Fall Anna

Urteil gegen Pflegemutter ist rechtskräftig

KÖNIGSWINTER.  Der Bundesgerichtshof lehnt die Revision von Petra W. ab. Der Anklagetermin gegen die Mitarbeiterin des Jugendamtes steht noch nicht fest.
Die Angeklagte Petra W. vor Gericht.
							Foto: Barbara Frommann
Die Angeklagte Petra W. vor Gericht. Foto: Barbara Frommann

Das Urteil des Bonner Landgerichts vom 24. November 2011 gegen die Pflegeeltern im Fall Anna ist rechtskräftig. Dies teilte das Landgericht Bonn mit. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat auf Antrag des Generalbundesanwalts die Revision der Pflegemutter mit Beschluss vom 12. Dezember einstimmig als unbegründet verworfen. Der mitangeklagte Ehemann hatte seine Revision bereits zu einem früheren Zeitpunkt zurückgenommen.

Vor fast 13 Monaten war die heute 53-jährige Petra W. wegen Mordes in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Misshandlung einer Schutzbefohlenen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Ihr heute 53-jähriger Ehemann Ralf W. war wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Misshandlung einer Schutzbefohlenen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Das gemeinsame Pflegekind Anna war zum Zeitpunkt seines Todes am 22. Juli 2010 in der Wohnung der Pflegeeltern in Bad Honnef neun Jahre alt. Das Bonner Landgericht sah es als erwiesen an, dass die Pflegemutter aus niedrigen Beweggründen Anna in der Badewanne ertränkte.

Der Schlüssel für die Tat habe in der übersteigerten Eigensucht und der Geltungssucht der Angeklagten gelegen, die nach außen den Eindruck vermittelte, dass es ihr um das Wohl des Kindes gehe. Der mitangeklagte Ehemann habe am Abend des 22. Juli 2010 zeitweise zugesehen und zu spät eingegriffen.

Als schließlich ein Notarzt herbeigerufen wurde, kam für Anna jede Hilfe zu spät. Nach den Feststellungen des Gerichts wurde Anna bereits ab dem Sommer 2009, also ein Jahr vor ihrem Tod, von der Angeklagten körperlich misshandelt und in der Badewanne bis zur Atemnot untergetaucht.

Der Verhandlungstermin für die Anklage der Bonner Staatsanwaltschaft gegen die zuständige Sachgebietsleiterin des Königswinterer Jugendamtes steht nach Angaben des Landgerichts noch nicht fest. Die Ermittlungsbehörde wirft der 45-jährigen Sozialpädagogin, die noch im Dienste der Stadt Königswinter steht, fahrlässige Körperverletzung in 26 Fällen durch Unterlassen vor. Außerdem wird ihr Verwahrungsbruch und Urkundenunterdrückung zur Last gelegt, weil sie nach Annas Tod Urkunden verändert und vernichtet haben soll.

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Chronologie: Der Fall Anna

Im Juli 2010 ertrank die neunjährige Anna nach monatelangen Misshandlungen in der Badewanne. Die Pflegeeltern mussten sich vor dem Bonner Landgericht verantworten. Auch gegen Mitarbeiter der zuständigen Jugendämter wurde ermittelt. Eine Chronologie.

  • 24. November 2011: Das Landgericht Bonn spricht die Pflegemutter von Anna des Mordes, der Misshandlung und der Freiheitsberaubung mit Todesfolge für schuldig. Die Pflegemutter muss lebenslang in Haft. Ihr Ehemann Ralf W. wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
  • 10. November 2011: Der Verteidiger von Annas Pflegemutter plädiert auf eine Verurteilung zu einer "maßvollen Freiheitsstrafe" wegen gefährlicher Körperverletzung, Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung. Für eine Mordabsicht gebe es keine Hinweise.
  • 3. November 2011: In ihrem Plädoyer fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für die angeklagte Pflegemutter. Ihr Mann soll wegen Körperverletzung mit Todesfolge für neun Jahre in Haft.
  • 31. Oktober 2011: Nach 23 Verhandlungstagen schließt das Schwurgericht die Beweisaufnahme ab. Inzwischen beschuldigen sich die beiden Angeklagten gegenseitig, Anna getötet zu haben.
  • 22. Juli 2011: Vor genau einem Jahr starb in Bad Honnef die neunjährige Anna. Ihre Pflegeeltern sollen sie schwer misshandelt und schließlich ertränkt haben.
  • 20. Juni 2011: Im Prozess um Annas Tod sagte die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes aus.
  • 5. Mai 2011: Schon seit Jahren soll es Zweifel an der Eignung von Annas Pflegeeltern gegeben haben.
  • 3. Mai 2011: Erneut wird gegen das Jugendamt Bad Honnef ermittelt.
  • 2. Mai 2011: Der Prozess um Annas Schicksal wird komplett neu aufgerollt. Das Landgericht Bonn prüft nun auch, ob sich die Pflegeeltern wegen Totschlag oder Mord verantworten müssen.
  • 27. Januar 2011: Am zweiten Prozesstag hat der Pflegevater die Vorwürfe voll eingeräumt.
  • 24. Januar 2011: Der Prozess beginnt. Der Verteidiger des angeklagten Pflegevaters kündigte eine umfassende Aussage seines Mandanten an.
  • 17. August 2010: Nach dem Tod der neunjährigen Anna werden Vorwürfe gegen das Jugendamt in Königswinter erhoben. Der Pflegevater wird beschuldigt, Anna ertränkt zu haben.
  • 22. Juli 2010: Eine Neunjährige aus Bad Honnef ist vermutlich nach schweren körperlichen Misshandlungen in der Badewanne ertrunken.