Beuel-Niederkassel-Köln

Neue Rheinuferbahn soll 159,4 Millionen Euro kosten

Ein Güterzug wartet vor der Evonik auf die Abfahrt. Die Trasse wird für die neue Stadtbahnlinie Beuel - Niederkassel-Köln gebraucht.

Ein Güterzug wartet vor der Evonik auf die Abfahrt. Die Trasse wird für die neue Stadtbahnlinie Beuel - Niederkassel-Köln gebraucht.

Rhein-Sieg-Kreis. Ein internes Papier nennt Kosten zu den Plänen der Rheinuferbahn Beuel-Niederkassel-Köln. Eine erste Kosten-Nutzen-Untersuchung bestätigt die Wirtschaftlichkeit. Die Vorzugstrasse für die Rheinquerung soll bis 2020 definiert sein.

Die technischen Machbarkeitsstudien zum Stadtbahnprojekt Beuel – Niederkassel – Köln und einer Brücke zwischen Niederkassel-Lülsdorf und Köln-Langel rechtsrheinisch und Wesseling linksrheinisch liegen vor, und auch eine erste Nutzen-Kosten-Untersuchung bestätigt die Wirtschaftlichkeit dieser Projekte. Aber konkrete Zahlen will André Berbuir, Fachbereichsleiter im Referat Wirtschaftsförderung und Strategische Kreisentwicklung des Rhein-Sieg-Kreises, nicht nennen. "Da gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten. Außerdem können sich die Rahmenbedingungen noch ändern. Daher geben wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Zahlen raus." Fakt sei indes, "dass wir in 14 Tagen bei einem zweiten Gespräch mit Vertretern des Landes und des Bundes vertieft in die Planungen einsteigen werden".

Dann gilt es, den Geldgebern, die 90 Prozent der Kosten tragen sollen, nachvollziehbar darzulegen, wie die bisherigen Kosten aussehen. Bund und Land haben dann auch noch die Möglichkeit, mögliche Bedenken oder Anregungen zu äußern, die in die Berechnungen einfließen sollen. "Dann erst können wir belastbare Zahlen nennen", so Berbuir. "Die vorliegenden Gutachten werden im Prozess weiter verfeinert und aktualisiert. Mit Ergebnissen ist circa Mitte 2020 zu rechnen", heißt es in einem Bericht des Kreiswirtschaftsförderers Hermann Tengler, der dem gemeinsamen Planungsausschuss von Bonn und Rhein-Sieg an diesem Donnerstag vorgelegt wird.

Rheinquerung kommt in Kostenschätzung nicht vor

Während bei der Rheinquerung tatsächlich noch viele Unwägbarkeiten zu berücksichtigen sind, sehen die Planungen zum Stadtbahnprojekt schon sehr konkret aus. "Zwischen Bonn-Beuel und Lülsdorf steht die Trassenführung der Stadtbahn auf Grundlage der technischen Machbarkeitsstudie und der vorliegenden Beschlüsse fest", heißt es im Tengler-Bericht. Nach einer Kostenschätzung des Rhein-Sieg-Kreises und des Ingenieurbüros H. Vössing Gmbh, die dem GA vorliegt, würde das Schienenprojekt zwischen Beuel und Köln-Zündorf etwa 159,4 Millionen Euro kosten. Aufgeteilt in die Streckenabschnitte entfielen davon 68,8 Millionen auf den Ausbau zwischen Beuel und Mondorf, 58,1 Millionen auf den Abschnitt bis Lülsdorf und etwa 31,5 Millionen auf eine Option über Zündorf.

Die Rheinquerung kommt in der Kostenschätzung nicht vor. Schließlich hat der Landesbetrieb Straßen NRW bislang nur einen Korridor definiert. Klar sei aber, so geht aus den Unterlagen hervor, dass allein die Stadtbahn schon einen positiven Nutzen-Kosten-Faktor vorweist. Bei der Planung der Rheinquerung gilt es, rechtsrheinisch noch den Naturschutz und eine alte Mülldeponie zu berücksichtigen. Linksrheinisch müssen Teile der petrochemischen Industrieanlage überbaut werden. Vorstellbar ist dort eine langgezogene Brücke, für die es aber eine Reihe von Auflagen wegen Sicherheitsabständen geben wird.

Der Landesbetrieb ist jedenfalls auf der Suche nach einer Trasse, die technisch machbar ist und das geringste Konfliktpotenzial birgt. "Der Kreis gibt in dieser Sache richtig Gas", sagt Ingo Steiner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag. "Richtig ist, dass unsere Planer zweigleisig fahren und neben einer kombinierten Straßen/Schienen-Brücke auch die Pläne für eine Brücke vorbereiten, die nur für den Schienenverkehr ausgerichtet ist." Der Vorteil liege nicht nur darin, dass eine bessere Erschließung an den Kölner Süden und zusätzlich eine Verbindung an die Bahn Richtung Godorf möglich wäre. "Diese Lösung wäre auch viel schneller umsetzbar, weil der Landesbetrieb bei einer Planung einer Autobahnanbindung unglaublich viele Zuläufe berücksichtigen muss."

Möglich wäre zum Beispiel eine Stadtbahnhaltestelle Lülsdorf Nord mit einer zweigleisigen Haltestelle vor der Rheinquerung und ein Ausbau Richtung Godorf und in Richtung Zündorf. Die Planvarianten für die gesamte rechtsrheinische Stadtbahnstrecke sehen schon sehr konkret aus. Dabei haben die Experten auch Möglichkeiten des geringeren Widerstands berücksichtigt. Bei der Ortsdurchfahrt Mondorf zum Beispiel wäre eine Lösung mit zusätzlichem Grunderwerb zwar komfortabler, aber der Ausbau wäre auch mit dem bisher zur Verfügung stehenden Verkehrsraum möglich.

Rhein-Sieg-Kreis rechnet mit Klagen

"Heutzutage muss man mit Klagen gegen solche Projekte rechnen", sagt Berbuir. "Und ich rechne fest damit, dass welche kommen werden." Bis zum Herbst will der Landesbetrieb Straßen NRW eine Vorzugstrasse benennen. "Die brauchen wir auch, damit wir wissen, wie wir weiter planen können", sagt Berbuir. Bis 2020 soll eine Vorzugstrasse definiert sein. "In diesem Verfahren werden Bündelungsoptionen Stadtbahn/Autobahn untersucht", so Tengler.

Der Rhein-Sieg-Kreis arbeitet zurzeit wie die hinduistische Göttin Durga mit ihren vielen Armen. "Es bestehen grundsätzliche Abhängigkeiten zwischen der Stadtbahnplanung und anderen Verkehrsprojekten, die derzeit abgestimmt werden", so Tengler. Und Berbuir erklärt: "Wir machen vieles gleichzeitig. Wir wollen keine Zeit verlieren, aber vor allem müssen wir, um die Rheinquerung und die Stadtbahn miteinander in Einklang zu bekommen, den Planern des Landesbetriebs immer ein wenig voraus sein." Dazu gehört etwa der Gleisanschluss an den Güterbahnverkehr für die Evonik, denn deren bislang genutzte Trasse wird für die Stadtbahn gebraucht.

"Der Kreis drückt wirklich auf die Tube", sagt Rainer Bohnet, Vorsitzender des Verkehrsclubs VCD Bonn-Rhein-Sieg-Ahr. "Und das ist gut so, denn das ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte in der Region. Davon werden viele Pendler profitieren." Bei der Ausbauoption mit Rheinquerung würde sich die Fahrtzeit für Pendler zwischen den nördlichen Stadtteilen von Niederkassel und der Kölner Innenstadt halbieren. Zudem entfällt bei dieser Variante das Umsteigen. Bei einem Ausbau über Zündorf verringern sich die Fahrzeiten den Planern zufolge nach Köln um etwa ein Drittel. Von Lülsdorf nach Bonn würde die Fahrtzeit 31 Minuten dauern, statt wie heute 39 bis 47 Minuten mit der Buslinie 550.