Neue Mehrzweckhalle

Alfterer hoffen auf 2,6 Millionen Euro Fördergelder

Die Halle am Herrenwingert in Alfter-Ort soll einem Neubau weichen.

Die Halle am Herrenwingert in Alfter-Ort soll einem Neubau weichen.

Alfter. Alfter soll eine neue Mehrzweckhalle bekommen. Das nötige Geld dafür könnte ein Programm des Bundes bringen, um das sich die Gemeinde in direktem Anschluss an eine Sondersitzung beworben hat.

Zwischen dem Rathaus der Gemeinde Alfter und dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn-Mehlem liegen keine 20 Kilometer Wegstrecke. Eine solche Distanz sollte allen Widrigkeiten zum Trotz mit dem Auto in unter fünf Stunden zu schaffen sein. Ungefähr so viel Zeit hatte die Gemeindeverwaltung am Donnerstagabend nämlich, um ihren Antrag auf Fördergelder beim Bundesamt zu vervollständigen.

Gegen 19 Uhr hatte der Gemeinderat einstimmig entschieden, dass sich Alfter um Bundesgelder für den Neubau einer Mehrzweckhalle am Herrenwingert bewirbt, um Mitternacht mussten die letzten Unterlagen für die Bewerbung beim Bundesamt eingegangen sein. Daher waren die Ratsmitglieder von Bürgermeister Rolf Schumacher zu einer Sondersitzung zusammengerufen worden.

Wie berichtet, ist das Gebäude am Herrenwingert in die Jahre gekommen. „Die alte Turnhalle ist nach Einschätzung unseres Architekten nicht mehr sanierungsfähig“, sagte denn auch Bianca Lorenz, Leiterin des Fachgebiets Planung und Hochbau bei der Gemeinde, in der Ratssitzung. Nach Berechnungen der Gemeinde soll eine neue und größere Mehrzweckhalle rund 2,9 Millionen Euro kosten. 90 Prozent der Summe, also rund 2,6 Millionen Euro, könnten durch das Förderprogramm des Bundes nach Alfter kommen.

Nur fünf Stunden bis zur Abgabe des Antrags

In den Reihen der Ratsmitglieder herrschte Einigkeit darüber, dass eine neue Halle notwendig ist. Diskutiert wurde dennoch – vor allem über das Entscheidungsverfahren auf den letzten Drücker. Im Vorfeld hatte die Verwaltung erläutert, dass das Bundesprogramm sehr kurzfristig und innerhalb der politischen Pause während der Sommerferien in NRW aufgerufen worden sei.

„Wir unterstützen das“, bekundete Werner Urff für die UWG. Es sei richtig, dass der Antrag gestellt werde, sagte wiederum Bolko Graf Schweinitz (Freie Wähler). Er hätte sich im Vorfeld allerdings mehr Diskussionen und Informationen erhofft, gegebenenfalls in seiner außerplanmäßigen Ausschusssitzung. Christopher Ehlert (CDU) hätte sich ebenso einige Informationen früher gewünscht. Zugleich nannte er den Förderantrag eine „sehr große Chance für Alfter-Ort“. Überdies sei es wichtig, dass der Bolzplatz am Herrenwingert erhalten bleibe.

Wie berichtet, will die Gemeinde die neue Halle auf der jetzigen Fläche des Bolzplatzes bauen. Dieser soll dann auf die Fläche der alten Halle kommen, die nach Fertigstellung des Neubaus abgerissen werden soll. Auch Vertreter anderer Fraktionen unterstrichen, dass die Weiterexistenz des Bolzplatzes gesichert sein müsse.

Entscheidung soll im Oktober fallen

Thomas Klaus (SPD) kam wie auch die Freien Wähler, die Grünen und die FDP auf das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) zu sprechen. Dieses befindet sich in Arbeit und soll die Grundlage für die generelle Umgestaltung des Herrenwingerts sein. Aus Sicht der SPD werden durch den Bau einer Halle in Sachen Umgestaltung bereits Fakten geschaffen. Er sei vom Verfahren nicht begeistert, gleichwohl sollte man die Chance wahrnehmen, so Klaus. „Es ist doof gelaufen“, meinte Wilhelm Windhuis (Grüne) zum Verfahren. Neben der Erhaltung des Bolzplatzes sei bei aller Herrenwingert-Umgestaltung auch die Sicherung des Edeka-Standortes wichtig. Der Meinung war ebenfalls Albert Wulff (FDP). Der Einzelhandel müsse nach dem ISEK zukunftsfähig dastehen. Wenn sich allerdings die Chance auf Fördergelder für eine neue Halle bietet, sollte man diese wahrnehmen.

Bürgermeister Schumacher bemühte sich, die zahlreichen Fragen aus den Reihen der Ratsmitglieder zu beantworten. Im Verfahren sei die Turnhalle auch an einer anderen Stelle möglich, das ISEK werde durch den Förderantrag nicht eingeschränkt – ganz im Gegenteil sei man angehalten, sich um Fördergelder zu bewerben. Die im Raum stehende Idee, Edeka und Halle in einem Gebäude unterzubringen, sei denkbar, aber nicht förderfähig, sagte Schumacher. Falls die Baukosten im Verfahren steigen, könnte man gegebenenfalls einen Nachförderantrag stellen, führte der Bürgermeister aus – oder den Prozess stoppen.

Wie er weiter erläuterte, stehen innerhalb des Förderprogramms 100 Millionen Euro für die ganze Bundesrepublik zur Verfügung, was so gesehen nicht viel Geld ist. Schumacher: „Wir haben keine Chance, aber die wollen wir nutzen.“ Im Oktober soll dem Programmplan nach eine Entscheidung fallen.