstaltungen des Gewerbevereins attraktiver gestaltet werden? Wie kann der Verein neue Mitglieder gewinnen? Es gehe letztlich um die Zukunft des Zentrums von Bornheim-Ort, ergänzt Nettekoven. Die dortigen Geschäfte stünden im Wettbewerb sowohl mit dem Online-Handel als auch mit dem Einkaufszentrum in Roisdorf. Dieses ziehe klar Kaufkraft aus Bornheim ab, meint er. Mit Blick auf den Wettbewerb seien verkaufsoffene Sonntage sehr wichtig, führt Gütelhöfer dazu aus. „Das ist unsere Bühne dreimal im Jahr. Wenn es das nicht gäbe, wäre es ein Rückschritt.“

Mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Internet wolle der Gewerbeverein seinen Mitgliedern Wege aufzeigen, wie man selbst einen Fuß in den Online-Handel bekomme, erläutert Gütelhöfer weiter. „Die Bürger sind grundsätzlich pro Bornheim“, sagt er weiter. Er meine damit, dass es die Leute schon merkten, dass es wichtig sei, die lokalen Unternehmen zu unterstützen. Überdies biete man eben auch die direkte Beratung an und sei bei Problemen direkt ansprechbar. „Wir sind nahbar“, fasst Gütelhöfer zusammen. Selbstverständlich könne man nicht mit Bonn, Köln und Amazon konkurrieren. Das wolle man aber auch gar nicht.

Nach Angaben von Nettekoven leben im Einzugsgebiet von Bornheim-Ort rund 15.000 Menschen. Ein Ehepaar, das einst aus Hessen nach Bornheim gezogen war, habe ihm einmal gesagt, dass Bornheim praktisch sei. Denn auf den rund 400 Metern Königstraße erhalte man alles für den täglichen Bedarf. „Darum ist Durchgangsverkehr auch gut“, meint Gütelhöfer – und wieder steht die Einbahnstraßenregelung unausgesprochen im Raum.

Zielgruppen: Senioren und junge Familien

Auch unter dem Vorsitz von Gütelhöfer werde sich der Gewerbeverein weiter am Stadtmarketingprozess (der GA berichtete) beteiligen. Von der Theorie her sei das gut, meint er, „in der Praxis aber schwer umzusetzen“.

Der initiierte Stadtmarketingprozess kann nach Ansicht von Nettekoven dazu dienen, die Stadt Bornheim besser nach außen hin zu vermarkten. Beim Gewerbeverein setze man aber auf City-Marketing. Das bedeute zum einen, das Angebot für vorhandene Kunden zu verbessern, und zum anderen, neue Kunden zu werben, so Nettekoven. Dabei habe man vor allem zwei Zielgruppen im Blick: Senioren und junge Familien.

14 Jahre lang stand Nettekoven an der Spitze des Bornheimer Gewerbevereins mit seinen aktuell rund 90 Mitgliedern. Während seiner Amtszeit habe sich bei den Geschäften auf der Königstraße einiges verändert, berichtet er. Das beweise, dass Bornheim lebt. Den Gewerbeverein selbst gibt es seit 1980. Damals habe es auf der Königstraße die erste große Umbaumaßnahme gegeben, erinnert sich Nettekoven. Aufgrund von Kanalarbeiten sei die Straße gesperrt gewesen. Der Verein sei gegründet worden, um mit einer Stimme gegenüber der Stadt aufzutreten.

Bevor er Vorsitzender wurde, hatte Gütelhöfer, der ein Schuhgeschäft mit Orthopädie mit mehreren Filialen betreibt, bereits rund zwei Jahre lang den Vizeposten inne. Die Führungsposition habe er nun übernommen, weil es wichtig sei, dass die Arbeit des Gewerbevereins aufrechterhalten bleibe. Auch sei es ihm wichtig, etwas zurückzugeben, wie er sagt. „Dass ich das bin, was ich bin, habe ich den Menschen in Bornheim zu verdanken.“