Auf dem Biobauernhof Palm können Hobby-Gärtner ein Stück Land mieten

Die Radieschen machen den Anfang

Auf dem Feld: Die Mieter, zu denen Familien, aber auch Studenten-WGs gehören, besichtigen ihre Parzellen.

Auf dem Feld: Die Mieter, zu denen Familien, aber auch Studenten-WGs gehören, besichtigen ihre Parzellen.

27.04.2015 BORNHEIM-UEDORF. Das eigene Gemüse ernten, obwohl man keinen eigenen Garten hat: Das ist die Idee der Bonner Firma "meine ernte".

28 Standorte in ganz Deutschland gibt es, einer davon ist in Uedorf auf dem Gelände von Biobauer Leonhard Palm. Am Sonntag wurden die Parzellen bei einem Hoffest an ihre Mieter übergeben.

Mehr als 20 Gemüsesorten hat Palm schon gepflanzt. Die Ernte beginnt voraussichtlich Ende Mai mit den Radieschen und endet im Herbst mit Kartoffeln und Kürbissen. "Jedes Jahr gibt es etwas Neues", sagt Tobias Schmitz vom "meine ernte"-Team. Dieses Jahr hat Leonhard Palm in den 150 Gärten erstmals Hokkaido-Kürbisse gesät.

Etwa zwei Stunden pro Woche investieren die Hobby-Gärtner nach Schmitz' Erfahrung. Gartengeräte, Wasser und Beratung stehen kostenlos zur Verfügung. Regelmäßig verschickt das "meine ernte"-Team einen Gärtnerbrief mit Tipps zur Pflege, aber auch mit Rezepten oder Ideen zum Haltbarmachen von Gemüse.

Die Kunden sind ganz unterschiedlich. "Es kommen viele Familien. Aber auch Studenten-WGs mieten sich eine Parzelle", erzählt Schmitz. Interessant sei das Angebot auch für Rentner, da die Erdarbeiten von Bauer Palm übernommen werden. Im November endet die Saison, dann wird das Land wieder von den Palms bestellt.

"Es ist einfach schön, wenn man irgendwann was ernten kann", meint Rebekka (36), die mit ihrer Familie eine Parzelle gemietet hat. Sie sind schon im vierten Jahr dabei und wohnen in Beuel. "Die Kinder sehen, wo das Gemüse herkommt", sagt ihr Mann Guido (38). Jonathan (4) freut sich auf die Ernte, aber auch auf die Pflege der Pflanzen. Graben, Gießen und Kartoffelkäfer abklauben sind seine Lieblingsbeschäftigungen im Garten. Und Kartoffeln und Bohnen schmecken ihm viel besser, wenn sie von der eigenen Parzelle kommen.

Bei Leonie (3) ist es die Oma, die den Gemüsegarten bestellt. Leonie hat zu Hause Samen vorgezogen, die sie mit der Oma in das "Wunschbeet" pflanzt, das jede Parzelle hat. Ihrer Mutter Nicole ist auch der ökologische Aspekt wichtig.

Wenn die Familie von ihrem Wohnort auf der anderen Rheinseite kommen, fährt sie mit der Fähre und Fahrrädern. Eine ähnliche Motivation hat Maria (40) aus Niederkassel, die mit ihrem Partner einen kleinen Garten gemietet hat. "Wir möchten die Kontrolle zurückgewinnen über das, was wir essen."

Die Parzellen sind 45 oder 90 Quadratmeter groß. Die Gärtner haben ihnen Namen gegeben. "Olligarten" liest man auf einem Schild, "Gemüsemade" oder "So-Wie-Garten". In den "Hängenden Gärten von Bornheim" schreitet Kathrin (29) die Parzelle ab, die sie mit vier Arbeitskollegen gemietet hat.

"Wir wollten eigentlich einen Schrebergarten", erzählt sie, "aber wir passten nicht ins Schema und haben keinen bekommen". Sie freut sich auf das erste selbst geerntete Gemüse: "Ich find's 'ne coole Idee."

In Uedorf gibt es noch ein paar freie Gärten. Mehr Informationen unter www.meine-ernte.de/garten-buchen oder unter Tel. 02 28/28 61 71 19. (Bettina Thränhardt)