ADFC-Fahrradklimatest

Mehr Radler und zu wenig Wege im Kreis

Gute Radverbindungen sind ein Dauerthema in der Region: Nicht überall ist der Verkehr so klar geteilt wie auf der Kennedybrücke.

Gute Radverbindungen sind ein Dauerthema in der Region: Nicht überall ist der Verkehr so klar geteilt wie auf der Kennedybrücke.

Rhein-Sieg-Kreis. Auswertung des ADFC-Fahrradklimatests ergibt mit wenigen Ausnahmen schlechte Noten für den Rhein-Sieg-Kreis. Niederkassel schneidet vergleichsweise gut ab.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Bonn/Rhein-Sieg und der Rhein-Sieg-Kreis haben die Ergebnisse des Fahrradklimatests für den Rhein-Sieg-Kreis vorgestellt, die in einer im Herbst 2018 durchgeführten Befragung ermittelt wurden. Zwar stieg die Teilnehmerzahl im Vergleich zur Umfrage 2016 von 1500 auf 2097 und damit um 40 Prozent. Grund zur Freude gibt es aber nicht, denn nach den Worten von Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC, kommt der Kreis insgesamt auf eine Durchschnittsnote von 4,10 (2016: 3,92) und liegt damit etwas schwächer als der Bundestrend.

„Keine Kommune konnte sich verbessern. In zahlreichen Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises ist das Ergebnis zum Teil deutlich schlechter als noch vor zwei Jahren“, so Lorscheid. „Für mich zeigt sich darin, dass die Infrastruktur mit den steigenden Bedürfnissen von immer mehr und schneller fahrenden Radlern nicht Schritt hält.“ Der Radverkehr spielt auch bei der Diskussion um Luftreinhaltung in Bonn eine Rolle. Pendler kritisieren, dass gut ausgebaute Radschnellwege fehlen.

Ausbau vom Radnetz in Planung

Landrat Sebastian Schuster wies darauf hin, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ seien, der Kreis sie dennoch ernst nehmen werde. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass in den nächsten Jahren wieder bessere Ergebnisse erzielt werden. Es sei einiges geplant, um das Radnetz attraktiver zu machen. Es könne allerdings nicht an jeder Straße ein Radweg gebaut werden.

Dass die Umfrage nicht repräsentativ ist, räumten auch die ADFC-Vertreter ein. Schließlich beantworteten beispielsweise von 77 000 Bürgern der Stadt Troisdorf lediglich 97 Radfahrer die insgesamt 28 Fragen inklusive einer offenen Frage. In diesem Zusammenhang wies Sven Habedank vom Fachbereich Verkehr und Mobilität des Rhein-Sieg-Kreises darauf hin, dass die Infrastruktur sich nicht verschlechtert habe, aber die Ansprüche der Radfahrer gestiegen seien. Außerdem hätten sich bei einer repräsentativen Umfrage des Infas-Instituts zu ihrem Mobilitätsverhalten rund 53 Prozent der Befragten im Kreis zufrieden bis sehr zufrieden mit der Situation der Radfahrer gezeigt.

Auf der ADFC-Rangliste der Kommunen steht Meckenheim mit der Note 2,96 auf Platz Eins, Königswinter (4,46), Rheinbach (4,47) und Bad Honnef (4,48) sind die Schlusslichter. Die besten Noten erhielten die Kreiskommunen im Schnitt bei der Erreichbarkeit der Innenstadt (3,1) und der Fahrrad-Wegweisung (3,1), die schlechtesten Noten für öffentliche Leihradsysteme (5,1) sowie bei der Falschparkerkontrolle auf Radwegen (4,7). Die Bewertungen der Rhein-Sieg-Kommunen:

Sankt Augustin: 211 Teilnehmer haben Sankt Augustin in Sachen Fahrradfreundlichkeit die Durchschnittsnote 4,1 gegeben. Damit kommt die Gemeinde in ihrer Größenklasse – 50 000 bis 100 000 Einwohner – bundesweit auf Platz 71 von 106. In NRW belegt sie Platz 28 von 43. Abgefragt wurde eine Vielzahl von Aussagen. Positiv bewerteten die Radfahrer die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die guten Wegweiser, und dass es kaum Konflikte mit Fußgängern gebe. Negativ schlug in Sank Augustin das geringe Angebot öffentlicher Leihfahrräder zu Buche, ebenso bemängelten die Teilnehmer holprige Radwege und die wenig attraktive Fahrradmitnahme in Bus und Bahn. „Im Gegensatz zu anderen Regionen ist unser ÖPNV sehr gut ausgelastet – in Spitzenzeiten bereits jetzt überlastet. Grundsätzlich haben Fahrgäste, Mobilitätseingeschränkte sowie Eltern mit Kinderwagen in Bus und Bahn Vorrang vor dem Fahrrad“, so Landrat Schuster.

Hennef: 252 Radfahrer haben ihre Bewertung für Hennef abgegeben, unterm Strich mit einer Schulnote von 4,3. Die Stadt liegt damit auf Platz 282 von 311 Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern. Leihräder, Wegweiser wurden positiv, die Hindernisse und die Sicherheit auf Radwegen negativ bewertet. Es komme außerdem häufig zu Konflikten mit Fußgängern. Der Fahrradklimatest belege erneut Handlungsbedarf in Hennef, teilte die dortige SPD mit. „Auf die Frage, ob man sich als Radfahrer im Hennefer Verkehr sicher fühlt, antwortete eine große Mehrheit mit mangelhaft bis ungenügend. Das gibt zu denken“, so die SPD-Ratsmitglieder Gerald Steinmetz und Mario Dahm.

Siegburg: Siegburg landete mit der Note 4,2 auf Platz 248 von 311 in der Stadtgrößenklasse bis 50 000 Einwohner. Positiv fiel hier auf, dass viele Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet sind. Außerdem bewerteten die Befragten das Angebot an Leihfahrrädern als gut. Die Radler gaben jedoch an, dass das Stadtzentrum im Vergleich zu anderen schlecht zu erreichen sei und es wenig geeignete Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gebe.

Niederkassel: Immerhin eine Note „befriedigend“ gib es für die Stadt Niederkassel, die mit ihrer Note 3,9 zu den besseren im Kreis zählt. Die 91 Teilnehmer lobten nicht nur die guten Wegweiser. Das Radfahren mache Spaß und es gebe kaum Fahrraddiebstahl. Negativ fiel auf, dass nur wenig Einbahnstraßen für Radler geöffnet sind und die Mitnahme in Bus und Bahn wenig attraktiv ist.