Nach Anwohnerprotesten in Witterschlick und Volmershoven

Politik will 40-Tonner verbannen

Die Alfterer Politik will, dass keine 40-Tonner mehr durch Witterschlick und Volmershoven fahren.

Die Alfterer Politik will, dass keine 40-Tonner mehr durch Witterschlick und Volmershoven fahren.

ALFTER. Der Druck auf die Wester Werke wächst: Der Alfterer Rat fordert den Rhein-Sieg-Kreis zum Handeln auf und plädiert für einen Umzug des Unternehmens.

Einstimmig hat der Alfterer Gemeinderat am Donnerstag eine Forderung an den Rhein-Sieg-Kreis beschlossen. Die Kreisverwaltung soll die Heerstraße, die Esserstraße, die Geltorfstraße, Auf dem Acker sowie die Kottenforststraße auch tagsüber für Lkw über 7,5 Tonnen sperren. Beantragt hatte das die SPD. Auf Ergänzung von Bürgermeister Rolf Schumacher (CDU) wurde die Erläuterung angefügt, dass dies notwendig sei, damit 40-Tonner die Straßen nicht weiter belasten. Ebenso fordert die Alfterer Politik den Rhein-Sieg-Kreis auf, mit den Wester Werken über eine Verlagerung des Standorts zu verhandeln.

Wie bereits mehrfach berichtet, klagen Anwohner aus Witterschlick und Volmershoven-Heidgen über Belastungen durch den Lkw-Verkehr zu und von den Wester Werken sowie – in Witterschlick – über tieffrequente Produktionsgeräusche. Der Kreis hatte kürzlich ein Nachtfahrverbot für die umliegenden Straßen angeordnet. Zuvor hatte eine Baugenehmigung des Kreises für das Unternehmen bereits geregelt, dass maximal acht Laster pro Tag zwischen 7 und 20 Uhr verkehren dürfen. Allerdings betraf diese Regelung nur das Betriebsgelände.

"Sünden der Vergangenheit"

Die Wester Werke seien „ein ganz schwieriges Problem für die Betroffenen, die dort wohnen“, sagte SPD-Ratsherr Thomas Klaus. Letztlich sei der Betrieb an der Heerstraße völlig falsch angesiedelt. „Die Sünden sind in der Vergangenheit begangen worden“, so Klaus. Mit Blick auf die Produktionsgeräusche hoffe er, dass zusammen mit den Lärmmessungen etwas passiere. Um die Menschen vorläufig vom Lkw-Verkehr zu entlasten, sollten nur Laster bis 7,5 Tonnen fahren dürfen. Sein Fraktionskollege Fridhelm Marx stellte die Frage in den Raum, ob wirklich ein Bestandsschutz für die Firma existiere. Zugleich erneuerte er seine Kritik, dass die CDU in den 90er Jahren dafür gesorgt habe, dass die Wester Werke in einen Industriebetrieb umgewandelt werden durften.

Witterschlicks Ortsvorsteherin Sigrit Pippon (CDU) und Unionsfraktionschef Barthel Schölgens wiesen das energisch zurück. „Die Gemeinde Alfter hatte in der Vergangenheit keine Möglichkeit, etwas zu verhindern“, sagte Schölgens. Es habe aber Zusagen der Wester Werke gegeben, die heute nicht mehr eingehalten würden. „Wir brauchen eine saubere Analyse“, führte Schölgens aus. Damit spielte er auf einen umfangreichen Fragenkatalog zu den Wester Werken, der Betriebsgenehmigung, der Verkehrssituation und zu einem möglichen Firmenumzug an. Den Katalog hatte die CDU zur Ratssitzung vorgelegt. Wie Bürgermeister Schumacher erläuterte, seien die Fragen bereits an den Kreis übermittelt worden.

Bürgermeister will eine Standortverlagerung erreichen

Schumacher ging mit den Wester Werken hart ins Gericht. „Das Verhalten der Firma ist unverschämt“, sagte er. Er wolle in Sachen Standortverlagerung weiter am Ball bleiben. Bislang hatten die Unternehmensverantwortlichen einen Umzug zwar nicht völlig ausgeschlossen. Von der Gemeinde gemachte Angebote hätten sich jedoch nicht auf „qualifizierte Grundstücke“ bezogen und seien „nicht finanzierbar“ gewesen, hatte es in Äußerungen gegenüber dem General-Anzeiger geheißen.

Er wolle nicht als wirtschaftsfeindlicher Bürgermeister in die Geschichte eingehen, so Schumacher weiter. Es solle weiterhin einen Dialog mit den Wester Werken geben, aber mit „klarer Kante“. Zum Produktionslärm erläuterte er, dass Ende April Lärmmessungen von der Bezirksregierung Köln durchgeführt würden. Bekanntlich hat die Firma vom Kreis die Auflage erhalten, Maßnahmen zum Lärmschutz zu ergreifen.

Kontrollen des Kreises gefordert

Albert Wulff (FDP) betonte, dass die Alfterer Politik ein gemeinsames Ziel verfolge. „Wir sollten uns nicht auseinanderdividieren lassen.“ Der Ansatz der SPD sei gut, allerdings würden durch ein Verbot von 40-Tonnern dann vermutlich mehr kleinere Laster fahren. Bei allen Maßnahmen sei darauf zu achten, dass sie eingehalten werden, so Wulff: „Der Rhein-Sieg-Kreis muss zügig und zeitnah kontrollieren und darüber informieren.“

Für Wilhelm Windhuis (Grüne) ist es nicht zu akzeptieren, was sich „da oben“ abspiele. Ziel müsse eine Verlagerung der Firma sein, fand er. Sandra Semrau (Freie Wähler) forderte eine saubere juristische Überprüfung der Betriebserlaubnis für die Wester Werke. Sollten Regeln verletzt werden, dann müsse die Erlaubnis infrage gestellt werden, meinte sie.